Review

Von Pubertätskrisen & zerfickten Köpfen

Found ist das perfekte Beispiel, wie aus einer kleinen, winzigen Schneeflocke eine ausgewachsene, weltweite Lawine werden kann. Was passiert wenn ein talentierter Horrorfan & Regisseur sich in ein Drehbuch verliebt, hartnäckig spart & dann sein Herz in einen Film packt. Ein raues, fast meditativ ruhiges Low Budget Kleinod, das trotzdem wertig & teilweise richtig hübsch daher kommt. Ein verstörender Bastard aus 75% Coming Of Age Familien Drama & 25% kranker Horrorfilm. Eine tolle Mischung, die ihren mittelgroßen Hype schon nicht zu Unrecht hat & von dessen Regisseur ich Einiges erwarte, vor allem mit ernst zu nehmendem Budget.

In Found begleiten wir einen jungen Teenager durch die schwerste & prägendste Phase seines Lebens: in der Schule verspottet, von seinem Kumpel im Stich gelassen, von seinen Eltern ignoriert & missverstanden. Aber damit könnte der schüchtern-liebe Musterschüler noch leben, wäre da nicht noch sein großer Bruder, der abgetrennte Köpfe in seiner Bowlingtasche versteckt...

Lasst euch nicht von der reißerischen, unpassenden Covern einlullen: Found ist ganz klar eher schockierendes Drama als reiner Horrorfilm, am ehesten noch mit We Need To Talk About Kevin zu vergleichen, nur mit einem Shoestring-Budget. Diese Knappheit an Moneytoes merkt man dem Film hier & da zwar an (Schauspieler überzeugen nicht alle wie der junge Hauptdarsteller, wenig Effekte, viel spielt sich gezwungenermaßen im Kopf des Betrachters ab, was zu einem eindringlichen Finale führt), aber er lässt sich dadurch nie aus seiner Bahn bringen. Zielstrebig steuert er auf ein albtraumhaftes Finale hin, was wohl nicht nur den Protagonist der Geschichte verstören könnte. Ein besonderes Lob muss ich hier der unterschwelligen, sehr passenden Musikuntermalung machen, die in jedem Moment berührte. Auch einige Kameraeinstellungen & der gesamte Look des Projektes lassen großes Talent hinter der Kamera vermuten & man merkt, dass der Stoff allen Beteiligten wichtig war, es steckt Herzblut drin. Auch richtig cool waren die gefakten Oldschool-Filme im Film, wovon der kranke Headless ja sogar verlängert & richtig aufgezogen wurde.

Als Horrorfilm-Fan bietet der Film viel Grund zum Schmunzeln & Identifizieren - egal mit wem der Brüder/Filmfans, man darf sich aussuchen wer schlimmer dran ist. Aber viel eher emotionale Betroffenheit rief bei mir die verstrittene, harte, aber gar nicht mal so unrealistische Beziehung zu den Eltern hervor. Denn wer kennt sie nicht, die Reibereien & Machtkämpfe als sich suchender Teenager? Natürlich ist das Ende übertrieben & zum Glück endet nicht jeder auffällige Teenager als Serienkiller, aber es ist halt ein riskanter Tanz auf der Rasierklinge zwischen realistischem Drama mit Gewaltspitzen Richtung überzogenem Alptraum & Trauma. Ich persönlich konnte viele Auseinandersetzungen & Konflikte, innerlich wie auch familiär, sehr gut verstehen & da bin ich sicher nicht der Einzige.

Nicht ganz so gut gefallen hat mir, dass es hier mal wieder ein Leichtes wäre, die Schuld bei den ach so schlimmen Horrorfilmen & unserer verrohenden Gesellschaft zu suchen, was für mich Blödsinn ist, hier aber auch provoziert & überhöht wird. Gut, aber zu kurz waren die Skizzierungen der Eltern & deren Vergangenheit, toll auch das animierte Intro. Unnötig die rassistische Ausrichtung des Killers, die es wahrlich nicht auch noch gebraucht hätte. Lobenswert ist das Berühren von sonst eher verschmähten Themen wie männlichem Scham, kindlichen Freundschaften & das Heranwachsen von Männern, inklusive überall auffindbarer Gewalt in Kombination mit sexueller Lust. Der Film ist also weniger krank, sondern eher wichtig & anders, ein Außenseiter-Film. Sympathisch.

Fazit: unglaublich, was man aus dem Mini-Budget heraus geholt hat. Wer sich auf den Film einlässt & sich auch nur ein wenig mit angeknacksten Familienverhältnissen identifizieren kann, wird nicht unberührt das Kino oder die Couch verlassen!

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