Review

Klar Leute, wenn ich schon die große FF-Sause mit „Grave Encounters“ starte, kann ich auch gleich mit dem zweiten Teil nachlegen, der es ja recht effektiv schaffte, den Web-Buzz des ersten Films gleich wieder zu Grabe zu tragen.
Nein, wir haben es hier nicht mit einem zweiten „Blair Witch 2“ zu tun (der im Vergleich ja wirklich diskutabel war, mir aber übrigens besser gefiel), eher mit einer Rekapitulation der besten Teile des Vorgängers und dem – gescheiterten – Versuch, so etwas wie eine Entschlüsselung der Vorgänge zu versuchen.

In dem Versuch, etwas Meta-Ebene in die Produktion zu bringen, existiert Film 1 auch in Film 2, war auch da ein Web-Hype, doch leider sind die Produzenten und Darsteller inzwischen alle verschwunden oder tot – abgesehen von dem Produzenten aus Teil 1 und den beiden Regisseuren, die sich in einem netten Joke als Praktikanten der Produktionsfirma herausstellen.
Das alles beschäftigt dann einen etwas verqueren Filmhochschulstudenten, der selbst gerade einen Film dreht (der wiederum ungemein scheiße klischeehaft wirkt), während er sonst Kritiken ins Internet hackt. Ein anonymer User namens „DeathAwaits“ ködert ihn dann fortwährend mit Infobits, bis er nach einigen Recherchen überzeugt genug ist, um selbst in besagter Anstalt aus Teil 1 zu drehen.

Ab da hat man dann bald die gleiche Ausgangsposition wie im Vorgänger, wobei man sagen muss, dass der zweite Teil drastischer mit den Abgängen ist, vermutlich um den Spannungsbogen zu halten. Das klappt nicht immer, bietet aber immerhin einen netten Dreh, wenn der Crew vermeintlich die Flucht aus der Anstalt gelingt.
Wirklichen Erkenntnisgewinn gibt es dann leider auch später nicht, wenn man den – herzlich unsympathischen Charakteren – den offenbar seit 9 Jahren in der Anstalt wohnenden Hauptdarsteller aus Teil 1 hinzufügt.
Es mutiert dann alles in irgendeine Form von okkultem Dimensionshorror, der mit einer seltsamen „roten Tür“ garniert wird, die zumindest von der Idee her eine reizvolle Ergänzung ist. Die sorgt dann auch für die einzige schockierende Szene am Schluss, die man unangenehm vor den Zuschauern ausbreitet. Hätte so nicht sein müssen, aber man wollte wohl noch einen „Peak“ setzen.

Trotz allem ist der zweite Teil fast in jeder Hinsicht schwächer als der Vorgänger. Die Figuren sind sogar noch etwas unsympathischer als im Vorgänger, was vielleicht auch dem Umstand geschuldet ist, dass die zwei männlichen Protagonisten hier mittels einer mehrminütigen und vollkommen überflüssigen exzessiven Party-Story eingeführt werden, bei der der eine sich besäuft und der andere dann zweifelhafte Bilder von seinem Kumpel ins Netz stellt – nicht, dass das alles etwas mit dem Restfilm zu tun hätte. Das gilt auch für die zwei Szenen des selbstgedrehten Films, denen man beiwohnen darf und die nur die angespannte Chemie des Teams noch mal verdeutlichen.
Größer, schneller, lauter und ein wenig drastischer, so soll der zweite Teil wohl werden, aber damit begeht man genau den Fehler, den viele Sequeldreher machen, wenn man per se eigentlich keine eigenen Ideen hat. Zu ein paar echten Erklärungen zu der dämonischen Entität (die ja, wie hier postuliert wird, Zugriff auf Facebook hat, aber in der Klinik sich dann via Ouija-Board meldet) konnte man sich dann auch nicht richtig durchringen, wenn man von Prestons dauerndem irren Gekicher ausgeht. Hilfreich ist es aber, wenn man sich eine Synopsis dazu im Netz durchliest, dann weiß man auch, was im letzten Viertel warum getan wird.

Ganz in den Morast wird die Vorlage nun nicht geritten, aber die Figuren wechseln eben von schwer erträglich zu noch schwerer erträglich und Richard Harmon, der ein paar Jahre später die Serie „The 100“ veredelte, sieht als Protagonist eben meistens nur schwer genervt aus, was nicht gerade eine emotionale Reaktion auf das Geschehen hier fördert.
War ganz gut, dass nach diesem Film Schluss mit einer Franchise war, die sich dankbarerweise mal nicht das Wörtchen „Paranormal“ vor den Titel klebte (zur selben Zeit liefen die „Activity“- und die „Investigations“-Serien, wobei nur erstere wohl auch wirklich zusammen gehörte). Akzeptabel, aber unter Durchschnitt. (4/10)

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