Review

Visuell herausragende Dokumentation als Hommage an einen einmaligen Abenteurer und so interessanten Menschen

Nach kurzem historischen Vorspann beginnt mit atemberaubenden Luftaufnahmen verschneiter Berge und ganz klein sieht man ihn dann, Reinhold Messner, wie er sich den Weg auf dem Bergkamm durch den Schnee befindet. Dies visualisiert schon in den ersten Sekunden das auch von ihm immer klargestellte Verhältnis von Mensch zu Natur. Schnitt. Dann erste biografische Bilder. Visuell schafft es Regisseur Andreas Nickel mit sehr aufwendigen Aufnahmen zum einen die Gefährlichkeit, und zum anderen aber auch die Faszination für die Messnerschen Touren und den Menschen dahinter einzufangen.

Was soll man noch zu Reinhold Messner sagen? Mit seinen über Jahrzehnte durchgeführten Kraftakten hat er die Kletterei global wie kaum ein anderer revolutioniert, zumindest in seiner gelungenen Außenwirkung in der Masse auch nicht bergsteigender Zeitgenossen. Für mich strahlt er auch stets diese Mischung aus Begeisterung, Ignoranz von Todesgefahr und Erfurcht vor der Natur aus, die mich so nachhaltig für ihn einnehmen. Auch indirekt hat er natürlich kommerziell dazu beigetragen, die Marke Reinhold Messner zu pflegen und zu etablieren.

Und auch diese Dokumentation ist ein Baustein dieser Denkmalpflege. MESSNER will dem Phänomen Messners aber durchaus auf die Spur kommen und erklären, wie er zu dieser Berufung gekommen ist, was seine Motivation dahinter ist und einige biografische Stationen aufzeigen. Natürlich kommen wir durch das gezeigte Material selbst nicht wirklich signifikant tiefer an den Menschen ran, als wir es von anderen Dokumenten und Aufnahmen her schon kennen. Die diversen technischen Rekorde die allesamt bekannt sind treten angemessen in den Hintergrund und der Mensch Messner steht im Mittelpunkt.

Wir erleben einen schönen gradlinigen chronologischen Faden und welche Wände von Widerstand Messner auch überwinden musste, abseits der eigentlichen Bergwände. Wir fühlen seinen Willen nach Freiheit und die stetige Auslotung der Grenzen des Möglichen und Expeditionen darüber hinaus. Oder wie Messner es selbst in seiner unnachahmlichen Art selbst sagt: "Wir sind dort hingegangen wo man umkommen könnte, um nicht umzukommen….ein ganz scharfes Austesten zwischen umkommen und durchkommen".

Wir hören auch historischen Stimmen wie Luis Trenker der Messners Technik lobt, aber auch sein übersteigertes Selbstvertrauen und seine fehlende Gottesfürchtigkeit anprangert. Es gibt alle in einer Dokumentation möglichen Stilelemente von Gesprächen mit Messner, biografischem Archivmaterial mit Seltenheitswert und Aufnahmen von Messner selbst von seinen Touren. Auch die Animationen der Besteigung der Achttausender überzeugen technisch absolut.

Dazu hat man Szenen aus Messners Leben und Kindheit in einer Art Spielhandlung nachinszeniert. Gerade diese Spielfilmszenen sind es, die mich nicht 100%ig überzeugen. Es gibt so viel gutes Material über ihn und er wirkt schon alleine durch sein Auftreten so stark, dass diese nachgestellten Szenen eher die Begeisterung für die ansonsten so gelungene Dramaturgie dämpfen. Dies ist natürlich eine rein subjektive Ansicht.

Und es sind Kleinigkeiten einer wahrlich visuell beeindruckenden Dokumentation. Regisseur Andreas Nickel hat in Höhen bis zu 8300 Meter gedreht und immer wieder fliegt man quasi schwerelos über Berggipfel mit der Kamera. Jeder der nur irgendwie Interesse für Bergsteigen und/oder die Person Reinhold Messner hat, sollte sich diese empfehlenswerte Dokumentation besorgen. Es ist ein weiterer Baustein über den Titan Messner, welcher den Mythos über ihn weiter erfolgreich schmiedet.

Das die Dokumentation MESSNER eröffnende Zitat von Albert Camus aus "Der Mythos von Sisypos", der einen Felsblock immer wieder den Berg hoch wälzte, fasst das Phänomen Reinhold Messner sehr gut zusammen. In diesem Sinne denke ich zusammenfassend trotz oben genannter leichter Vorbehalte dem Menschen Messner und seiner Suche nach Sinn im eigentlich Sinnlosen dennoch ein wenig nähergekommen zu sein.

8/10 Punkten

Details
Ähnliche Filme