Review
von Leimbacher-Mario
Leben & Laufen lassen im 21. Jahrhundert
Mumblecore - künstlerisch wertvolle Hipster-Filmchen mit extrem geringen Budgets, die sich oft für cooler halten als sie eigentlich sind. Aber besser intellektueller, hübscher Quatsch ala Mumblecore als dummer, hässlicher Quatsch ala deutschem TV beispielsweise. So weit zumindest meine bisherige Theorie & Einstellung. Gerade in den letzten Jahren neigte sich mein Geschmack sogar immer mehr zu (oft etwas langweiligem aber lohnenden) Kunstkino als zu hohler Unterhaltung. "Frances Ha" als Vorzeigewerk dieser neuen Untergrund-Filmrichtung ist aber alles andere als Quatsch, ebenso wenig wie Star, Mumblecore-Queen & Co-Writerin Greta Gerwig eine Pseudo-Intellektuelle ist. Ihre Leistung bei "Frances Ha" ist in mehreren Belangen nahezu genial.
Ähnlich wie im deutschen, auch empfehlenswerten "Oh Boy", geht es hier um eine Mitzwanzigerin, die in New York bei ihrer besten Freundin wohnt, noch immer in einer Tanzausbildung steckt & nicht so wirklich weiß, wohin mit ihrem Leben. Frances ist dabei quirlig, ehrlich, verrückt, aufgedreht & oft richtig nervend & ätzend, was bei ihrer Selbstfindung auch nur bedingt hilft. Vor allem ist sie eins: anders!
Genau wie der ganze Film. Kurz, knapp, ehrlich & mit einer wirklich interessanten, vielschichtigen Protagonistin. Mir fiel es wirklich schwer mich mit Frances zu arrangieren, aber ich versuchte mich auf ihre guten Seiten zu konzentrieren & sie als einen der faszinierendsten Charakter der jüngeren Filmgeschichte zu sehen. Trotzdem hilft ein oft so unbewusst egoistischer & naiver Charakter nicht wirklich, bei mir ins Schwarze zu treffen. Das & ein oft etwas möchtegern-cooles & -künstlerisches Getue schmälern die Wertung etwas. Hier ist es ein Wenig so wie bei Lana Del Rey - coole, depressive & oft wunderschön melancholische Pop-Musik, bei der man aber den Gedanken nie ganz los wird, dass das Ganze genauso geplant ist wie eine Britney Spears in den 90s, wenn nicht sogar noch ausgetüftelter. Echt ist anders.
Richtig gut war aber das punktierte Ende, die knackige & kurzweilige Laufzeit & natürlich die an die Novuelle Vague & Woody Allen angelehnte Art - sowohl New York als auch Paris wurden fein eingefangen, die Musik ist süß ebenso wie Frances irgendwie. Ich liebe es einfach sie zu hassen. Oder andersrum. Und auch wenn Manches von Lena Dunhams "Girls" kopiert wurde, hatte ich meinen Spaß an dem etwas verspäteten Coming-Of-Age-Arthouse-Drama/Comedy. Denn auch wenn einige Charakter in der Geschichte etwas arschig & für mich wohl überemanzipiert wirken, sind diese immer noch zehnmal interessanter anzusehen als flache Abziehbilchen!
Fazit: mehr als nur eine artifizielle Hipster-Version der Serie "Girls", mit einer Protagonistin, die man hasst & liebt gleichzeitig. Ein vielschichtiges Porträt meiner Generation, welches ein Allen oder Godard auch nicht viel besser hin bekommen hätten!