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SPRING BREAKERS wird polarisieren wie kaum ein Film in der letzten Zeit. Die einen werden ihn nur für eine schlechte Kopie von PROJEKT X für die Twen-Generation in übler Videoclip-Ästhetik, billigen Beats und ebensolchem chauvinistischem Fleischbeschau eindimensionaler Männerphantasien halten.

Die anderen werden das schräge Filmchen mit seinem Epilepsie fördernden Bilderrausch und Schnitt-Stakkato sehr unterhaltsam finden und die diversen bizarren Gegensätze und Kontraste lieben und die eher verborgene subtile Note von SPRING BREAKERS entdecken und schätzen. Ja, die gibt es!

Das interessante ist: Man kann beiden Meinungen zustimmen, der ersten eher oberflächlich, denn diese Stilmittel werden ganz bewusst benutzt, die andere erschließt sich gegebenenfalls auf den zweiten Blick. Für mich ist es jedoch wichtig auf den deutlich sichtbaren Subtext zu achten.

Der Sarkasmus und den medienkritischen Spiegel den die amerikanische Gesellschaft mit SPRING BREAKERS vorgehalten bekommt ist deutlich. Daran können auch die vordergründig völlig unsubtile ausgelutschte Hip Hop Ästhetik und die ewig vorgehaltenen Möpse nichts ändern.

Vielmehr nutzt Regisseur Harmony Korine nicht nur diese Ästhetik, er wälzt sich geradezu lustvoll darin wie ein Schwein. Die Hypnotik der Bilder liegt vielleicht auch an dem gleichen Kameramann der bei ENTER THE VOID gearbeitet hat. Wichtigen Anteil hat die stets präsente vordergründige Musik als emphatische Unterstützung an der auch Cliff Martinez beteiligt war und passenderweise gibt es auch Britney Spears Referenzen. Dazu kommt im späteren Verlauf als Selena Gomez mit ihren Girls ins Bild hüpft ein fast dokumentarischer Charakter in sehenswerter Optik und surrealem Touch.

Konsequent sind auch die im Verlauf immer platteren Dialoge und die Bedienung jeder Menge von Quasi-Klischees, ständige Wiederholungen und Banalitäten jeder Art. Dann aber wieder gelungene Bildkompositionen und jede Menge Medienkritik. Für die wenigen die es vielleicht nicht genau wissen: “Spring Breaks“ sind die 1-2 wöchigen Ferien an den Unis und Colleagues in den USA und die dann stattfindenden Parties sind eine beliebte Rahmenhandlung gerade in Genrefilmen wie Horror-Slashern usw.

Zur Story kurz ohne Details (OHNE SPOILER!). 4 Freundinnen (Vanessa Hudgens, Ashley Benson, Selena Gomez und Rachel Korine – Frau von Regisseur Korine) und Selena Gomez) definieren Spass bei dem Spring Break nicht nur aus Party und Drogen, sondern auch aus Überfällen und treffen auf Gangster Alien (James Franco) der sie nicht nur aus dem Knast holt, sondern gleich ganz andere Deals mit ihnen plant….schauspielerischer Höhepunkt ist James Franco, den ich mit Rastas und Silberzähnen zuerst fast nicht wiedererkannt hätte in SPRING BREAKERS.

Dies alles sieht bzw. hört man noch viel intensiver im englischen Original denn James Franco “hat den Slang voll drauf“. Wie verklemmt das US Movie dennoch ist zeigt sich daran, dass jenseits der Mops-Parade keine Einblicke bei Männern oder Frauen entstehen und auch die Kamera bei Poolspielchen stets über Wasser bleibt. Hier hat mal wieder die typische US-Film Sichtgrenze zugeschlagen hat und hier hätte ich Regisseur Korine mehr Mut gewünscht.

Somit bin ich wieder mal froh in Europa zu wohnen. Trotzdem ist SPRING BREAKERS ein nettes Filmchen für alle Sinne und deswegen plädiere ich aufgrund der speziellen konsequenten Optik und der guten Leistung von James Franco für

7/10 pinken Masken....äh,....Punkten

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