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Was sind wir wieder originell im cineastischen Sumpf der mehr oder weniger subtil immer aufs Neue Quentin Tarantino verwurstelnden Skurril-Gangster-Klamotten. Neuestes Placebo-Bonbon der Selbsthilfegruppe „Wie kopiere ich Tarantino richtig" ist ein Streifen, dessen Titel nur vor dem Hintergrund der medizinischen Probleme der Macher einen möglichen Sinn ergibt. So ist an „7 Psychos" (Original: „Seven Psychopaths") einzig die beinahe Mitleid erregende Überanstrengung psychotisch, vom Erfolg der populären Regieikone ein wenig abzubeißen. Angesichts des bombastischen Erfolgs des mit „Reservoir Dogs" in den 90ern ins Leben gerufenen Genres, lässt sich solcher Kino-Kannibalismus zwar pekuniär unschwer erklären, doch bleibt inszenatorischer Dilettantismus auch weiterhin wenig unterhaltsam. Selbst wenn man ihn noch so illuster besetzt.

Colin Farrell gibt in dieser britischen Komödie einen Schriftsteller in kreativer Flaute. Der noch ungeschriebene Roman „7 Psychos" des in Los Angeles lebenden Marty soll frischen Wind ins ausgelatschte Irren-Genre bringen. Doch mehr als ein laues Lüftchen weht dem überforderten Literaten die Muse derzeit nicht ins Gesicht. Dabei wäre es doch eigentlich ganz einfach, Ideen für sein Schaffen aufzuklauben, denn um ihn herum im wahren Leben sind nämlich so ziemlich alle nicht ganz schappi. Da ist ein bibelfester Mensch, der Selbstmord begeht, um zum Mörder seiner Tochter in die Hölle zu kommen (*Bitte was?*), ein Gangster, der seinen Hund wieder haben will und dafür über Leichen geht, ein Freund, der wiederum gern Hunde klaut, ein unbekannter Killer, der andere Killer killt und obendrein Karten spielt und ein weiterer Freund, der gern seine Freundin erschießt und auch super Karten spielt (*Moment!*). Doch damit nicht genug. Obendrein holt sich der gute Marty noch per Zeitungsannonce (weitere) echte Psychopathen ins Heim, die ihm mit ihrer leidigen Lebensgeschichte für Geld die Kreativität beflügeln sollen. Was das alles miteinander zu tun hat, erfährt der Feierabend-Cineast dann sukzessive während des Films, sofern er die in sich selbst verlorene Ideentombola nicht vorher ausgeschaltet hat.

Hört sich nämlich nicht nur alles viel zu wirr an. Ist auch alles völlig durch den Wind. Abgeschmackt und ohne Sinn für feinfühliges Komponieren werden hier einmal mehr im Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Modus inhaltlose Monologe, sinnbefreite Phrasen und völlig konstruierte Handlungsstränge zusammengeknotet, die hinten und vorne nicht zusammenpassen wollen. Wie ein Elefant im Porzellanladen rennt Regisseur Martin McDonagh durch das quasi undurchdachte Drehbuch und lässt seine Hochglanztruppe, die so manchem anderen Film bereits das Diadem aufs Haupt gesetzt hat, hier ins offene Feuer laufen. McDonagh, der vor geraumer Zeit mit „Brügge sehen... und sterben?" (2008) eine gut funktionierende Gangsterkomödie mit ordentlichem Schuss schwarzem Humor inszenierte, lässt hier in der Neuen Welt keinem seiner Stars die Chance, den Karren aus dem metertiefen Dreck zu ziehen. Weder der gern gesehene Woody Harrelson, noch der noch gern gesehenere Christopher Walken, noch Sam Rockwell, noch die olle Kurylenko und natürlich auch kein Colin Farrell gehen aus diesem verquasten Murks als Sieger hervor. Aber - zugegeben - das hat Farrell ja noch nicht einmal als „Alexander" geschafft.

Wenn etwa Sam Rockwell als latent neurasthenischer Kumpel am Roman mitschreiben möchte und nun damit beginnt, als Spinner seinen echten Roman des Lebens zu schreiben, der natürlich im Showdown mit dem waffenstarrenden Hundenarr im malerischen Joshua Tree Nationalpark enden muss, allein um dem Freund eine authentische Vorlage für sein Werkeln zu liefern, dann ist man doch versucht, sich als noch nicht vollends weggedämmerter Mensch an den Kopf zu fassen. Unterbrochen wird diese völlig konstruierte Ideenkleckerei von den schwer melancholischen Drogenrauschergüssen Walkens, der als Freund Martys unter schwer die Birne derangierendem Pilzgenuss Gott und Welt diskutiert. Leider ist das intellektuelle Resultat nicht gerade Aristoteles und lässt im Vergleich so manchen Achtjährigen rhetorisch recht gut dastehen. Spannend ist es obendrein nicht. Die wiederholt gezwungen ins Plot untergehobenen Elemente von staubig-benebelter Fear-and-Loathing-Romantik fügen sich in die ohnehin nicht eben um Homogenität oder Plausibilität bemühte Story ungefähr so geschmeidig ein, wie ein Lastkraftwagen in einen Mofa-Parkplatz. Augenscheinlich sollte wirklich jede im Vorfeld ersponnene Idee auch tatsächlich im Endprodukt verbraten werden. Das klappt jedoch erfahrungsgemäß beim Inszenieren von Kinofilmen ebenso wenig wie beim Kochen.

Einmal mehr wurde hier einem ächzenden Drehbuch die Waffe an die Schläfe gehalten mit den Worten „Warum bist du nicht von Tarantino?!". Nur wurde diesmal offenbar der Abzug gedrückt, denn spätestens beim Schlussakkord des Streifens geht jede Logik flöten und das zuvor schon nicht realitätsverhaftete Bild löst sich endgültig in schier Kandinsky-scher Sinnlosigkeit auf. Ein einziges Mal noch den geliebten Wuffi streicheln ist für manche Film-Gangster ein ganzes Leben im Kittchen (ohne Wuffi) wert. Andere suchen keinen Wauwau, sondern Jahrzehnte lang einen angemessen pittoresken Ort, um sich endlich so richtig gemütlich erschießen zu lassen. Sinnbefreite Leere, allerdings ohne rettenden Spielraum für Interpretation. Farben auf Zelluloid. Das war's.

War der zweite Film des Briten Martin McDonagh „Brügge sehen... und sterben?" - ebenfalls eine Kooperation mit Farrell - noch ein überzeugender Genrebeitrag, der mühelos Aufsehen erregte und heute nicht wenige bekennende Fans hat, wirkt sein aktueller Versuch, mit einem so richtig abgedrehten Drehbuch aber mal so richtig aufzudrehen eher erbärmlich. Zwar ist der Gewaltgrad überraschend hoch, was ebenfalls für ein Fischen in Tarantino-schen Gewässern spricht, doch sind hier weder explodierende Köpfe noch blutige Shoot-outs Trumpf. Und ein beknackter maskierter Killer, der überall seine Karten rumliegen lässt, auch nicht.

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