Review

Das letzte Werk eines Meisters stellt äußerst selten auch den Höhepunkt in seinem Schaffen dar – im Gegenteil, meist befindet er sich schon auf dem absteigenden Ast.

Bei Ernst Lubitsch lagen die großen Erfolge auch schon ein paar Jahre zurück. Sein letztes Werk „Cluny Brown“ war deutlich ruhiger angelegt, die Aufgeregtheit der Screwball-Komödien, gepaart mit teilweise scharfen Attacken auf politische Ereignisse und Unterhöhlung der Scheinmoral, lagen schon hinter ihm. In den letzten Jahren wurde er immer stärker durch seine Krankheit eingeschränkt, die wärend der Entsstehung seines letzten Filmes „Die Frau im Hermelin“ 1948 zu seinem frühen Tod führte, so daß der Film von Otto Preminger fertig gestellt werden mußte.

Mit ihm hatte Lubitsch schon zuvor zusammen gearbeitet, so daß man davon ausgehen kann, daß er Lubitschs Intentionen kannte und seinen letzten Film in dessen Sinne zu Ende führte.

Filmhistorisch ist „Die Frau im Hermelin“ von einiger Bedeutung, aber es fällt schwer, einem heutigen Publikum dieses Unikum eines Films schmackhaft zu machen...

Das beginnt schon mit den Hauptdarstellern, die heute nahezu unbekannt sind.
Betty Crable war eine für die damalige Zeit typisch ausgebildete Schauspielerin, die ebenso gut singen und tanzen konnte und größtenteils bei Musicals mitwirkte. Die blonde Actress hatte ausgerechnet mit einem ihrer letzten Filme „Wie angelt man sich einen Millionär“ 1953 den größten Erfolg, allerdings ist sie da nur die alternde Ergänzung zu den deutlich jüngeren Marylin Monroe und Lauren Bacall.

Hier ist sie noch das eigentliche „Love-Interest“ für Douglas Fairbanks Jr., der Zeit seines Lebens im Schatten seines Vaters stand, dem großen Stummfilm-Heroen Hollywoods. Ähnlich wie in vielen seiner Filme spielt er hier auch eine historische Figur, nämlich den Offizier einer ungarischen Husarentruppe, die eine kleine italienische Provinz angreifen und das fürstliche Schloß erobern.

Die etwa Mitte des 19.Jahrhunderts angesiedelte Geschichte beginnt mit der Hochzeit der Fürstin (Betty Crable) und einem italienischen Offizier(Cesar Romero). Zur eigentlichen Hochzeitsnacht kommt es nicht mehr, da ihr gerade angeheirateter Soldat gleich in den Krieg ziehen muß, auch wenn es so wirkt, als wenn er sich eher in Sicherheit bringen will.

Sie dagegen stellt sich selbstbewußt dem ungarischen Eroberer, der sich gleich in sie verliebt. Sofort beginnt er um die verheiratete Frau zu werben, doch ihr frisch angetrauter Ehemann will sich das nicht lange ansehen, sondern verdingt sich als verkleideter Zigeuner am Hofe und so entsteht eine witzige Dreierkonstellation...

Wie bei vielen Komödien wurde die hier gezeigte frivole Stimmung und damit verbundene Provokation vom Zeitgeist überholt. Übrig bleibt eine im historischen Gewande altmodische Liebesgeschichte, bei der auch ausgiebig gesungen und getanzt wird. Aus heutiger Sicht muß man schon ein bißchen Willen aufwenden, sich in diese amorösen Verstrickungen hinein zu denken, um sie nicht der Lächerlichkeit preis zu geben.

Auch die sanft kritischen Anspielungen auf den Militarismus und seine merkwürdigen Eigenheiten locken heute keinen mehr hinter dem Ofen vor – Lubitsch selbst war schon viel früher deutlich sarkastischer.

Trotzdem möchte ich jedem Filmfreund diesen Film ans Herz legen, denn er ist geradezu liebenswert altmodisch und erinnert eher an eine schöne Theateraufführung. Dazu tragen auch Lubitschs kleine verfremdete Trickfilmeinlagen bei, in denen er dann malerisch den Mond aufsteigen läßt – so richtig ernst nimmt er die ganze Sache auch nicht mehr (8/10).

Details
Ähnliche Filme