Eröffnung einer großangelegten, teils auch gleich back-to-back gedrehten und hier mit Tai Chi Hero a.k.a. Tai Chi 2: The Hero Rises noch innerhalb eines Monats fortgesetzten Trilogie, die von Anfang an schon weite Kreise, zu Beginn der Idee und der ersten Ankündigungen Dezember 2010 aber noch den Anschein eines Remakes bzw. Re-Imagining von Yuen Woo-pings Tai Chi (1993) nahm. Davon und dem dahingehend auch mit verbreiteten Postulat der Beteiligung von Jet Li ist nun in der veröffentlichten Ausarbeitung im Grunde Nichts mehr über, hat man eine gänzlich andere Herangehensweise, sowohl materiell als auch formell gewählt. Dabei sind die Ideen in beiden Bereichen für die langgedehnte Komposition durchaus vorhanden, ein wenig kindlicher Übermut oder das Vertrauen in die eigene Kreativität, die auf Dauer doch überschätzt und strapaziert wird allerdings auch. Ob der Prolog nun die Fehler des Gesamtwerkes vorwegnimmt oder sich bald auf die schon vorhandenen Stärken besinnt, wird sich zeigen. Fortsetzung folgt:
Die Qing Dynastie sieht sich im Frühen 19ten Jahrhundert gleich mehreren Gefahren ausgesetzt. Von außen die hereinströmenden westlichen Imperialisten, von Innen der Streit unter den Landsleuten und vor allem das Rebellentum der Divine Truth Cult. Der junge Yang Luchan [ Jayden Yuan ], einer der herausragenden Kämpfer dieser Widerstandstruppen, sieht sich eines Tages als zu williges Werkzeug des Kriegsherrn ertappt und entflieht der Armee in die Henan Provinz, wo er von Chen Changxing [ Tony Leung Ka-fai ] die weiche Form der Kampfkunst in Benutzung der inneren Energie lernen will. Allerdings sieht sich der Außenseiter bei Ankunft der mißwilligen lokalen Bevölkerung, allen voran Chens Tochter Chen Yuniang [ Angela Yang ] gegenüber, die keine Ortsfremden dulden und denen schon gar nicht die geheime Technik beibringen wollen. Yuniang hat sowieso andere Sorgen, ist doch ihr Freund Fang Zijing [ Eddie Peng ] von den Errungenschaften der Europäer, gerade ihrer Begeisterung für Elektrizität und allerlei damit betriebenen Maschinen versessen und möchte im Auftrag der East India Company, unterstützt durch die attraktive Claire Heathrow [ Mandy Lieu ], auch eine Eisenbahnstrecke direkt durch das Dorf und so dessen Zerstörung bereiten.
Während der Anleitung gar nicht, aber rasch verstärkt macht sich bei dem Hintergrund der Geschichte zwei eher widersprüchliche Reminiszenzen und so Eindrücke unterschiedlichen Gewissens breit. Während man optisch und von der Mischung aus hier noch so wirkenden Science fiction bzw. obskur verdrehten Science fact mit einem period piece Setting zuweilen an das kolossale Ungetüm Wild Wild West erinnert, und man diesen Gedanken lieber eilig verschiebt, ist die Handlung im Grunde ein 1:1 von ausgerechnet Shaolin (2010). Wiederholende plotpoints vom ehemaligen Kriegsstreiter, gegen seinen Willen für fremde Zwecke missbraucht wird, und verraten in eine friedliche, aber abgelegene Ortschaft zur Zuflucht entflieht. Über die Lehre der dortigen Kampfkunst, den erst misstrauisch eingestellten Anwohnern, den Kampf gegen den gemeinsamen Feind, vertreten durch einen Abtrünnigen der eigenen Nation im Verbund mit den europäischen Eindringlingen und deren das Land zerstörende Eisenbahn.
