Katrine (Juliane Köhler), das Kind einer Norwegerin und eines deutschen Soldaten, wird als Baby von den Nazis entführt und wächst in einem sogenannten Lebensborn-Heim. Als junge Frau gelingt ihr die Flucht aus der DDR zu ihrer Mutter (Liv Ullmann) nach Norwegen, wo sie sich ein eigenes Leben aufbaut. Nach dem Mauerfall besucht sie ein Anwalt, der Entschädigung für sie fordern will…
Georg Maas (NeuFundLand“ 2003) arbeitet in seinem Drama ein wenig bekanntes dunkles Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte auf: Kinder von nordeuropäischen Frauen und deutschen Soldaten sollten in den Lebensborn-Heimen zu perfekten Ariern aufwachsen. Nach Kriegsende lagen viele dieser Einrichtungen in der sowjetischen Besatzungszone und nach Staatsgründung der DDR wurden viele von ihnen als junge Erwachsene wiederum missbraucht, weil die Stasi ihren Wunsch nach Heimkehr ausnutzte und sie als „Kundschafter des Friedens“, also Agenten in den Westen schickte. So schließ in Maas’ Film Katrine nach 20 Jahren ihre Mutter in die Arme, die, wie auch Katrines späterer Ehemann, ein U-Boot-Kapitän der norwegischen Marine, nicht ahnen kann, dass die lange Vermisste für die Staatssicherheit spioniert. Es entwickelt sich eine spannende, im letzten Drittel ergreifende Geschichte um Wahrheit und Lüge, Schein und Sein. Juliane Köhler („Aimee und Jaguar“ 1999, „Der Untergang“ 2004) bietet in der Hauptrolle eine ergreifende Leistung. Ebenso überragend Ingmar Bergmans Ehefrau Liv Ullmann („Persona“ 1966, „Das Schlangenei“ 1977, „Der Rosengarten“ 1989), die mit „Zwei Leben“ nach über 10 Jahren ein bewegendes Leinwand-Comeback liefert. Die übrigen Darsteller spielen gut, allen voran Sven Nordin („Sons of Norway“ 2011) als hintergangener Ehemann, doch erhalten sie keine Gelegenheit ihre Figuren zu entwickeln. In 99 min. muss eine Handlung über Jahrzehnte flott erzählt werden, Regisseur und Drehbuchautor Georg Mass belässt es bei episodenhaften Rückblenden, warum dazu ein wackeliger Super8-Stil mit körnigen Bildern gewählt wird, bleibt sein Geheimnis. Neben intensiven Kammerspiel-Szenen gibt es einige wenig überzeugende Einstellungen und Kamerafahrten.
„Zwei Leben“ ist wichtige Vergangenheitsbewältigung mit ganz starken Darstellern, inszeniert auf mittelmäßigem Fernsehniveau. (7,5/10)