Review

"Genug... sowas gibt es nicht. Wir holen uns, was wir kriegen können. So machen wir das."

Diese Worte spricht in "Jack Reacher" Werner Herzog alias "The Zec", eine der vielen spannenden Figuren, die dieser wirklich rundum gelungene Film neben einem spannenden, intelligenten und durchdachten Plot zu bieten hat.

Allein dem Umstand, dass Dauerunsympath Tom Cruise die Hauptrolle spielt, ist es zu verdanken, dass ich diesen Film lange nur am Rande wahr- und ernstgenommen habe. Was für ein Fehler! Auch wenn Cruise nicht die richtige Wahl für den Streifen ist, macht das selbigen nicht zu einem an sich schlechten Film (wieder was gelernt!). Von Anfang an weiß diese Romanverfilmung eines Krimis von Lee Child zu fesseln und nimmt den Zuschauer mit auf eine spannende, ziemlich gewalttätige und auch zum Nachdenken anregende Reise.

Erfrischend fand ich, dass der Film nicht ein typisch durchschnittlicher Actionstreifen geworden ist, sondern intelligent unterhält mit Mitteln, wie man sie eher aus klassischen Thrillern kennt. Dabei wird nicht auf Action verzichtet (beeindruckend ist etwa eine Fahrt Reachers durchs nächtliche Pittsburgh, die überraschend und sogar witzig endet), sie folgt aber nicht dem üblichen Motto "höher, schneller, weiter". Überhaupt fand ich es angenehm, dass es immer wieder Momente gibt, die einen schmunzeln oder auch auflachen lassen. Dennoch geht der Ernst der Geschichte nie verloren, der tragische Fall bleibt stets im Blick und wird konsequent weitergeführt, wobei es immer wieder interessante und überraschende Entwicklungen gibt sowie unkonventionelle Lösungen jenseits des Mainstream.

Durch die Bank weg agieren die Schauspieler sehr überzeugend (Cruise lassen wir hier mal außen vor), das gilt für die bekannteren (Robert Duvall) genauso wie für die weniger bekannten.

Positiv erwähnen möchte ich auch, dass der Streifen immer wieder Stoff zur (Selbst-) Reflexion liefert. So etwa, wenn Reacher erklärt, warum er sich gegen ein "normales Leben" entschieden hat oder wenn die Geschichten der Opfer beleuchtet werden. Hier gibt es kein einfaches Weiß und Schwarz, das ist bei einem Film dieses Genres etwas sehr Erfreuliches. Spannend ist auch die anfangs erwähnte Figur "The Zec", die für ein paar eindringliche Filmmomente sorgt, herrlich gespielt von Werner Herzog. Ähnlich interessant und unterhaltsam fand ich "Cash" (Duvall), auch wenn letztlich beide Charaktere überzeichnet sind, aber das darf hier so sein.

Fazit: Lasst euch nicht von Tom Cruise abschrecken (letztlich macht er den Film nicht kaputt, das ist ja auch was), sondern macht es euch (mit ausreichend Zeit bei ca. 130 min. Lauflänge) auf dem Sofa oder sonstwo bequem und erfreut euch an einem harten, guten und intelligenten Thriller!

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