Review

Sieht den Wald vor lauter Kannibalen nicht


„Wrong Turn 5“ besticht vor allem durch drei Dinge, die drei Bs sozusagen: seine abgrundtiefe Boshaftigkeit, seine noch maßlosere Billigkeit und seine unfassbare Belanglosigkeit. In dem schon vierten Sequel, der wohl dreistesten Ausschlachtung (und Abschlachtung?!) der Reihe bisher, mischen Three Fingers und seine Inzestbuddies eine Kleinstadt samt Musik-/Kostümfestival auf - unter der Regie von keinem Geringeren als einem (zumindest äußerlich!) nicht entstellten Doug „Pinhead“ Bradley in vollem Hillbillie-Modus... Doch was cool klingt und wieder, weiteren frischen Wind in die dennoch immer ähnlich aufgebaute Reihe bringen könnte, entpuppt sich als brutaler Sargnagel und Bodensatz dieser. 

Ich kann/muss mich kurzhalten, wenn ich aufzählen will, was mir an „Wrong Turn 5: Bloodlines“ noch einigermaßen mundet. Doug Bradley natürlich, hier eine Legende im Scheisshaufen, bei der man sich wirklich fragt, wie sie da reingekommen ist. Aber auch der wird für die meiste Zeit hinter Gittern verschenkt. Dann noch das immer noch sehr hohe Gewaltlevel, das die Reihe uncut weiterhin zum No-Go in Deutschland machte. Hier gibt es etwa einen riesigen Rasenmäher (?) oder eine Fütterung mit den eigenen Gedärmen. Wohl bekommt's! Aber das ist es nunmal, was die Reihe auszeichnet und Fans wollen. Doch selbst das extremste Gekröse in den eigenen Innereien rettet diesen missratenen Ableger nicht mehr. Nicht im Geringsten sogar. „Bloodlines“ war für mich hart durchzuhalten, höllisch langweilig und absolut unbrauchbar. Amateur Hour! Die Gesichter der Kannibalen sehen wesentlich grottiger aus als im fast 10 Jahre älteren Original, der Schauplatz und die Bauten sind eindeutig eher Ostblock als West Virginia, eine kohärente Geschichte ist schwer auszumachen und ich konnte mich schon während des Abspanns an keine Figur, kein Opfer, keinen Namen mehr erinnern. Das ist Bodensatz. Das ist unnötig. Das geht gar nicht. Überrascht hat mich nur die ziemlich übel (oder gar positiv?!) aufstoßende Boshaftigkeit, mit der der Film vor allem gegen Ende auf der Seite der Killer, Monster und Vergewaltiger steht. Klar sind Three Fingers und Co. schon irgendwie unsere verkappten Helden, der Kleber und die Aushängeschilder der Reihe - aber bei einem solchen insgesamt schmerzhaften Machwerk und Cashgrab stößt selbst das irgendwie übel und unpassend auf. Dagegen sieht der direkte Vorgänger „Bloodlines“ aus wie ein ganz feiner Film. 

Fazit: für mich wohl klar der Tiefpunkt der saftigen, spätestens jetzt ziemlich grottigen Reihe. Keine Minute mehr ernst zu nehmen. Zwar im Kern und seinen einzigen soliden Momenten immer noch eine brutale, bitterböse Backwoodschlachtplatte, aber viel öfters schmerzhaft billig, uninteressant, künstlich, glatt, unwitzig und unnötig. Hohl und oberflächlich braucht man bei der Reihe ja eh nicht mehr betonen. Doch „Wrong Turn 5“ ist schon so ziemlich im siebten Kreis der dilettantischen B-Movie-Hölle angekommen. Pfui! Und hier leider kaum aus den richtigen Gründen... 

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