Pennen muss Salem
Rob Zombies "Lords of Salem" polarisiert heftig. Ich gehöre (noch) eher zur negativen Seite. Finde ihn wirr, öde und wenig schockierend. Fast belanglos. Trotzdem lege ich mir selbst dringend eine Zweitsichtung ans Herz, da man sich der audiovisuellen Wucht dieses teuflischen Treibens kaum entziehen und von ihr gleichzeitig abgelenkt werden kann. Dieser Hexenzirkel verbindet klassischen Appartement-Psycho-Grusel ala "Rosemarys Baby" mit Zombies kraftvoller Gabe, die Hölle auf Zelluloid zu bannen. Argento und Fulci sind sicher stolz und schweben auf Wolke -7. Herr Zombie hat schon härtere Werke gedreht, verstörendere sicher, auch spannendere und klar kränkere. Schönere, prachtvollere und unterschwellig bösere jedoch noch nicht. Ist ein Anfang. Unsere Beziehung ist noch nicht verloren. Ich gebe nicht auf.
Die Herrscher von Salem verzehren einen mit Haut und Haar, lutschen einen aus bis ins Mark. Das kann ermüden und an seine eindeutigen Vorbilder reicht Zombies Hardcore-Hommage nie heran. Lässt man das diabolische Farbenspiel jedoch in sich einziehen, dann hat es das Zeug, sich unter der Haut festzusetzen. Doch da spricht eher mein innerer Nostradamus. Nach dem zweiten, dritten oder vierten Sehen könnte es mir so gehen. Noch reicht es bei mir nur für ein egales Schulterzucken. Sheri Moon war noch nie die beste Identifikationsfigur, geschweige denn emotionale Darstellerin. Sie agiert im Schlafwandel-Modus. Das Ende kommt mir etwas sehr abrupt und ließ mich kalt, war trotz äußerst pessimistischer Haltung leicht vorauszusehen. Seine Stärken und eine echte Schockerszene mit einer Hexe in der Küchenecke gibt es in der ersten, besseren Hälfte. Danach kommt irgendwann nur noch Exzess und eine Bilderflut als hätte Satan höchstpersönlich MTV übernommen und reanimiert. Nutzt sich ab, löst sich auf. Trippy.
Fazit: anders als alles zuvor von Senior Zombie. Anders als der Rest auf dem Markt. Diese salemschen Hexen jagen einem richtig Angst ein und kommen schön klassisch rüber, ohne viel von der Kernigkeit und positiven Perversion des polarisierenden Regisseurs zu verlieren. Okkulter 70-Grusel trifft auf den siebten Kreis der Rob Zombie-Hölle. Sein reifstes Werk, wenngleich einige Längen durchschifft werden müssen. Irgendwie auch Möchtegern-Polanski. Hintenraus verliert er mich. Fasziniert aber. Seltsam.