26 Regisseure, jeweils 5.000$ Budget und nur
eine thematische Vorgabe : den Tod ; das ist das grundsätzliche Konzept
des wohl gewagtesten Anthologie-Projektes aller Zeiten. 26 vollkommen
unterschiedliche Stile und Herangehensweisen machen diesen
Film von vornherein zu einem alles andere als leicht verdaulichen
Genre-Happen, der schon im Vorfeld für massenhaft Furore sorgte und auch
in Zukunft die Zuschauer spalten wird.
Die Idee, das ABC in Form
von Kurzfilmen abzubilden, ist allerdings zweifelsohne mutig und auch,
wenn die Qualität der einzelnen Episoden so wechselhaft ist, wie die
jeweiligen Konzepte der Regisseure, so sollte zumindest das Basiskonzept
honoriert werden.
Einen roten Faden sucht man natürlich vergebens
und so bleibt dem Zuschauer gar nichts anderes übrig, als sich von
Episode zu Episode zu hangeln und sich auf immer neue Interpretationen
des Todes einzulassen ; quasi 26 „Gesichter des Todes“ am Stück.
Um
den Film letztlich überhaupt nachvollziehbar bewerten zu können, muss
man alle Episoden einzeln betrachten und am Ende die große Abrechnung
vornehmen.
A is for Apocalypse
Fazit : unvermittelt-fieser
und blutiger Einstieg um eine Frau, die versucht ihren Gatten zu
ermorden, bevor die Apokalypse ihr zuvor kommt.
Nett, aber zu flach, um wirklich begeistern zu können. (6,5/10)
B is for Bigfoot
Fazit : finstere Story um ein kleines Mädchen, das von ihrem notgeilen
Bruder und seiner Freundin mittels einer Gruselgeschichte zum schnellen
Einschlafen gezwungen werden soll. Blöd nur, dass die finstere
Geschichte doch nicht frei erfunden zu sein scheint.
Eines der Highlights und besonders für Slasher-Fans eine Sichtung wert. (8,25/10)
C is for Circle
Fazit : konfuse wie atmosphärische Parallelwelt-Geschichte, in der ein
Mann durch ein schwarzes Loch in seinem Garten plötzlich gegen sich
selbst kämpfen muss.
Netter Ansatz, aber leider zu dürftig in der Umsetzung. (6,25/10)
D is for Dogfight
Fazit : ästhetisch auf hohem Niveau wird hier auf die Beziehung eines
gescheiterten Mannes zu seinem Hund eingegangen, welcher ihm nun im
Rahmen eines perversen Hundekampf-Spektakels gegenübersteht. Dass die
beiden mehr verbindet, als nur ihr Überlebenswille, ahnt der Betreiber
jedoch nicht.
Ein klares wie bewegendes Highlight und optisch ohnehin eines der Juwelen des Filmes. (8,5/10)
E is for Exterminate
Fazit : eher zäh inszenierter Kampf eines Mannes gegen ein fieses
Spinnentier, dass durch seinen Biss noch eine unangenehme Überraschung
für den armen Kerl bereithalten soll. Für Spinnen-Hasser eher
ungeeignet. (05/10)
F is for Fart
Fazit : total beklopptes
Trash-Filmchen is Japan, in dem die größte Bedrohung augenscheinlich vom
Giftgas-Gefurze japanischer Schulmädels ausgeht. Wer 'nen Fetisch für
süße Mädels mit exzessivem Gasaustausch hat, der wird sich freuen. Alle
anderen … naja … nicht. (04/10)
G is for Gravity
Fazit :
langweiliges Segment um einen Surfer, der auf hoher See verunglückt (?),
in dem einzig die Ego-Perspektive einfallsreich ist. Der Rest ist
komplett verschenkt. Das klare Negativ-Highlight der Kurzfilm-Sammlung !
(01/10)
H is for Hydro Electric Diffusion
Fazit : extrem
abgedrehter Nazi-Trash mit Tier-Charakteren und unterhaltsam-witzigen
Einfällen, von denen sonst der Führer träumen würde.
Nach zwei Nieten endlich wieder ein richtiges Highlight. (09/10)
I is for Ingrown
Fazit : zusammenhangsloses Filmchen, in dem eine junge Frau in der
Badewanne eines psychisch gestörten Mannes gefangengehalten und mittels
Injektion toxischer Substanzen getötet wird.
