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"Wenn du wie der Blitz fährst, wird es dich mit einem Donner zerreißen."

Luke Glanton (Ryan Gosling) kann eines besonders gut: Motorrad fahren. Sein Talent stellt er als festen Programmpunkt eines umherziehenden Jahrmarktes unter Beweis. Als er aber von seiner ehemaligen Affäre Romina (Eva Mendes) erfährt, dass sie einen Sohn von ihm hat, wird Luke sesshaft. Obwohl Romina einen anderen Freund hat, versucht Luke eine feste Stelle zu bekommen, um sie und seinen Sohn zu ernähren. Die Bezahlung in einer Reparaturwerkstatt reicht allerdings nicht aus, wodurch Luke auf die schiefe Bahn gerät. Die verübten Banküberfälle laufen zunächst alle nach Plan. Aber eines Tages gerät er ins Visier des Polizisten Avery Cross (Bradley Cooper), der sich schon bald mit Korruptionsvorfällen innerhalb der Polizei abfinden muss.

"The Place Beyond the Pines" besteht aus drei Geschichten, die mal mehr, mal weniger gut miteinander verknüpft sind. Im ersten Drittel dominiert eine Geschichte um Verantwortung und Fürsorge zwischen Vater, Mutter und Sohn. Die im Mittelpunkt stehende Person Luke ist wortkarg und transportiert mit melancholischem Blick das Bild eines Mannes, dessen Existenz zum Scheitern verurteilt zu sein scheint. Trotz diverser Ausfälligkeiten, bleibt er Sympathieträger über den gesamten Teil der Handlung.
Nach etwa 45 Minuten erhält der Film unerwartet eine neue Hauptfigur und eine völlig neue Richtung zum Thriller-Drama. Avery Cross ist ein genauer Gegensatz zu Luke. Durch seinen absoluten Gerechtigkeitssinn machen ihm nicht nur die korrupten Vorfälle in seinem Revier zu schaffen. Auch mit seinem Sinn für Familie steht es nicht zum Guten.
Aus dieser Konstellation ergibt sich mittels eines 15 Jahre Zeitsprungs das abschließende Drittel um die Söhne der beiden zuvor fokussierten Personen. Beide befinden sich in der pubertären Selbstfindungsphase zwischen familiärem Chaos und den Abgründen rund um Drogen. Und das aufeinandertreffen Beider hat zu erwartende Konsequenzen.

Bei dem Überblick wird klar, dass "The Place Beyond the Pines" kein durchgängiger Film über Banküberfalle, Korruption oder Rache ist. Nein, es handelt sich hier um ein reinrassiges Drama, dass generationsübergreifend und episch sein möchte. Eine einzige Actionsequenz steht für den Übergang zwischen dem ersten und zweiten Drittel. Und diese ist bewusst authentisch, ohne die Nutzung mittlerweile Hollywood typischer Blockbuster-Krawall-Kino Elemente, gehalten.
Regisseur Derek Cianfrance ("Blue Valentine") der seine Wurzeln ursprünglich im Dokumentarfilm hat, legte besonderen Wert auf die glaubhafte Darstellung eines Kleinstadt-Ambientes. Somit nutzt er in der Besetzung real in dem jeweiligen Beruf arbeitende Personen, lässt lange ruhige Einstellungen für sich sprechen und präsentiert beeindruckende Panoramaufnahmen endlos scheinender Wälder. Die Kamera bleibt häufig nah an den Darstellern und die Handlung bodenständig.

Neben weiteren Punkten ist diese realitätsnähe ein Manko des Films. Der Kombination aus 140 Minuten Laufzeit und gemächlicher Inszenierung folgen einige Längen.
Die drei zusammenhängenden Geschichten funktionieren an sich. Einzeln betrachtet ist jedoch nur das erste Drittel wirklich durchdacht. Bereits im zweiten fehlen gewisse Höhen und ein Aha-Effekt. Bei der Geschichte um die beiden Söhne fehlt schließlich die vorherige Vielschichtigkeit. Allen Dreien merkt man an, dass sie nur oberflächlich thematisiert und betrachtet werden, auch wenn die figurennähe gewährleistet ist.
Trotz einigen überraschenden Wendungen gibt es Dinge, die schnell ersichtlich werden und unangekündigte Zeitsprünge verwirren bei der kompakt gehaltenen Erzählstruktur. "The Place Beyond the Pines" versucht zu viele Geschichten in einer zu verpacken, wodurch die einzelnen sehr rasch abgehandelt werden.

Wenn man die Performance von Ryan Gosling ("Drive", "Gangster Squad", "State of Mind") und Bradley Cooper ("Hangover"-Reihe, "The Midnight Meat Train") sieht, schätzt man die wohlwollenden Kritiken des Films. Beide schaffen es die Gefühle ihrer Charaktere auf die Leinwand zu bringen, ohne dass Monologe zum Einsatz kommen.
Emory Cohen sowie Dane DeHaan ("Chronicle - Wozu bist du fähig?") ergänzen die weitere Leinwandfülle, können jedoch durch ihre fehlende Erfahrung nicht mit den beiden genannten Größen mithalten.
Schwer dagegen haben es Eva Mendes ("Ghost Rider", "Training Day", "The Spirit") und besonders Rose Byrne ("Sunshine", "28 Weeks Later", "Das hält kein Jahr…!"), die in einer völlig vernachlässigte Position agiert.

"The Place Beyond the Pines" ist im Gesamten ein interessanter und vielschichtiger Film über Väter und Söhne, der jedoch leider seine stärksten Momente bereits im ersten Drittel verpulvert. Das unbefriedigende Gefühl am Ende entsteht aus einigen sehr starken Momenten, die im späteren Verlauf einfach fehlen. Die zu lange Laufzeit und die oberflächlische Betrachtung lassen das ansonsten funktionierende und sehr realitätsnahe Drama schwermütiger wirken, als es sein müsste. Darstellerisch und optisch stimmt jedoch alles. Knappe ...

7 / 10

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