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Who The Hell Is Jack Reacher?!

"Jack Reacher" war in meinem Kopf immer als vernachlässigbares Warm Up für den nächsten Teil der "Mission: Impossible"-Reihe abgelegt. Sowohl für Regisseur wie seinen Star. Und wer gibt sich schon mit Sparring zufrieden, wenn er den Hauptkampf haben kann. Doch irgendwie lag ich da falsch. Und bin mit dieser Entwicklung sicherlich nicht allein. "Jack Reacher" ist ein solider Thriller mit einem hervorragend aufgelegten Cruise und einem erfrischen Retro-Feeling in die Videotheken der frühen 90er, mit dem Budget und den Mitteln von heute. Da stört es auch wenig, wenn Cruise der hünenhaften Figur aus der Vorlage kaum entspricht, zumindest körperlich. Ein Bad Ass ist er trotz 1,65. Außerdem ist der Fall bzw. die Grundgeschichte wirklich spannend und dass McQuarrie zügig inszenieren kann, dürfte kein Geheimnis mehr sein. Die niedrigen Erwartungen spielen ebenfalls in die Karten.

Es geht um einen fünffachen Mord, den ein Sniper mitten in der Stadt ausübt. Der Täter scheint schnell gefunden. Doch als dieser einen gewissen Jack Reacher fordert, ist unser Titelheld der Einzige, der zwischen den Zeilen des verzwickten Falls lesen kann... Eigentlich ist "Jack Reacher" bodenständig genug, um nicht mit dem sonstigen Hollywood-Bombast konkurrieren zu wollen. Andererseits ist er auch hartgekochter Action-Trash, da muss man sich nur mal die übermenschlichen Fähigkeiten des Protagonisten angucken oder einen Werner Herzog (!) als Oberbösewicht mit abgenagten Fingern (!). Der Witz: die Mischung funktioniert über satte zwei Stunden richtig gut. Das ist Unterhaltung pur, egal ob Reacher nur ermittelt, Köpfe einschlägt oder Veteranen wie Bobby Duvall trifft. Ein sympathisches Augenzwinkern gibt es zwischen dem ganzen blutigen Spaß obendrauf. Wenn sich etwa zwei Killer kaum einigen können, wer und wie jetzt John Reacher platt gemacht werden soll. Schwindelerregende Stunthöhen wie in der genannten Agentenreihe von Cruise werden zwar nie erreicht, aber man vermisst sie hier auch nur selten. Da das Gesamtpaket passt. Zügig, nahtlos, erbarmungslos. Dieser Mann macht keine halben Sachen und kann durchaus mit John Wick und anderen Actionikonen dieses Jahrzehnts in den Ring steigen.

Fazit: harter Action-Throwback oder anbiedernde Cruise-Ego-Show? Für mich ganz klar eher Ersteres. Vielleicht sogar ein neues Action-Idol. Oldschool, direkt, spannend. Kann man nicht meckern. Oder nur Cruise-Hardcore-Hater.

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