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Pittsburgh, USA. Ein Mann fährt in ein am Fluss gelegenes Parkhaus, parkt seinen Van auf einem reservierten Stellplatz, wirft eine Münze in die Parkuhr, holt ein Scharfschützengewehr heraus, visiert durch sein Zielfernrohr die gegenüberliegende Uferpromenade an und erschießt in rascher Folge fünf scheinbar zufällig ausgewählte Menschen, bevor er dann mit quietschenden Reifen den Schauplatz verlässt. So beginnt Jack Reacher, ein Film der von Lee Childs Novelle Sniper inspiriert wurde und nach Operation Walküre (2008) ein weiteres Gemeinschaftsprojekt zwischen Tom Cruise (Produzent und Hauptdarsteller) und Christopher McQuarrie (Regie und Drehbuch) darstellt.

Nach dieser starken Eröffnung des Films dauert es nicht lange bis Titelheld Jack Reacher (Tom Cruise), ein Einzelgänger und hochdekorierter Ex-Militärpolizist, auf den Plan bzw. die Fußschwelle der örtlichen Polizeibehörde tritt, um sich den anhand von Fingerabdrücken auf der Parkmünze rasch identifizieren ehemaligen US Army-Soldaten James Barr (Joseph Sikora) vorzunehmen. Dieser hatte bereits während seiner Dienstzeit im Irak gemordet, jedoch wurde der Vorfall aus politischen Gründen vertuscht. Zu seinem Erstaunen wird er dort schon sehnsüchtig vom ermittelnden Detective (David Oyelowo) erwartet, denn der Tatverdächtige hatte bereits höchstpersönlich um sein Erscheinen gebeten. Bevor Jack jedoch mit dem vermeintlichen Todesschützen sprechen kann, fällt dieser infolge eines Angriffs von Mithäftlingen ins Koma. Jack lässt sich daraufhin auf eine Zusammenarbeit mit seiner Anwältin (Rosamund Pike) ein und nimmt in ihrem Auftrag Ermittlungen auf, die bereits am Tatort auf erste Unstimmigkeiten hindeuten und eine Reihe von Fragen aufwerfen. Wieso wählte der ehemalige Profi-Scharfschütze das Parkhaus und nicht einen wesentlich günstigeren und vor allem anonymeren Standort? Warum warf er vor der Tat noch eine Münze in die Parkuhr? Und erfolgte die Auswahl der Opfer wirklich zufällig? Jack beginnt, an Barrs Schuld zu zweifeln und wird so plötzlich selbst zur Zielscheibe.

Jack Reacher beginnt als Krimi, der den Zuschauer zum Augenzeugen macht, ihn jedoch lange Zeit sehr gekonnt über die Pläne der Drahtzieher im Dunkeln hält. Zusätzliche Spannung kommt ins Spiel, als der nach Antworten suchende Jack dann plötzlich selbst zum Opfer werden soll. So bekommt der Film dann zusätzlich noch einen hohen Actionanteil, der über Nahkämpfe, Verfolgungsjagden und Feuergefechte mit einer Vielzahl an Waffen so ziemlich alles bedient, was sich der Action-Fan nur wünschen kann. Vor allem die technische Umsetzung und Inszenierung der Action überzeugt auf ganzer Linie, denn die Szenen wirken sehr realistisch und verzichten weitestgehend auf rasche Schnittfolgen. Die Darstellerleistungen können hier ebenfalls voll überzeugen. Insbesondere der inzwischen 50-jährige Tom Cruise lässt in puncto physischer Präsenz und Fitness so manchen wesentlich jüngeren Action-Schauspieler ziemlich blass aussehen.

So überzeugend sich der Film in vielen Bereichen gibt, so leicht sind aber auch seine Schwachpunkte auszumachen. Die Charakterzeichnungen sind leider alles andere als originell bzw. differenziert und wollen nicht so recht zum ansonsten eher realistischen Anspruch des Films passen. Der Hauptcharakter Jack Reacher wirkt wie eine Backmischung aus den Zutaten Jason Bourne (Die Bourne Identität), Ethan Hunt (Mission Impossible) und Frank Martin (The Transporter), was ihn aber letztlich nicht origineller macht. Sein Gegenspieler, sehr beeindruckend verkörpert vom Regie-Altmeister Werner Herzog, bekommt zwar eine kurze tragische Hintergrundgeschichte verpasst, erfährt aber letztlich zu wenig Aufmerksamkeit und verbleibt so leider in der klischeehaften Rolle des verbitterten und menschenverachtenden Materialisten. Auch die Auflösung des Kriminalstücks fand ich nicht sehr befriedigend und noch weniger glaubwürdig. Zum Glück vergehen aber bis dahin zwei Stunden, die wirklich exzellente Unterhaltung bieten und einen Tom Cruise präsentieren, wie wir ihn bereits seit Top Gun (1986) kennen und lieben. Oder gerade aus diesem Grund auch nicht.

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