Wir schreiben das Jahr 2044 - Zeitmaschinen sind noch nicht erfunden, aber in 30 Jahren wird es sie geben. Ihre Nutzung wird unter schwere Strafen gestellt sein, weshalb sich nur das organisierte Verbrechen an diese Technik wagt, mit der sie unliebsame Personen beseitigen lassen. Half in der Vergangenheit noch ein gut gefülltes Betonfundament, müssen in der Zukunft auch die Gangs technisch aufrüsten. Per Zeitreise werden die Zielpersonen verschnürt und an einen bestimmten Ort 30 Jahre zurückgeschickt, wo sie getötet und für immer entsorgt werden.
Womit Joe (Joseph Gordon-Levitt) seinen Job genau beschrieben hat, denn er arbeitet in der Gegenwart des Jahres 2044 als "Looper", wie die Killer der Zeitreisenden genannt werden. Der Name ist Programm, denn er bezeichnet eine Art Dauerschleife, in der sie zu einem ewig laufenden "Perpetuum Mobile" werden. Um zu vermeiden, das ein alt gewordener "Looper" in der Zukunft Details über seine frühere Beschäftigung ausplaudern kann, wird er selbst seinem eigenen, 30 Jahre jüngeren Ich, vor die Flinte transportiert. Nach diesem letzten Job kann der gut bezahlte "Looper" ab sofort 30 Jahre lang Party feiern, bis er selbst an der Reihe ist. Doch wer killt ihn dann? - Nach der inneren Logik des Films wieder sein jüngeres Ich - nur, wo kommt das her? - Denkt man diese Idee konsequent zu Ende, müsste eine weitere Schleife bis zur Geburt des jeweiligen "Looper" reichen, wo unter den selben Voraussetzungen erneut ein Kind zum späteren Killer aufwächst - theoretisch unmöglich, da es 2044 noch keine Zeitmaschinen gibt.
Schon an diesem Detail wird offensichtlich, dass es Regisseur und Autor Rian Johnson nicht um die schlüssige Beschreibung einer Zukunftstechnologie ging, sondern um eine Zustandsbeschreibung der menschlichen Sozialisation in naher Zukunft. Die hier gezeigte Gegenwart denkt die aktuelle Situation in den USA nur weiter - die Städte sind stark herunter gekommen, die Armut weiter gewachsen, während die Wohlhabenden immer rücksichtsloser ihrem Vergnügen nachgehen - Prostitution, Drogenexzesse und Bandenkriminalität sind an der Tagesordnung. Ob Joe in einer solchen Situation sein Geld als Killer von Zeitreisenden verdient oder Personen der Gegenwart ermordet, spielt schon keine entscheidende Rolle mehr. Das gilt auch für die Bestrafung, die Jeden ereilt, der bei dem Job versagt. Am Beispiel von Seth (Paul Deno), der nicht in der Lage ist, sein eigenes Ich zu erschießen, vermittelt "Looper" die brutalen Konsequenzen, die ihr Boss Abe (Jeff Daniels) Demjenigen zu Teil werden lässt, der sich nicht an die Regeln hält - eine aus jedem Mafia-Thriller bekannte Konstellation.
Entsprechend konventionell bleibt "Looper" im Aufbau einer klassischen Bedrohungskulisse, denn das Joe nur wenig später in eine ähnliche Situation geraten wird, wie zuvor sein Freund Seth, steht außer Zweifel. Doch schon die Reaktion von Joe, der Seth verrät und damit in einen grausamen Tod schickt, lässt erahnen, das es in "Looper" um mehr geht als typische Gefechte bis zum abschließenden Show-Down. Ein echter Held hätte spätestens eingegriffen, wenn sein Freund in Gefahr ist, aber Joe ist kein Held - selbst freundschaftliche Gefühle scheinen bei ihm fraglich. Joseph Gordon-Levitt gewinnt seiner Figur zunehmend auch sympathische Seiten ab, doch seine Egozentrik bleibt lange Zeit vorherrschend.
Noch überzeugender gelingt Bruce Willis die zwiespältige Darstellung des 30 Jahre älteren Joe, gerade weil er mit seinem Image spielt. Seine Motivation entspringt einer klassischen Hollywood-Story - die Läuterung eines ehemaligen bösen Buben, dank der Liebe einer schönen Frau, und der Wunsch, diese zu bewahren - aber unmerklich bekommt diese Fassade Risse. Innerhalb einer vollständig verkommenen Umgebung, in der es kaum noch menschliche Gefühle zu geben scheint, wirken seine Emotionen wahrhaftig und seine Beweggründe, den Verursacher seines zukünftige Leids in der Gegenwart beseitigen zu wollen, nachvollziehbar, aber seine Lösung ist zu einfach. Der Film bricht in dem Moment mit dem typischen, zur Waffe greifenden Bruce Willis, als dieser heimlich einer Prostituierten dabei zusieht, wie sie ihrem Kind übers Haar streicht - und nicht von seinen Plänen ablässt.
Zunehmend wird "Looper" zu einem moralischen Diskurs und damit zu einer komplexen Auseinandersetzung über Ursache und Wirkung. Mit der Hinzuziehung von Sara (Emily Blunt) und ihrem kleinen Sohn Cid (Pierce Gagnon), die inmitten von Zuckerrübenfeldern auf einer kleinen Farm leben, entfernt sich "Looper" auch optisch von jeder Science-Fiction. Telekinese oder die Zeitreise beanspruchen keine innere Logik, sondern stehen stellvertretend für eine scheinbar eindeutige Bedrohung und die Spaltung eines Menschen in seinen gegenwärtigen und zukünftigen Charakter, um die innere Abhängigkeit deutlich werden zu lassen. Jederzeit spannend, mit angemessen eingesetzter Action und in seinem Storyverlauf überraschend, beendet "Looper" die Mär von der einfachen Lösung (8,5/10).