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"The sweeney" (dt. Die Füchse) hieß eine englische TV-Serie, die in den 70er Jahren unkonventionell arbeitende Polizisten auf die Verbrecher los ließ - eine Sondereinheit, die sich nicht lange mit Dienstvorschriften rumschlug, sondern kompromisslos gegen räuberische Banden vorging. Außerhalb Großbritanniens blieben die Machenschaften von Inspector Jack Regan und seinem Kumpel Sergeant George Carter eher unbekannt - in Deutschland kamen nur geschnittene Fassungen ins Fernsehen - aber in England schrieben sie TV-Geschichte und revolutionierten das Kriminal-Genre mit ihren harten, professionellen, an der Realität orientierten Stories. Entscheidend für die Wirkung der Serie blieben aber die beiden Protagonisten, deren Härte - gegenüber den Verbrechern, wie gegen sich selbst - nicht gespielt wirkte.

Entsprechend ging auch Regisseur Nick Love vor, als er die Hauptrollen mit Ray Winstone (als Jack Regan) und Ben Drew (als George Carter) besetzte, denn Beiden möchte man nicht im Dunklen begegnen. Schon die Eingangssequenz lässt deutlich werden, dass sie weder Mensch, noch Material schonen. Einzig die erfolgreiche Überführung der Gangster ist ihr Ziel, Kollateralschäden inclusive. Doch während John Carter privat eher sanft auftritt, steht Jack Regan ständig unter Strom. Selbst der Sex mit Nancy Lewis (Hayley Atwell), die zu seiner Einheit gehört, wirkt immer wie ein Kraftakt - dumm nur, dass sie die Frau von Chief Inspector Frank Haskins (Damian Lewis) ist, einem typischen Bürohengst, der Regans Abteilung kontrollieren soll.

Auch in der TV-Serie gehörte die Auseinandersetzung zwischen den Polizisten, die ihr Leben auf der Straße riskieren, und den bürokratischen "Sesselpupsern" zum Inventar, aber in "The crime", wie der Film geschmacksneutral in Deutschland heißt, wirkt diese Szenerie nicht authentisch, sondern künstlich auf Konfrontation getrimmt. Während sich Regans Abteilung eine edel designte, auf dem neuesten technischen Level befindliche, "Apple" infizierte Büroetage leistet, was den Chef nicht davon abhält, seine Stiefel auf den cleanen Schreibtisch zu wuchten, sitzt die übrige Polizei in tristen Bürotrakten. Nicht erstaunlich, dass Kontrolleur Haskins vermutet, dass Regan sich selbst Kohle einsteckt, während die Behörde für die entstandenen Schäden aufkommen muss. Damit liegt er tatsächlich richtig, aber Regan benötigt das Geld, um Spitzel dafür zu bezahlen, ihn frühzeitig über ein geplantes Ding zu informieren.

Mit dieser Konstellation vermeidet "The crime" jegliche Ambivalenz, wie sie der Charakter von Regan prinzipiell mitbringt. Dessen hartes Auftreten entpuppt sich zunehmend als reine Äußerlichkeit, denn sein Vorgehen dient selbstverständlich ausschließlich der guten Sache, auch wenn das die Weicheier in ihren Büros natürlich nicht wahrhaben wollen. Nicht nur, dass er mit den abgezweigten Geldern von Raubgut den nächsten Coup verhindert, selbst das Verhältnis zur verheirateten Kollegin steht kurz vor der Legitimation. Deren Ehe mit dem Chef-Kontrolleur bestand seit Jahren sowieso nur noch auf dem Papier und Regan ist gewillt, mit Nancy zusammen zu ziehen und einen auf echte Beziehung zu machen. Dass es dazu nicht kommt, hat damit zu tun, dass neben den ganzen Scheingefechten noch eine Kriminalstory stattfindet, auch wenn sich diese nur wenig schlüssig entwickelt.

Wieso sich Regan das teure Büro leisten konnte, wenn er dafür keine Gelder abzweigte, wird nicht beantwortet, denn normalerweise liegt das in der Verantwortung der Behörde. Regisseur Love ging es offensichtlich weniger um Logik, als um ein möglichst professionelles, hochstilisiertes Bild einer schwer bewaffneten, technisch bestens ausgestatteten Polizeitruppe, welches er mit Farbfiltern, die die Bilder in einen bläulichen Ton tauchen, noch unterstreicht. Warum Regan trotzdem ewig benötigt, bis er die richtigen Schlüsse aus der Hinrichtung einer scheinbar harmlosen Kundin bei einem Raubüberfall schließt, obwohl das für jeden Betrachter sofort offensichtlich ist, bleibt ein Rätsel. Hauptsache er trampelt möglichst rabiat auf den Verbrechern herum, deren Brutalität sowieso jede Vorgehensweise rechtfertigt.

"The crime" gelingt das Kunststück, eine raue, erbarmungslose Welt zu beschwören und den täglichen harten Kampf der Männer an der Front zu beschreiben, die nicht nur ihr Leben riskieren, sondern von Bürokraten noch behindert werden, ohne einen Moment echte Spannung zu erzeugen. Zu offensichtlich sind die beschworenen Konflikte, zu eindeutig und überraschungsarm agieren die Charaktere und zu einfach werden am Ende Lösungen präsentiert, als das jemals das Gefühl einer wirklichen Gefahr entsteht. Optisch funktioniert "The crime" und verfügt auch über ordentlich inszenierte Action, aber inhaltlich bleibt der Film oberflächlich und damit nur ein modernes Plagiat der originalen TV-Serie (4/10).

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