Review

Begehren & Bereuen 

George Sluizer's "Dark Blood" ist kein leichter Film, kein leichter Fall, keine leichte Geschichte, keine leichte Kritik, keine leichte Kost. Eigentlich nur ein 3/4-Film, ein Genrehybrid und sehr intimes Experiment. Ein Puzzlespiel, über das wir dankbar sein können. Wie schon in Sluizers Meisterwerk "Spoorlos" geht es wieder um ein Pärchen auf Tour - doch diesmal lauert nach einer Autopanne in der Wüste nicht der Tod auf das sich nervende Ehepaar, sondern die Verführung, die uramerikanische Sünde & ein River Phoenix wenige Tage vor seinem Drogentod... 1993 gedreht, dann lange in den Aservatenkammern der Versicherung verloren, 2012 rekonstruiert und uraufgeführt. Und 2017, sage und schreibe fast zu seinem ursprünglichen 25-jährigen Jubiläum, weltweit veröffentlicht. Ein Unikum und verlorenes Juwel der Filmwelt, auf das alle mächtig neugierig waren. Oder zumindest ein paar eingeweihte Filmfreaks und Phoenix-Fans. 

Schon so strahlt die zusammengeschusterte und fertig gesprochene Version eine gewisse Magie aus - als fertiger Film wäre diese wohl noch drückender. Aber seine Legende und die dramatische Verknüpfung mit und das Wissen über den Tod des Jungstars, spielen natürlich ebenso in die Karten und Seele jedes Filmfans. Für mich ist "Dark Blood" selbst mit Voice Over und fehlenden Schlüsselszenen der zweitbeste Film des niederländischen Regisseurs. Höchst emotional, packend, nie berechenbar. Und vollkommen eigen, wenn auch tonal manchmal kreuz und quer schießend. Sexy und traurig zugleich, ein kerniger Kommentar zum Thema Amerika, Land of the Free. Von Indianergenozid bis zu Atomtests - gespart wird mit Kritik am Land der unbegrenzten Träume nicht. Mit hypnotischen Bilder der Todes-Canyons gepaart mit einem urigen Soundtrack und einer fassungslos guten Darstellung vor allem von Phoenix, der wie ein melancholischer Mix aus Jude Law und James Dean wirkt, fesselt einen dieser Schuldtrip gnadenlos - egal ob fertig oder nicht ganz. 

Fazit: wunderschön, dass wir "Dark Blood" nun endlich, zumindest zu 75%, zu sehen bekommen. Hypnotisch, gefährlich, hübsch. Ein ganz besonderer Spät-Western-Thriller, dessen Mysterium durch seine nun fragmentarisch & experimentell zusammengefügte Art nur noch größer wird. Ein vergessenes Meisterwerk & Kuriosum endlich ausgegraben... teilweise. Besser als nichts. 

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