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Das 1857 in San Diego erbaute Whaley Haus gilt als das am stärksten heimgesuchte Spukhaus in den USA. Seit 1960 wurde es zwar zu einem Museum umfunktioniert, doch regelmäßig behaupten Besucher, den Gründer Thomas Whaley am Treppenabsatz stehen zu sehen. Also eigentlich eine totale Steilvorlage für Autor und Regisseur Jose Prendes, doch der zieht es vor, seinen Spukhausfilm wie ein Sammelsurium der schwächsten Genrebeiträge seit den Siebzigern erscheinen zu lassen.

Penny arbeitet als Touristenführerin im Whaley Haus und lässt sich eines Abends von ihren Freunden überreden, das Gebäude betreten zu dürfen. Mit an Bord ist auch Medium Keith, der binnen kurzer Zeit Kontakt mit Geistern aufnimmt. Als es zu einem tödlichen Treppensturz kommt, gewinnen die Geister jedoch an Macht und wollen den Rest der Truppe ins Jenseits lotsen…

Was so stimmungsvoll mit „Danse Macabre“ von Saint-Saëns beginnt, endet beim Abspann tatsächlich mit einer billigen Pop-Nummer, die selbst in den Achtzigern nie in die Charts gekommen wäre und dieser Verfall guten Geschmacks ist bezeichnend für den kompletten Streifen.
Das beginnt mit den nicht vorhandenen Figurenzeichnungen, setzt sich mit den grottigen Mimen fort und endet noch längst nicht bei den minderwertigen Effekten auf dem Niveau einer Geisterbahn.

Prendes hat zahlreiche Versatzstücke des Spukhausfilms in einen Topf geworfen, kräftig gerührt, jedoch vergessen, dem fertigen Produkt einen sinnvollen Kontext einzuhauchen.
So nimmt die Geschichte kurz Bezug zu einem seinerzeit tatsächlich Gehängten, dessen Geist kurz mitmischt und ebenso unspektakulär wieder verschwindet. Auch diverse Familienmitglieder der Whaleys treten in Erscheinung, doch welche Absichten zu welcher Zeit verfolgt werden, bleibt die meiste Zeit über ungewiss. Medium Keith vermag da mit seinen Erklärungen über etwaige übersinnliche Phänomene wenig ausrichten, wenn sich außerhalb des Hauses eine ehemalige Museumsbesucherin nach telepathischer Nachricht ein Beil in den Hals rammt.

Somit fließt jedoch immerhin ein wenig Blut, als jemand von einem Metallgegenstand durchbohrt wird, ein anderer gleich den Kopf verliert, ein Arm zerfetzt wird oder ein Stuhlbein in einer Brust landet. Jene Momente sind zumindest sehenswerter als der billige Spuk, der von unterirdischem Make-up mit weißen Kontaktlinsen über einen heißen Türknauf bis hin zu einen Schatten hinter einem Vorhang reicht. Nicht zu vergessen das alberne Gläserrücken und lautes Pochen hinter einer Tür, was bereits in den Sechszigern weitaus effektiver umgesetzt wurde.

Einzig der finale Twist kann ein wenig überzeugen, auch wenn die Pointe alles andere als innovativ erscheint. Der Rest bietet Kasperltheater mit teils debilen und teils unsinnigen Dialogen in schlecht übersetztem Deutsch, hinzukommt ein einschläfernder Score der hauptsächlich aus Hüllkurven besteht und nervige bis unauffällige Figuren in einem Haus, dessen Atmosphäre allenfalls in Ansätzen gruselig daherkommt.
Wüsste man es nicht besser, könnte man den Streifen glatt für eine zu Recht vergessene Produktion aus den Achtzigern halten, - nur waren da die Frisuren noch schauerlicher…
Knapp
3 von 10

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