Überraschungen in dieser Kultivierung von Bekannten und in der Schüler-Lehrer-Theorie auch nur die Retusche vom Üblichen folgen so natürlich nicht mehr, was der so äußerst konventionellen Geschichte aber nicht unbedingt gleich die gänzliche Unterhaltung verleidet. An Neuerungen war der Eastern, zumindest nicht im groben Überblick und der Hauptlast der Tausenden Werke so wirklich reich, was hier mit dem Einbringen der Industriellen Revolution, dem Wandel der Zeiten von Tradition zur Moderne, und der Unsicherheit des Volkes angesichts des Bevorstehenden immerhin noch gut bedient und nicht komplett dem Einerlei zum Opfer fällt.
Auch die Inszenierung selber geht ihre eigenen Wege, wobei man Einiges richtig macht, in anderen Angelegenheiten aber auch wieder vom rechten Pfad ab- und in das Niveau des großen Abenteuerspielplatzes kommt. Denn aufgezogen ist das Ganze von actor-goes-director Stephen Fung, welcher sich zuvor in u.a. den Actionkomödien Enter the Phoenix (2004) und House of Fury (2005) schon als Vertreter von Selbstreflexion, Selbstreferenz, Popkulturelle Bezüglichkeit im mehr oder minder lauthumoristischen Gewand bewiesen hat, auch hier als das bunte Vergnügen mehrerer medialer Einflüsse. Reich an Ausstattung, prächtig in der Fotographie und im Dekor, sowie an Cameos altgedienter und mit der Historie verbundener Schauspieler ( Fung Hak-on, Bruce Leung, Xiong Xin-xin ). So wird der Stummfilm als Mittel zum Zwecke ebenso herangezogen wie die mittlerweile etwas überdehnte Romantik des Steampunk, die Kommunikation per Comic und per Videospiel, wobei gerade die letzeren erhebliche Auswirkungen auf die bald ständig vorhandenen Begleiterscheinungen des Werkes haben. Beim schweifenden Blick der Kamera über Land und Leute erhellen Texte im Kader die Informationswut des Zuschauers, Fragezeichen ploppen wortwörtlich in den Köpfen der Figuren und aufeinanderfolgenden Szenen auf, bevorstehende Schwierigkeiten werden in Theorie und Praxis levelartig durchforstet und mit 'Runde 1' und 'Runde 2' usw. bekanntgegeben.
Die Möglichkeiten des Raumes, mal extrem weitläufig, mal verwinkelt bis in das Detail, werden so immer ausgenutzt und zur vollen Begehbarkeit erhoben. Gegenstände heben sich hervor, Menschen schweben durch die Luft oder platzen in das oder fallen nach unten oder seitlich aus dem Bild; was in der Natur von Physik und Physis auch die Actionszenen miteinbezieht, deren so wirklich viele und auch tatsächliche Hinweise auf den Schöpfer Sammo Hung (und seine Assistenten Lam Hak-ming, Peter Huang und Andy Cheng) es übrigens gar nicht gibt. Nicht nur, dass das Wirework leider im Übermaß, wenn mit flüssigen Bewegungen genutzt und auch ansonsten der reine Showeffekt von Zeitlupen, Zeitraffen, split screen oder anderen Spielereien betrieben wird, das Meiste ist sowieso nur Tarnung und Täuschung wahrer Talente und eben innerhalb einer Komödie, zum Spass also gesetzt.
Auf Dauer ist dies vielleicht gar nicht mal zu viel des Guten, da technisch auf dem gehobenen Stand und mit Neuigkeiten und anderen Benachrichtigungen und Erheiterungen auch auf dem zweiten Blick, aber so insgesamt auch immer etwas zu zusammengewürfelt, chaotisch, kunterbunt leuchtend und auch leicht infantil präsentiert. Anfangs noch Epos, dann Kintopp, dann bald Kindermatinee am frühen Nachmittag, was durch die haupt-darstellerischen Leistungen, den Klischees, dem hanebüchenen Gefühlsdusel und manch englischen Dialogen noch verstärkt in Richtung Narretei getrieben wird.