"Keiner bleibt was er ist."
"Unsere Mütter, unsere Väter" ist ein dreiteiliges, aufeinander aufbauendes Kriegsdrama. Im Stile von "The Pacific" und "Band of Brothers" erzählen die TV-Filme die eingangs heroische Stimmung und den zunehmenden Verfall durch die Kriegsgräuel, diesmal aus der Sicht der Deutschen.
Wilhelm Winter (Volker Bruch), sein Bruder Friedhelm (Tom Schilling), Greta Müller (Katharina Schüttler) ihr jüdischer Freund Viktor Goldstein (Ludwig Trepte) sowie Charlotte (Miriam Stein) sind befreundet und treffen sich im Berlin des Sommers 1941 um noch einmal gemeinsam zu feiern, bevor sie sich an verschiedenen Aufgaben des zweiten Weltkrieges beteiligen. Zutiefst motiviert begeben sich Wilhelm und Friedhelm an die Ostfront und Charlotte folgt einem Freiwilligeneinsatz als Krankenschwester. Greta strebt eine Gesangskarriere an. Statt aber wie gedacht schon zu Weihnachten 1941 wieder zusammen in Berlin zu sein, zieht sich der Krieg über Jahre in die Länge und verändert sie.
Drei Handlungsstränge verfolgt "Unsere Mütter, unsere Väter": Den der beiden Brüder an der Front, den der Krankenschwester in einem Kirchenlazarett sowie dem Pärchen, dass sich durch die Umstände verfremdet. Hin und wieder kreuzen sich diese Handlungsstränge.
Mit Hilfe von Archivmaterial wirken die TV-Filme wie ein dokumentarisches Zeitzeugnis, was sich auch auf die Handlung auswirkt. Häufig wirkt "Unsere Mütter, unsere Väter" wie eine Aufzählung von Ereignissen, die durch große Handlungs- und Zeitsprünge lückenhaft und konstruiert erzählt ist.
Für eine Laufzeit von über 270 Minuten sind die Figuren sehr schlicht geraten. Es fehlen Sympathieträger und eine wechselseitige Dynamik zwischen ihnen. Außerdem lässt "Unsere Mütter, unsere Väter" die Hauptfiguren unverwüstlich erscheinen, während Nebencharaktere allzu schnell und lieblos verpulvert werden. Die Wandlung der Figuren dagegen ist nachvollziehbar.
Die Kulisse und Ausstattung ist durchweg authentisch, die Darstellung des Krieges grausig. Der TV-Film zieht dazu eine blutige Bildsprache hinzu, strapaziert ein nicht gefestigtes Publikum jedoch nur selten.
Aus technischer Sicht zerstört die wacklige Kameraführung die wuchtige Optik. Gerade in den übersichtlichen Kriegsszenarien schafft es die Kamera nur selten ein Mittendrin-Gefühl zu erzeugen. Und außerhalb dieser Szenen scheut die Kamera die Nähe zu den Darstellern.
Volker Bruch ("Der Baader Meinhof Komplex"), Tom Schilling ("Oh Boy") sowie Katharina Schüttler ("Sophiiiie!") erweisen sich als glaubwürdige Schauspieler, die den charakterlichen Wandel ihrer Figuren nachvollziehbar darstellen. Ludwig Trepte und Miriam Stein dagegen merkt man ihre Unerfahrenheit an. Ersterer agiert zu steif, letztere zu übermotiviert.
Gegen die Konkurrenz kann "Unsere Mütter, unsere Väter" nicht bestehen. Zwar ist der TV-Dreiteiler ähnlich authentisch und episch wie "The Pacific" und "Band of Brothers", erzählt aber nichts eigenständiges. Ganz schön holprig handelt das Kriegsdrama seine Handlung ab und behandelt seine Figuren recht oberflächlich. Technisch mangelt es außerdem an Feingefühl. Ambitioniertes aber nicht zu Ende gedachtes Werk. Knappe ...
7 / 10