Ein Film soll mich wahlweise zum schmunzeln bringen, überraschen, erschrecken, aufrütteln oder auch emotional berühren. 7 PSYCHOS kann immerhin die ersten drei dieser Eigenschaften locker aufweisen. Mit ist klar, dass diese schräge und überzogene Geschichte die Filmgemeinde spalten wird, aber mir hat die wahnwitzige Mischung gefallen. Insbesondere die Dialoge sind scharf und kreativ wie mit einem guten japanischen Küchenmesser geschnitten. Zudem gibt es so viele Details in der Ausstattung, und weitere Anspielungen auf die Story im Hintergrund des Geschehens zu bewundern, so dass 7 PSYCHOS einer der ganz wenigen Streifen ist, die ich noch einmal sehen würde.
Es beginnt entsprechend mit einem der ungewöhnlichsten und unerwartesten Anfänge eines Films in der Filmgeschichte und die Marschrichtung “Zuschauer verwirren und immer wieder mit Wendungen bombardieren“ ist sogleich vorgegeben. Zur Story nur ganz kurz (OHNE SPOILER!): der Drehbuchautor Marty (Colin Farrell) will den Film “7 Psychopathen“ fertig stellen, nur die Personen bzw. Ideen fehlen ihm noch dazu. Doch Kumpel Billy (Sam Rockwell) und Hans (Christopher Walken) haben schon Ideen am Rande ihres Jobs als Hunde-Kidnapper. Leider geraten sie beim Hund von Gangster Charlie (Woody Harrelson) an den Falschen und der Film im Film beginnt…
Für die Qualität der Performance sorgen alle erfahrenen Protagonisten, es ist schwer jemanden hier hervorzuheben. Sie funktionieren einfach als Team, Christopher Walken aus meiner Sicht jedoch auch als schauspielerischer Übervater. Musiker Tom Waits war auch eine Überraschung, er hatte mehr screentime als gedacht und hat sich wie erwartet sehr gut in das schräge Geschehen eingepasst und noch zusätzliche Akzente setzen können. Für Woody Harrelson war sogar zunächst Mickey Rourke vorgesehen, und obwohl ich Rourke sehr mag, hat für mich Harrelson seinen Job auch gut gemacht.
Wirklich gut sind die diversen Rückblenden, quasi-Traumszenen und ähnliches. Hier darf die eh schon große Kreativität förmlich explodieren. Apropos explodieren. Der Blutfaktor ist recht hoch und neben einer Reihe von Körperteilen, die ganz plötzlich nicht mehr an den dafür vorgesehenen Stellen sind, gibt es jede Menge aufgeschnittene Hälse, Brandopfer und sogar explodierende Köpfe im Stile von Klassikern wie SCANNERS von Cronenberg. Die FSK 16 ist damit mal ausnahmsweise recht freizügig gestaltet.
Neben dem unglaublich schrägen und grotesken Klamauk gibt es auch hier und da gute Spitzen von Gesellschaftskritik und 7 PSYCHOS versandet somit nicht nur in eindimensionaler Schrägheit. Der Film und seine schwarzhumorige Geschichte wirken, als hätte eine ganze Gruppe von Drehbuchautoren und Dialogschreibern mal ’ne gediegene LSD Session beim Schreiben gefahren. Es brodelt nur so von Absurditäten und viele Sehgewohnheiten werden ad absurdum geführt.
Vergleiche mit Tarantino und Co. bringen wie so oft gar nichts und sind viel zu kurz gesprungen und gedacht und man tut beiden Lagern damit nichts Gutes. Der Film ist trotz aller Stärken kein absolutes Meisterwerk und wird auch kein Alltime-Kultklassiker. Und selbst der Abspann bricht mit sämtlichen Konventionen und liefert mal nicht eben nur noch einen Schlussgag, sondern eine gute Ergänzung zur Geschichte an sich. 7 PSYCHOS ist vielleicht nicht ganz so gelungen wie der letzte Film von Regisseur Martin McDonagh BRÜGGE SEHEN …, aber durchaus einen psychopathischen Blick wert.
7/10 weißen Kaninchen....äh,....Punkten