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Bereits im Vorfeld sorgte das Debüt von Scott Schirmer, basierend auf einer Kurzgeschichte von Todd Rigney für Wirbel, denn es mussten zahlreiche Schnittauflagen erfüllt werden, um überhaupt veröffentlicht zu werden. Auch die FSK griff zur Schere und kürzte das Werk um satte acht Minuten, was den positiven Gesamteindruck jedoch nicht zu schmälern vermag.

Der zwölfjährige Marty (Gavin Brown) ist ein Außenseiter an seiner Schule und findet Trost beim Zeichnen von Comics und in Horrorfilmen, welche auch sein älterer Bruder Steve (Ethan Philbeck) in Massen konsumiert. Als Marty beim Schnüffeln in Steves Bowlingtasche einen abgetrennten Menschenkopf findet, ändert sich die familiäre Situation jedoch allmählich...

Es ist eine ungewöhnliche Geschichte über das Erwachsenwerden, zuweilen mit Martys Gedanken aus dem Off angereichert, was beim Einstieg hilft, rasch einen Zugang zur Hauptfigur zu finden. Gleich der erste Satz "Mein Bruder bewahrt einen Menschenkopf im Wandschrank auf" gibt die deutliche Marschrichtung des atmosphärisch dicht inszenierten Stoffes vor: Erschreckend nüchtern vorgetragen, latent beklemmend und unberechenbar und mit viel Medien- und Gesellschaftskritik versehen.

Dabei ist es erstaunlich, wie Schirmer das Mikrobudget von 8000 Dollar zu kaschieren vermag, denn rein optisch sind kaum Abstriche zu machen und auch die Effekte sehen durch die Bank solide aus. Ein besonderes Lob geht an den sphärisch anmutenden Score, der das isolierte Innenleben des Zwölfjährigen perfekt untermalt, während Horrorfans in Sachen Nostalgie das eine oder andere Schmankerl serviert bekommen: Die Handlung spielt in den Achtzigern und da gab es in den Videotheken bunte VHS-Cover, an die sich Genrefans durchaus erinnern dürften.

Das düstere Selbstfindungsdrama ist überwiegend ruhig erzählt und lebt primär vom Zusammenspiel der scheinbar ungleichen Brüder, welche die Vorliebe für Horrorfilme verbindet. Die Eltern sind indes oberflächlich und merklich borniert, so dass es kaum wundert, dass sie nichts vom zweiten Ich des älteren Sprösslings mitbekommen, zumal sie den Horrorfilmkonsum eher unterstützen, als sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.
Das Finale steuert indes auf eine sehr düstere Wendung zu, dessen Geschehen fast ausschließlich akustisch wahrnehmbar ist, dabei jedoch genügend Anreiz für blutige Fantasien liefert.

Zwar hätte der Stoff im Mittelteil etwas straffer vorgetragen werden können, doch die erfrischend unkonventionelle Art zwischen Familiendrama und Horror, bei dem ein blutiger Film im Film den Sittenwächtern die Nackenhaare zu Berge stehen lässt, bleibt aufgrund seiner intensiven Momente etwas länger im Gedächtnis haften.
Gut gespielt, sauber inszeniert und mit Tiefgang versehen ohne die Moralkeule zu schwingen, - so ein Erstling macht Lust auf mehr.
7,5 von 10

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