Selten habe ich es einem Film so direkt angemerkt, dass es eine Romanverfilmung, in diesem Falle von Juan Mayorgas, ist. Freunde der feinsinningen Hochkultur und ansprechender Romane sollten zuschlagen. Wer Filme nicht mag, die sehr dialoglastig und manchmal auch leicht verwirrende intellektuelle Scherze mit dem Zuschauer machen nicht mag, sollte IN IHREM HAUS meiden.
Wer sich jedoch von der langsam sich steigernden Geschichte ohne viel Vorkenntnis treiben lassen möchte der könnte regelrecht verzaubert werden. Deswegen vermeide ich hier auch langwierige Nacherzählungen der Handlung und Personen die für mich nicht Bestandteil einer Rezension sind. Man sollte auch nicht Action oder harte Thriller-Elemente in einem Film brauchen um ihn zu mögen. IN IHREM HAUS streift sogar leicht das Fantasygenre, ohne jedoch in diesem Sinne abzuheben.
Schauspielerisch hat die gesamte Crew überzeugt, sei es die in der Rolle so angelegte laszive Mutter (Emmanuelle Seigner), der verklemmt-spiessig-verträumte Lehrer (Fabrice Luchini), der fabelhafte variable Jungschauspieler (Ernst Umhauer) oder auch die suchende Künstlerin (Kristin Scott Thomas). Letztere konnten wir zuletzt auch in dem aktuellen LOVE CRIME (im franz. Original Crime d'amour) bewundern, und sie, aber auch ihr Mann und Lehrer Germain stellen sehr schön die Zerrissenheit zwischen Anstand, Respekt, Begierde und persönlichem Voyerismus dar.
Voyerismus und Verführung sind geradezu die pseudo-verdeckten Hauptthemen des Films und diese werden ohne zu dick aufzutragen und geradezu subtil vorgetragen. In diversen Phasen hat mich IN IHREM HAUS vom Erzählstil, der verträumten Dramaturgie und der gewissen äußerlich erscheinenden Ereignisarmut an Werke von Woody Allen erinnert. Von Regisseur François Ozon kenne ich bisher nur den Überraschungs-Fantasyfilm RICKY, das gute Drama UNTER DEM SAND sowie SWIMMING POOL und DIE ZEIT, DIE BLEIBT. Dies waren alles für mich gute Filme mit einer erkennbaren Handschrift.
Dies kann man ganz klar auch von IN IHREM HAUS feststellen. Für sehr erfahrene und progressivere Cineasten schaut allerdings zwischen den Zeilen des Films arg das gepflegte und ebenso wie das in der Handlung vorgelebte spießig-angehauchte Bildungsbürgertum um die Ecke, welches seine Literatur aus bekannten Bestseller-Listen bezieht und sich primär über versteckte, als über offene Leidenschaften erregt. Dennoch ist IN IHREM HAUS eine sehenswerte kleine Studie über diverse psychologische Ebenen des Voyerismus und für Freunde des narrativen Overkills ein gelungenes Fressen.
6/10 Basketbällen....äh,....Punkten