"Wrong Turn" - das beliebte Horror-Franchise steht für harten Backwood-Splatter, bei dem Gorehounds voll auf ihre Kosten kommen. Erhielt Teil 1 noch eine Kinoauswertung und war mit einem versöhnlichen Happy End ausgestattet, gingen alle weiteren Fortsetzungen als Direct-To-Video-Releases - derb geschnitten und jeglicher Brutalität entmannt - an den Endverbraucher.
Wer das hinterwälderische, inzestuöse Geschnetzel unrated genießen wollte, musste auf die Auswertung durch gewiefte Bootlegger warten, die die Fans jedoch nicht enttäuschten.
Qualitativ in allen Belangen weit hinter dem Erstling stehend, erfreuten sich die vier Fortsetzungen aufgrund ihres hohen Splattergehalts einer großen Fanbase. Das Franchise entwickelte sich - ähnlich wie "Final Destination" oder "SAW" - zur langlebigen Erfolgsreihe, bei der es weniger um die Story als vielmehr um explizit dargestellte Tötungsszenarien ging - die von Fortsetzung zu Fortsetzung immer blutrünstiger und ausgefeilter wurden.
Bereits Teil 2 schwächelte mit einer kruden Story und nervtötenden Charakteren, konnte aber das Szenario innerhalb des undurchdringlichen Waldes für sich gewinnen und durchweg unterhalten.
Mit Teil 3 stieß dann Regisseur Declan O´Brien zum Team und steigerte den Splattergehalt erneut, lieferte dabei jedoch einen Beitrag ab, bei dem ausgebrochene Schwerstkriminelle vielmehr im Vordergrund standen als der degenerierte Familienclan, von dem in diesem Teil nur "Three Finger" auftauchte.
In Teil 4 übernahm O´Brien nicht nur die Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch - heraus kam eine über weite Strecken langweilige und spannungsarme Prequel-Story, deren Splattereffekte die hauchdünne und uninteressante Handlung zu füllen versuchten.
Für den bislang letzten Teil der Reihe konnte erneut O´Brien für Drehbuch und Regie gewonnen werden - das Resultat kann sich nach dem desolaten vierten Teil durchaus sehen lassen und es scheint, als habe O´Brien in den letzten Jahren durchaus dazu gelernt.
Mit Maynard (dargestellt von "Hellraiser" Doug Bradley) wird unter dem Titel "Bloodline" ein neues Mitglied der mörderischen Sippschaft eingeführt, das weder entstellt noch degeneriert ist, sondern mit eisernem Regiment die Unzucht-Brut regiert, die in den Wäldern nachwievor ihr bestialisches Unwesen treibt.
Dabei bleibt O´Brien seiner Linie treu und setzt auch hier wieder auf ausgedehnte Sexszenen, treibt aber gleichzeitig die Handlung konsequent voran und überrascht mit einigen ironischen und schwarzhumorigen Dialogpassagen - auch wenn manche Phrasen wie immer zum Haare raufen sind und die deutsche Synchronisation streckenweise grenzwertig ist.
Die Splatterszenen sind gut über die gesamte Laufzeit verteilt - wer behauptet, der Goregehalt sei zurück geschraubt worden, irrt gewaltig: O´Brien serviert die obligatorische Schlachtplatte mit blutigen Metzeleien, Ausweidungen und kannibalistischen Leckerbissen, die Kills sind zahlreich und vielseitig und in bester "SAW"-Manier wurden auch ein paar böse Todesfallen eingearbeitet. Die Tatsache, dass hier nach den CGI-Orgien aus Teil 3 und 4 endlich wieder ohne Computeranimationen gehackt, gestochen, gesägt und geschreddert wird, macht den fünften Teil zu einer der besten Fortsetzungen des Franchise, die nach langer Zeit mal wieder richtig Spaß macht.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Story um die Belagerung des Kleinstadt-Gefängnisses - zwar ein alter Hut, der an Western wie "Rio Bravo" oder John Carpenters Klassiker "Assault" erinnert - aber frischen Wind in die abgedroschene Wald- und Wiesenstory bringt.
"Wrong Turn 5" ist viel besser, als man nach Teil 4 und von Regisseur O´Brien hätte erwarten können. Er bietet exakt die richtige Mischung für Fun-Splatter dieser Art und überzeugt hinsichtlich der Spannungsmomente, der Effekte und des Einsatzes von Claude Foisys Score auf ganzer Linie!
7,5/10