Marseille, 1971: Der junge Kunststudent Gilles (Clément Métayer) kämpft mit seinen Freunden für eine bessere Gesellschaftsordnung. Sie verbreiten Zeitschriften und Plakate, liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei und besprühen nachts die Uni mit Parolen. Als dabei ein Wachmann schwer
verletzt wird, zersplittert die Gruppe...
In Frankreich wird das Drama unter dem Titel „Après Mai“ uraufgeführt, international heißt der Film „Something in the Air“. Alle drei Namen sind passend, denn die studentische Revolution vom Mai 1968 ist gescheitert, trotzdem liegt ihr Geist auch 3 Jahre später immer noch in der Luft, die Beteiligten erlebe eine wilde Zeit.
Nach seinem monumentalen, 5-stündigen Porträt eines der meistgesuchten Terroristen („Carlos – Der Schakal“ 2010), widmet sich Regisseur Olivier Assayas der Jugend der frühen 70er Jahre und zeichnet ein autobiographisches, nahezu perfektes Stimmungsbild einer Zeit, in der viel geträumt, geplant und diskutiert wird, bevor die Beteiligten in kleineren Aktionen aktiv werden. Im Mittelpunkt der Handlung steht Künstler in spe Gilles, überzeugend dargestellt von Clément Métaye in seiner ersten Filmrolle. Doch immer wieder werden auch einzelne Episoden aus dem Leben seiner ehemaligen Kommilitonen und Mitstreiter gezeigt. Das ist die große Schwäche von „Après Mai“, denn so wirkt der Film fragmentarisch und etwas zerrissen, aber auch seine große Stärke, denn auf diese Weise können sehr unterschiedliche, neue Lebensmodelle präsentiert werden. Zudem verlässt die Geschichte bald Frankreich, denn die handelnden Personen verschlägt es nach Italien, England, Holland oder Afghanistan, weltweit bereitet man sich auf die bevorstehende linke bzw. kommunistische bzw. maoistische Revolution vor, die dann doch nicht stattfinden wird. Doch das weiß nur der Zuschauer, die Figuren müssen ihren eigenen Weg finden und auch gehen, unterlegt mit extrem genialer Musik von Syd Barrett über Tangerine Dream bis zu Captain Beefheart. Der Soundtrack dürfte sein Geld wert sein. So wie der Film jeden Cent der Kinokarte.
(8,5/10)