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Liebe muss offenbar doch was Schönes sein, wenn man der eigenen Ehefrau am liebsten in jedem Film die Hauptrolle geben würde. Sheri Moon Zombie hätte sogar die Figur von Michael Myers übernehmen können, wenn sich für "Lords of Salem" nicht noch eine angemessene Rolle gefunden hätte: Einfach mal die meiste Zeit über abwesend sein und still vor sich hin fiebern.

Radiomoderatorin Heidi (Sheri Moon Zombie) arbeitet im sagenumwobenen Salem mit zwei Kollegen (Ken Foree und Jeff Daniel Phillips), als ihr anonym eine Langspielplatte zugeschickt wird. Nach Abspielen der tranceähnlichen Klänge gerät Heidi in einen Strudel aus Alpträumen und Visionen, der darauf hindeutet, dass die Hexen von Salem offenbar nie so ganz verschwunden waren...

Rob Zombie kommt mit seinem visualisierten Fiebertraum leider kaum in die Gänge, auch wenn die Vorstellung der wesentlichen Figuren, insbesondere die Arbeit beim Radiosender noch einigermaßen interessant zu verfolgen ist. Die ersten Alpträume deuten allerdings bereits darauf hin, was sich im Verlauf noch verstärken soll: Die Handlung flacht zusehends ab, während Zombie versucht, den geneigten Betrachter mit einer Collage in seinen Bann zu ziehen. Dürfte nicht bei jedem klappen.

Denn die ohnehin dünne Story erinnert stark an das Gerüst von "Rosemarys Baby", hinzu kommen zwar ein paar gelungene Rückblicke zum Hexentreiben um 1696, doch die wild durcheinander geworfenen Symbole in überstrapaziertem Rotfilter pendeln vereinzelt am Rande der Lächerlichkeit. Ab und an, jedoch zu selten, punkten atmosphärische Momente, etwa, als die Kamera einen überaus gelungen Zoom über einen Korridor vollführt, oder eine Kirche in herbstlicher Umgebung erstrahlt.

Dabei konnte Rob Zombie eine Menge bekannter Gesichter für seinen Okkultstreifen gewinnen: Dee Wallace, Bruce Davison und Jody Geeson wirken ebenso mit wie Sid Haig und Michael Berryman, wobei die beiden Letztgenannten nur bei erhöhter Konzentration zu entdecken sind.

Und jene lässt eben zwischenzeitlich schon mal nach, obgleich der kontrastreiche Soundtrack zwischen Mozart und "The Velvet Underground" zu gefallen weiß. Denn das sperrige Stück Film hat rein gar nichts mehr mit Arbeiten wie "The Devil's Rejects" zu tun, wo immerhin noch ein wenig Blut floss, was hier fast gar nicht der Fall ist.
Ein Werk zwischen surrealem Hexensabbat und zudringlichen Priestern, zwischen Scheiterhaufen und Bratpfanne auf dem Hinterkopf, - entweder man wird von den Bildern angesprochen und auf eine alptraumhafte Odyssee geschickt oder man fragt sich, welche Drogen dem Regisseur nicht so gut bekommen sind.
Knapp
4 von 10

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