Verstörend wie fragwürdig. (7,25/10)
J is for Jidai-geki
Fazit : wieder Nippon-Trash, aber diesmal kein kopfschüttelnerregender
Nonsens, sondern ein amüsantes Filmchen, um einen japanischen
Scharfrichter, der es aufgrund ständiger Grimassen des Delinquenten
nicht hinbekommt, im den Schädel vom Rumpf zu schlagen … zumindest nicht
sofort.
Für zwischendurch eine ganz nette und auflockernde Angelegenheit. (6,25/10)
K is for Klutz
Fazit : herrlich amüsanter Trickfilm-Beitrag über eine junge Dame, die
so ihre Schwierigkeiten damit hat, sich ihrer verrichteten Notdurft zu
entledigen.
Fäkalhumor der etwas anderen Art, aber mehr als unterhaltsam. (8,5/10)
L is for Libido
Fazit : einer der brachialsten und umstrittensten Beiträge, der schon
in Richtung Torture-Porn geht und zartbesaiteten Gemütern, sowie Eltern
sicher nachhaltig im Gedächtnis haften dürfte.
Fies, aber durchaus als eine der besten Episoden zu bezeichnen. (8,5/10)
M is for Miscarriage
Fazit : ziemlich lapidar inszenierte, aber dennoch in der Pointe gut
funktionierende Episode ohne viel schmückendes Beiwerk. Der Name ist
Programm und was man über die nüchterne Darstellung denkt, bleibt jedem
selbst überlassen.
Interessant, aber ohne Unterhaltungswert. (06/10)
N is for Nuptials
Fazit : Ein Mann (mal wieder ein Japaner) wird von einem sprechenden
Vogel vor seiner Verlobten in die Pfanne gehauen. Dumm nur, dass die
Gute grad' am Gemüseschneiden ist.
Leidlich-lustige und wenig originelle Episode, aber immerhin nicht unnötig trashig gehalten ; schieres Mittelmaß. (05/10)
O is for Orgasm
Fazit : komplett ohne Handlung inszeniertes Filmchen, das einzig und
allein einen weiblichen Orgasmus visualisieren soll und dabei optisch
und akustisch alle Register zieht.
La Petite Mort ; Style over Substance, aber immerhin eindrucksvoll und anders. (5/10)
P is for Pressure
Fazit : düstere wie realistische Episode um eine junge Frau, die, um
ihren Kindern ein besseres Leben bieten zu können, durch eine Hölle aus
Demütigung und Prostitution gehen muss.
Beklemmend, dreckig und real ; einer der düstersten Beiträge. (6,5/10)
Q is for Quack
Fazit : Pseudo-Reality-Beitrag in dem Regisseur und Produzent der
Episode beschließen, für einen ultimativ authentischen Beitrag ein Tier
zu töten. Die Ente ist schnell gefunden, doch die Umsetzung gestaltet
sich als schwieriger, als zunächst gedacht.
Ironisch, makaber und ziemlich lustig ; eine der besten Episoden. (09/10)
R is for Removed
Fazit : surrealer wie blutiger und verstörender Beitrag über die Rache
eines misshandelten, ausgebeuteten und verstümmelten Mannes. Letztlich
zu wenig nachvollziehbar und sinnvoll, um voll zu punkten, aber
zumindest fies und unterhaltsam. (8,25/10)
S is for Speed
Fazit : im Grindhouse-Stil inszeniertes Road-Movie um zwei heiße Mädels,
die vor einem tödlichen Widersacher flüchten. Doch das jähe Ende wartet
schon …
Anfangs wild, bunt und schwarzhumorig, kippt die Stimmung
gegen Ende komplett und die Realität hält Einzug ; eine sehr
eindrucksvolle und komplexe Episode. (9,25/10)
T is for Toilet
Fazit : nur mit Knetmasse und Stop-Motion-Technik inszeniertes Segment
über einen kleinen Jungen, der so viel Angst vor der Benutzung einer
richtigen Toilette hat, dass er bereits blutige Alpträume hat. Dass
diese Angst gar nicht mal so unbegründet ist, soll sich bald zeigen …
Herrlich finstere, zuweilen sehr blutige und extrem fiese Trick-Episode und das inoffizielle Highlight des Filmes. (10/10)
U is for Uneathed
Fazit : ziemlich zusammenhangslose Monsterjagd in Ego-Perspektive des
Gejagten. Man erfährt leider keinerlei Hintergründe und auch bei den
Effekten gibt es kaum nennenswertes zu berichten. Atmosphärisch ist
allerdings das Wald-Setting in Verbindung mit der Finsternis und dem
wütenden Mob aus zivilen Jägern.
