Fuckboy findet (keinen) Frieden
Die 60er - Sex, Freiheit und Frieden… oder?! „Alfie“ hält dieser gegensätzlichen Zeit den Spiegel vor, könnte Caines größte Rolle in einer legendären Karriere sein und wirkt noch immer frischer, besser, potenter als beispielsweise sein Remake… Dieser britische Klassiker über Sex, Liebe und Seelenfrieden altert gefühlt rückwärts und ist für mich einer der unterhaltsamsten, vielschichtigsten Filme seines Jahrzehnts. Erotisch, intelligent, schlagfertig ohne Ende. Caine ist genial. Als ob ihm die Rolle auf den Leib geschneidert wurde. Macho und sensibel zugleich. Eine Kehrtwende mit Folgen. Ein absoluter „Geheimtipp“ auf Paramount+. Noch immer bissig und bitterböse. Erzählt wird von einem unbedarften Ladies Man, Betrüger und Angeber, der nach etlichen Bettgeschichten und sexuellen Gespielinnen aller Formen und Farben langsam versteht, dass ihn dieser promiskuitive und von vielen beneidete Lebensstil kaum zum persönlichen Glück führt…
Grossbettannien
Versext und doch stilvoll. Britisch aber nie steif. Zumindest nicht in den falschen Beziehungen. Betrügerisch und begnadet. „Alfie“ ist köstlich. Politisch nicht immer korrekt. Seine Zeit perfekt verkörpernd und doch hinterfragend. Traurig und tragisch trotz aller Lockerheit. In jeder Stellung zuhause. Voller Jazz, frei und frech. Mit Pauken und Trompeten, vom Blasen und von Blasen. Caine mit Einfluss von Deadpool bis Ferris Bueller. Mit den heutigen Erfahrungen und Ansichten vielleicht köstlicher denn je. Unreif und im Unrecht. Aber mit Spaß und Eifer bei der Sache. Bis zum bösen und einsamen Erwachen. Schlag- und schlaffertig. Wunderschöne Frauen. Auf den Kopf gestellte Geschlechterrollen. Ein Drehbuch, das aus allen Zylindern feuert. Mutig und maskulin. Vaterschaft, Vorbild und Verriss. Die vierte Wand wird gesmasht. Klischees und Kopulationen. Casanova und Alleingänger. Den Schalk im Nacken und den Antrieb zwischen den Beinen. Tabus und selbstzerstörerische Tendenzen. Krankenschwestern und Knotenpunkte. Gentleman und Genitaliengauner. Swinging Sixties und der Kater danach. Zynisch, britisch, gut. Man erkennt kaum, dass ein Theaterstück zugrunde lag. Dynamisch genug. Rührei und Rührseligkeit. Nur den deutschen Titel kannst' knicken. Egal wie schön waren Frauen und Wein, am Ende stehste allein…
Fazit: meta, ironisch, clever, subversiv - „Alfie“ ist ein Klassiker der sexuellen (Film-)Revolution!