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SILVER LININGS berührt ohne auf die Tränendrüse zu drücken, der Film zeigt ganz normale psychische Störungen auf und lässt den moralischen Zeigefinger stecken, er ist romantisch und verspielt ohne kitschig zu sein. Bei allem vorhandenen Macken der Darsteller und sichtbarem Leid ist das Gefühl am Ende deutlich optimistisch und dem Leben gegenüber positiv eingestellt. Er ist ein wunderbares und anspruchsvolles Feelgood-Movie.

SILVER LININGS (zu deutsch "Silberstreif") amüsiert als emotionale Komödie, die die kleinen psychischen Problemchen aller Beteiligten langsam aber deutlich eröffnet und aufzeigt, aber die Menschen nicht vorführt, geschweige denn verurteilt Vielmehr wird klargestellt, dass dies eigentlich die Normalität ist und jeder seine Macken hat. Dies gelingt dem Film durch viele gehaltvolle und pointierte Dialoge, humorvolle Spitzen ohne Dampfhammer, eine öfters sehr bewusste und ungewöhnliche Kameraführung, bestens aufgelegte Darsteller und einer Art intelligentem Charme.

Jennifer Lawrence Oscargewinn ist aufgrund ihrer Performance gut nachzuvollziehen. Sie agiert ungewohnt rau und vulgär und schafft es aber gerade dadurch in der Balance mit ihrer deutlich sichtbaren Verletzlichkeit und eigenen psychischen Probleme, die sich in dreisten Sexeskapaden widerspiegeln, das Publikum zu gewinnen. Bradley Cooper war auch nominiert, aber Daniel Day-Lewis in LINCOLN hat sich durchgesetzt und ihm den Preis vorenthalten.

Die Geschichte (OHNE SPOILER!) des aus der Psychiatrie entlassenen Pat der sich in die Betreuung seiner Eltern gibt und auf die depressive Tiffany trifft, findet stets den richtigen Ton zwischen der notwendigen Ernsthaftigkeit der Krankheiten der Beteiligten und sehr auflockernder humoristischer Elemente. Stilistisch sind die mehrfachen sehr nahen Zooms auf die Gesichter der Protagonisten auffällig, gerade bei Bradley Cooper und seinen Dialogszenen, und auch Hände sind gerne mal groß im Bild.

Auch die Eltern von Pat, allen voran Robert De Niro, können überzeugen und auch dort ist nicht alles normal wie eigentlich im gesamten Film. Regisseur David O. Russell wird wohl den meisten noch von dem sehr guten Sportdrama THE FIGHTER von 2010 ein Begriff sein. Hier hat er sich also den gleichnamigen Roman von Matthew Quick vorgenommen, wobei ich den Film hier wie meist unabhängig vom Buch bewertet habe. Er schrieb auch gleich noch das Drehbuch dazu. Aufgrund der oben genannten Punkte kann der Film für Freunde anspruchsvoller Dramen mit eigener Handschrift absolut empfohlen werden.

7/10 Punkten

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