Voyeuristische Werwolf-Extravaganza
Ben White trauert um seine Schwester Karen, die unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Bei Karens Beerdigung taucht der sonderbare Stefan Crosscoe auf. Er will Ben weismachen, Werwölfe seien für den Tod seiner Schwester verantwortlich. Flugs reisen die beiden nach Transsylvanien, um die Werwölfe ein für alle Mal auszumerzen. Dafür müssen sie deren mächtige Königin Stirba töten. Das ist aber gar nicht so einfach, befehligt sie doch ein riesiges Heer pelziger Ungeheuer …
Howling II (1985) mit dem entzückend reisserischen Untertitel Stirba - Werewolf Bitch ist eine Fortsetzung von Joe Dantes The Howling (1981). Er knüpft direkt an das Ende des ersten Teiles an; Karen Whites Tod ist der Aufhänger für den Plot. Schon The Howling hatte einen starken Trash-Beigeschmack, aber das Sequel setzt in dieser Beziehung noch eine grosszügige Schippe oben drauf. Das wird schon im Intro überdeutlich, wo Stefan Crosscoe (gespielt von niemand Geringerem als Christopher Lee) gruselige Zeilen aus einem alten Buch vorlesen darf. Nach Karens Beerdigung und der obligaten Exposition dürfen wir dabei zusehen, wie betrunkene Rowdies von Werwölfen massakriert werden
Und dann sind wir auch schon im guten alten Transsylvanien, um Werwölfe zu jagen. Eines muss man dem Regisseur Philippe Mora lassen: Er verschwendet keine Zeit und lässt kaum Langeweile aufkommen. Rastlos hastet der Plot von einem Punkt zum nächsten. Das heisst freilich nicht, dass die Geschichte auch nur im Entferntesten spannend oder sinnvoll wäre. Eigentlich ist von Anfang an klar, worauf die Sache hinausläuft. Davon lenken auch die voyeuristischen Szenen nicht ab. Howling II definiert die Werwölfe fast ausschliesslich über ihre tierische Lust. Anders ausgedrückt: Werwolf-Sex. Als hätte die eine Szene im ersten Teil nicht gereicht, setzt Mora noch einen drauf und lässt das Ganze ausarten. In Form einer Werwolf-Orgie. Ist das sexy? Nee. Ist es witzig? Ein bisschen.
Wirklich witzig ist nur der Abspann, der ein hanebüchener Zusammenschnitt der vergangenen Filmszenen ist. Dabei sehen wir gefühlte hundert Mal, wie sich die Werwolfkönigin Stirba die Kleider vom Leib reisst. Das scheint wohl die Lieblingsszene des Regisseurs gewesen zu sein …? Versöhnlich stimmen nur ein paar einzelne Punkte. Die werwölfischen Rituale sind angenehm düster geraten, und die Schiesserei am Ende ist ganz in Ordnung. Und natürlich ist Christopher Lee episch wie gewohnt.
Ansonsten muss man leider sagen, dass Howling II eine Beleidigung des ersten Teiles ist. Das Original gab sich zumindest Mühe, eine ernsthafte und einigermassen intelligente Geschichte zu erzählen. Der zweite Teil ist nur noch Schund, der mit einer Mischung aus Sex und Gewalt Kohle machen will.
3/10