Zwei Teile, die unmittelbar hintereinander 1987 im südlichen Afrika durch die US-Firma Cannon (Menahem Golan & Yoram Globus) produziert wurden und auf den Romanen von John Norman beruhen. Verfilmt wurden die ersten zwei von insgesamt 35 Romen, die so hart und sexy sind, daß sie zeitweise in Deutschland verboten waren - allerdings sind die Filme nicht besonders hart, sondern eher ein mittleres FSK 16 Niveau.
Es geht um eine Parallelwelt (ein Planet, den wir nicht sehen können, weil er immer auf der anderen Seite der Sonne ist), in der eine andere Erde mit ähnlichen Bedingungen, aber einer geringeren Entwicklungsstufe existiert. Diese "Gor" genannte Gegenerde ist wie zu Beginn des Altertums. Man wollte hier also einen Barbarenfilm machen, angestachelt durch den Erfolg von Conan, und hat das Ganze zu unserer Zeit in Beziehung gesetzt, indem ein Professor von heute der Held ist, der mittels eines magischen Rings nach Gor gebeamt wird.
Dabei hat man gleichzeitig eine gewisse Verbeugung vor den zahlreichen Italienischen Barbarenfilmen gemacht, die in den vorangeganen Jahren als billigere Conan-Trittbrettfahrer entstanden waren. Es wurde viele Leute aus Italiens Filmgeschäft engagiert, nicht zuletzt Pino Donaggio, dessen etwas zu heldisch klingende Töne unverwechselbar sind und auffällig an die beiden Herkules-Filme (Lou Ferrigno) erinnern, welche Cannon kurz davor produzierte. Die Italien-Hommage ging so weit, daß man darauf achtete einige Schauspieler mit italienischen Namen in die größten Rollen zu bringen. Rebecca Ferratti ist zwar in den USA geboren, aber der Name ist definitiv italienisch. Hauptdarsteller Urbano Barberini ist Italienier aus Rom, sieht aber aus wie ein Amerikaner, was dann auch gleichzeitig das US-Publikum freute, denn Cannon schielte natürlich nicht nur auf die Italo-Barbaren-Fans, sondern hauptsächlich auch auf US-Videothekenkunden. Übrigens ist Barberini Nachfahre von gleich zwei der früher mächtigsten Fürstenhäuser, nämlich Sforza und Colonna, welche neben den Medici, Borgias und Piccolominis in der Renaissance die Geschicke Italiens und halb Europas beherrschten.
Schauspielerisch sind alle Beteiligten okay, auch wenn nirgends Glanzleistungen herausspringen. Die Ausstattung ist relativ gut, also besser als bei den billigsten Exemplaren italienischer Barbaren, aber natürlich schlechter als bei den wenigen etwas größeren Produkten, wie den Conan-Filmen. Die Kämpfe auf Gor sind akzeptabel, denn es wird mittelviel getötet, zugestochen, geschlagen, gerungen, aber ein Highlight sind sie nicht. Man merkt besonders in Teil 1, aber auch noch im Zweiten, wie schwer es den ungeübten Darstellern und Darstellerinnen fällt, die großen Schwerter richtig zu führen. Das sieht etwas unbeholfen aus, aber nicht so ungeschickt, daß es den Film vermiesen würde. Halt in der Mitte, die immer noch einen bescheidenen Filmgenuß ermöglicht. Die Dialoge sind nicht schlechter als bei anderer Abenteuer/Historien/Action-Unterhaltung. Geistige Höhenflüge sollte man nicht erwarten.
"Gor 1 - Die Gegenerde" liefert die Klischees der Barbarenfilme: Ein mörderischer Überfall auf ein Dorf, Leute werden als Sklaven verschleppt, Gefangene müssen befreit werden und man begibt sich dazu erst in eine brutale Kneipe, dann in den Palast der Bösen.
Was ihn etwas schwächer macht ist das anfängliche Verhalten vom Helden Cabot (Urbano Barberini), der in dieser antiken Welt landet und sich zuerst so dämlich verhält, daß es schon weh tut: Da versucht er die Barbaren, die er gerade beim Niedermetzeln einer Stadt beobachtet hat, anzusprechen als wären es normale Bürger der USA. Der Mann soll Professor sein und müsste doch so viel Grips haben zu erkennen, daß er sich nicht in einer verschlafenen Ecke der USA, sondern in einer historischen Zeit mit Schwertkämpfen und altertümlicher Kleidung. (Aber er ist filmhistorisch in guter Gesellschaft, denn bereits der Professor aus "Tanz der Vampire" ist dermaßen begriffsstutzig, daß er eher Sonderschüler der Unterstufe sein könnte). Besonders wegen seinen Reden am Anfang noch in unserer zivilisierten Welt, wo er den Leuten unterrischten wollte, daß es so eine archaische Welt wie Gor gibt, hätte er schneller schalten müssen und begreifen, daß er genau dort gelandet ist. Gut ist aber, daß diese Phase der Lächerlichkeit bei Cabot nur einige Minuten andauert und er bald zu einem kernigen, tüchtigen Bronzezeitkämpfer wird. Eingewöhnungphase vorbei.
Die Handlung ist denkbar simpel, denn es ist praktisch nur das Folgen des Weges der Bösen in deren Hauptstadt, um dort die Gefangenen zu befreien und einen magischen Steinklumpen zu holen. Der Oberschurke, der ihn rauben ließ, ist Oliver Reed, brutal und bullig wie so oft. Übrigens hatte Arnold Vosloo in unserer Zeit einen winzigen Auftritt. Ein großes Plus der Verfilmung ist, daß beide Teile direkt hintereinander gedreht wurden und wie aus einem Guß sind. Alle Darsteller, auch die Nebenrollen sind in beiden Teilen aktiv. Diejenigen, die im zweiten Teil zu den neuen Oberschurken werden, haben im ersten Teil bereits kleine, aber auffällige Rollen. Positiv auch, daß der Kleinwüchsige, der die Helden begleitet, nicht zur Witzfigur gemacht wird, sondern durchaus ernsthaft spielt und auch Tüchtigkeit beweisen darf.
Ein zentrales Merkmal von "Gor 1" ist, daß fast alle Frauen den nackten Hintern zeigen. Vom zu knappen Tanga bis zum Band zwischen den Backen ist alles vertreten, nur bedeckt sind die weder im Kampf noch beim Einkaufen. Im Gegensatz zu anderenBarbarenfilmen werden hier jedoch keine nackten Brüste gezeigt, wohl in der Hoffnung niedrigere Altersfreigaben in den USA zu erzielen.
Abschließend sind die Gor-Filme im Grundhandlungsmuster sehr ähnlich wie der 25 Jahre später gedrehte "John Carter", der aber das 100fache Budget zur Verfügung hatte und wesentlich bessere Darsteller. Trotzdem würde ich persönlich die kleinen Gor-Filme nicht schlechter einstufen als "John Carter". Die Zielrichtung ist ganz anders: "Gor" hat mehr Reiz durch die sexy Elemente und das barbarische Töten, "John Carter" hat mehr technische Perfektion, inszenatorische Geschmeidigkeit und flottere Mainstream-Handlung. Das ist 80th-Flair (Gor) gegen 2012er-Mainstream (Carter). Verloren hat in diesem Falle "John Carter", denn er machte mit 250 Millionen $ Kosten keinen Gewinn. Die kleine, aber 1987 recht anständige Summe, die Gor gekostet hat, wurde durch VHS, Fernsehen und später DVDs reingeholt und zu Gewinn gemacht.