Review

kurz angerissen*

Bei einem Begriff wie „Indie-Splatter-Horror“ denkt man automatisch an Amateurprojekte, deren beste Vertreter vielleicht mit großem Eifer an selbstgebastelten Spezialeffekten arbeiten, in der Handlung jedoch trotzdem oft nur Klischees abarbeiten. Der Faszination für das Handwerkliche folgen nur selten weitere Ambitionen.

„Found“ hingegen ist ein seltener Abkömmling selbstproduzierter Horrorware, der den feinen Unterschied zwischen „Indie“ und „Amateur“ noch einmal deutlich macht. Obgleich sich etliche Perversionen in Scott Schirmers Langspiel-Debüt tummeln, finden diese begonnen beim schlicht, aber effektiv animierten Vorspann bis zur rotgefärbten letzten Einstellung durchweg in einem reflektierten Rahmen statt.

So handelt es sich letztlich um ein Coming-Of-Age-Drama, das in der kindlichen Faszination für Horrorfilme eigentlich ein naheliegendes Sujet aufgreift, welches in dieser expliziten Form jedoch noch selten umgesetzt wurde. Unterstützt von dem gelöst aufspielenden Bruderpaar (Gavin Brown, Ethan Philbeck) gelingt es Schirmer, eine sehr reale Atmosphäre zu etablieren, in der schon das einfache Aussprechen des Wortes „Kopf“ einen Schauder verursachen kann.

Gewissermaßen sorgt das in einem von Abstumpfung befallenen Genre für eine erneute Sensibilisierung. Sobald die Filme-im-Film „Deep Dwellers“ und „Headless“ den metatextuellen Gang in die VHS-Schleuse antreten, tritt durch die künstliche und/oder überstilisierte Darstellung von verspeisten Augen, amputierten Brüsten und Sex mit abgetrennten Köpfen besagte Abstumpfung zwar wieder ein, jedoch wird diese als Teil der Jugendgeschichte der Hauptfigur verstanden, deren Bruder sich als Serienkiller herausstellt.

Auch auf die Gefahr hin, das Erzähltempo ins Wanken zu bringen, nimmt sich der Regisseur viel Zeit, um die kleinen Dinge zu beleuchten und die Charaktere zu vertiefen. Dabei helfen ihm Dialoge, die den schmalen Grat meistern, nicht allzu tief ins Philosophische abzudriften, aber auch nicht zu banal zu klingen. Gut und Böse sind nicht die Pole, als die sie scheinen; nicht nur die Beziehung zwischen den Brüdern erweist sich als sehr komplex, sondern auch jene zwischen ihnen und ihren Eltern oder ihren Freunden lassen Schatten der Vergangenheit eines jeden Zuschauers wieder aufblitzen – in einem eskalierten Rahmen, versteht sich.

Für die Indie-Szene müsste „Found“ eigentlich ein unerwarteter Wachruf sein. Mit minimalem Budget weist er ungewöhnlich hochwertige Production Values auf und auch in allen anderen Disziplinen eine Klasse, die man auf diesem Level normalerweise nicht erwarten kann.
(7.5/10)

*weitere Informationen: siehe Profil

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