The Godfathers of electronic music are back: FRAKTUS ! (7353=O57)
FRAKTUS ist eine Pseudo-Doku über die gleichnamige Gruppe die die elektronische Musik wie keine andere Band beeinflusst hat. Auf ihren Spuren ist der bekannte deutsche Drama Schauspieler Devid Striesow und mit dabei sind natürlich die bekannten STUDIO BRAUN Heroes wie Rocko Schamoni, Heinz Strunk uvm. Für Zeitgenossen die Mitte bis Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger mit den tatsächlichen Wurzeln von alternativer (deutscher) Musik elektronischer Art groß geworden sind, deren kommerziellen Spitzen des Eisbergs dann später als New Wave oder NDW vermarktet wurden, ist FRAKTUS als Film mehr als ein Pflichtprogramm!
Die Zitate und Anspielungen auf Mode, Musik, Plattentitel, Instrumente, Habitus und vielem mehr sind unglaublich reichlich und wenn man sich mit der Szene auskennt badet man förmlich im Retrowahn dieser Zeit und kommt aus dem Staunen, Grinsen und Lachen nicht mehr heraus. So wie ich. Für Menschen die davon keine Ahnung haben wird das Ganze mehr als befremdlich wirken was verständlich ist. Aber die Konzertausschnitte wirken wie echte Aufnahmen Anfang der 80er in jedem Detail.
Die Mockumentary beginnt mit einem der schlechtesten Beispiele für gute elektronische Musik "Scooter" und sofort beginnt eine kleine Interview-Stafette von Größen der (elektronischen) Musikszene aller Schattierungen, die die Bedeutung von Fraktus für die Musik beschreiben. Hier erleben wir keine Geringeren als Dieter Meier (Yello), Jan Delay, Jürgen Larmann (von der FRONTPAGE, mein Gott, der lebt ja noch)Stefan Remmler, Matthias Schuster, Steve Blame (MTV), Peter Illmann (ja, der von Formel 1), H.P. Baxxter (Scooter) usw.
Später gibt es dann auch noch DJ Hell, Hans Nieswand, Westbam, Marusha, Blixa Bargeld (Neubauten) und noch viel mehr. FRAKTUS zeichnet den Weg der Band, die Auflösung und die Wiedervereinigung nach. Die Zitate und Anspielungen auf tatsächliche Fakten sind unzählbar und extrem kreativ. Es gibt Cover aus der SPEX, der Bravo und Ausschnitte aus der 1. Loveparade und vom Berliner TRESOR Club zu sehen.
Westbam zeigt, dass Fraktus ein von ihm genutztes Techno-Motiv erfunden haben, das Fraktus Instrument "der elektronische Dudelsack" erinnert stark an ähnliche selbstgebaute Instrumente von Kraftwerk in deren Mitte der 70er Jahre Phase und so weiter und so fort….Auch die Erfindung des Smileys geht auf ihr Konto. Plattenlabel dieser Zeit wie ZICKZACK werden ehrenhafterweise erwähnt und einiges erinnert wiederum an die Umstände und Habitus von DAF.
In der Wiedervereinigung von Fraktus erinnern die Mitglieder an DJ Ötzi und den Führer als Optiker. Und es gibt eben halt noch Rocko Schamoni den man nicht kommentieren muss. Höhepunkte später sind ein missglückter Wiedervereinigungsauftritt und die neue Eurotrash Version des Songs "Affe sucht Liebe". Der Rausch der Zitate ist schier grenzenlos und wird etwas weniger in der 2. Hälfte des Films wenn er sich mehr auf eine spielfilmähnliche Handlung konzentriert.
Unnötig zu erwähnen, dass der Abspann noch mal einen drauflegt und der Soundtrack zum Film mit einer Fraktus Best-of Collection unbedingt zum Genuss dazu gehört. FRAKTUS macht dort weiter wo VERSCHWENDE DEINE JUGEND aufgehört hat. Nochmal, er ist Pflichprogramm für Menschen die diese Zeit miterlebt haben.
9/10 Punkten