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Sightseeing und Party in einem völlig fremden Land und Eli Roth spielt auch gleich mit?
Zumindest die ersten 34 Minuten erinnern frappierend an die elend lange Exposition von "Hostel", während danach eine fiese Mischung aus Katastrophenfilm, Terror und Überlebenskampf losgetreten wird.

Drei Aufreißer um Gringo (Roth) machen sich eine schöne Zeit in Santiago, Chile. In einem Club lernen sie drei hübsche Frauen kennen, doch dann kommt es zu einem Erdbeben. Trümmer und Nachbeben sind allerdings noch nichts gegen entflohene Strafgefangene...

Der chilenische Regisseur Nicolás López drehte bis dato überwiegend Beziehungskomödien, was im ersten Drittel teilweise durchschimmert. Beim Anbaggern kommt stets ein wenig Zynismus durch, viele Frauen werden fast ausschließlich auf ihr Äußeres reduziert und zur Not gaukelt man einen gewissen Luxus vor, während andere permanent ihrer Ex hinterher telefonieren und dabei übersehen, dass die hübschen UND gebildeten Damen eigentlich nur ein wenig Aufrichtigkeit benötigen.

Mit dieser ist es allerdings dahin, als das Beben losgeht und Teile des Inventars im Club einige Menschen plätten. Von da an geht es nahezu ohne jede Verschnaufpause knallhart zur Sache und man wundert sich, wie teils unverfroren boshaft und menschenverachtend zu Werke gegangen wird. Die Handschrift von Roth ist zumindest unverkennbar, - als Produzent und Co-Autor dürfte er dem Regisseur mehr als nur über die Schulter geblickt haben.

Allerdings geht es dabei einige Male recht hanebüchen zu, andere Begebenheiten kündigen sich meilenweit gegen den Wind an, nur die Reihenfolge diverser Ableben ist schwer zu erahnen, da uns eine eindeutige Hauptfigur vorenthalten wird und es jeden zu jederzeit treffen kann. So versucht man einen Feuerwehrmann aus einem Wrack zu helfen, Vordrängeln in die Seilbahn könnte Leben retten, im Keller einer Kirche tun sich Abgründe auf und final muss man sich in der Kanalisation zur Wehr setzen.

Das alles wird recht flott und sauber inszeniert vorgetragen, auf CGI wird weitgehend verzichtet, während Splatterfreunde ein zermatschtes Gesicht, zwei brennende Körper, eine abgetrennte Hand und eine fette Eisenstange im Oberschenkel erhalten. Darstellerisch wird solide Kost abgeliefert und Roth selbst macht sich im komödiantisch Fach deutlich besser als beim Survivaltrip. Die Kulissen sind okay, aber sehr konzentriert auf isolierte Schauplätze, wodurch das Katastrophenszenario nur teilweise authentisch rüberkommt.

Wer also das erste Drittel des Streifens übersteht, darf sich auf Trash, Exploitation und moralisch dubiose Gegebenheiten einstellen, welche sich beinahe im Minutentakt abwechseln.
Ergo nichts für Feingeister, aber jene hat "Hostel" seinerzeit auch nicht unbedingt überwältigt...
7 von 10

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