Leider hinter seinen Möglichkeiten ! (6,5/10)
V is for Vagitus
Fazit: futuristische und extrem derbe Episode, in der es Menschen nur
mit Erlaubnis seitens der Regierung gestattet ist, Kinder zu bekommen.
Sollten sie dagegen verstoßen, tritt eine Spezialeinheit mit
Baby-Vernichtungs-Roboter in Kraft …
Nonstop-Action, superbe
Hochglanz-Optik und eine ungeahnte Brachialität zeichnen dieses
Kurzfilm-Meisterwerk aus. Dazu ist die Story neben aller Dynamik auch
noch doppelbödig und das Ende bietet eine nette Pointe. (9,5/10)
W is for WTF!
Fazit : der Name ist Programm : Killer-Walrosse, Zombie-Clowns, sexy
Kriegerinnen auf Krawall gebürstet … das ist alles ganz schön
zusammenhangslos und im Rahmen einer surrealen Apokalypse untergebracht,
aber bei aller Blödheit macht dieser Bullshit wirklich Spaß ! (08/10)
X is for XXL
Fazit : eine junge, übergewichtige Dame kann dem ständigen Spott ihrer
Mitmenschen und dem Anblick einer wunderschönen Werbeikone für
Haferflocken nicht mehr standhalten und wählt den radikalen Weg, um von
XXL auf XS zu kommen. Das Ergebnis kann sich in mehrfacher Hinsicht
sehen lassen …
Tragisches Portrait einer verzweifelten Frau und gleichzeitig einer der blutigen Höhepunkte der Anthologie. (08/10)
Y is for Youngbuck
Fazit : ein pädophiler Hausmeister wird von einem seiner Opfer
heimgesucht und dieses hält eine ganz besondere Überraschung für ihn
bereit …
In grellen Farben und mit einem dröhnenden Score unterlegt,
wird hier eine der einprägsamsten, als auch besten Episoden
präsentiert. Die Optik erinnert ganz stark an einen Beitrag aus den 80er
Jahren und der schwarze Humor unterlegt den Tenor des Kurzfilmes
perfekt.
Definitiv eine der gelungensten und sehenswertesten Beiträge. (09/10)
Z is for Zetsumetsu
Fazit : konfuser Japan-Trash bildet leider auch den Abschluss des
Filmes. Nazi-Frauen mit monströsen und messerbestückten Dildos kämpfen
gegeneinander. Warum, wieso und weshalb wird vollkommen außer Acht
gelassen … eine optisch recht eindrucksvolle Vorstellung, doch
inhaltlich so hohl, wie eine Produktion von RTL.
Für Asia-Trash-Fans sicher unterhaltsam ; alle anderen werden sich mit Grausen Abwenden. (3,5/10)
Was letztlich eine lobenswerte Punktzahl von 182/260 für das Endprodukt
macht, welche exakt einer Wertung von 07/10 entspricht.
Da der
Film allerdings mit seinem Vorhaben eine gehörige Portion Mut und
Einfallsreichtum an den Tag legt, sowie insgesamt für ein Werk von über
zwei Stunden ungemein kurzweilig daherkommt, ist diese Wertung
gegebenenfalls noch um einen Bonuspunkt zu erhöhen.
Der letztliche
Eindruck von „The ABCs of Death“ ist jedenfalls klar positiv und
obgleich einige Episoden deutlich schlechter sind als andere, sollte man
dieser ambitionierten Kurzfilmsammlung durchaus eine Chance geben,
zumal der Großteil der Beiträge klar über dem Durchschnitt liegt.
Lediglich eine Affinität für den Tod in all seinen Facetten ist unabdingbar für den makabren Genuss. (08/10)