Review

Irreversibel stellte sowas wie eine Grenzerfahrung für mich dar. Viel hatte ich über den Film gelesen, vielleicht sogar etwas zu viel. Doch die ungewöhnliche Machart des Filmes, hat mich dann doch dazu verleitet ihn anzusehen und obwohl ich sagen kann, dass dies auch nach wie vor nicht so richtig meine Art von Kino ist, so muss ich dem beunruhigenden Werk einiges an Qualitäten zusprechen.

Zunächst einmal bin ich niemand der von einer gewissen Härte zurückschreckt, dennoch übertreibt es Noe vor allem in der Feuerlöschzene und man muss nicht so exzessiv mit der Kamera draufhalten, da wäre weniger mehr gewesen. Kurz gesagt: Nach der 1. Viertelstunde war ich kurz vorm ausschalten.

Doch dann wird Noes Film interessanter und ich entschloss mich doch noch ihn weiter weiter zu schauen. Die Erzählweise des Filmes ist sehr interessant und dennoch im Gegensatz zu Nolans Memento gerade zu banal simpel. Mal abgesehen von dem wirren Gelaber der alten Leute zu Beginn, kann man den Film durchaus auch schon nach dem ersten Mal voll und ganz verstehen. Sehr verstörend dann sicher noch die Vergewaltigungsszene, die vielleicht auch noch ein wenig zu lang war, dennoch ihre Wirkung voll und ganz erzielte. Im Gegensatz zu der meiner Meinung nach zu plakiativen Feuerlöschszene, inszeniert Noe diese Szene so dermaßen realistisch, das es wirklich beinahe wehtut.

Wo wir auch schon beim Realismus sind, dieser stellt meiner Meinung nach die größte Stärke des Filmes dar. Trotz des durch die Inszenierung betont künstlerischen Aspektes ist Irreversibel doch so nah am Leben wie man es selten sieht. Jeder Frau könnte so etwas passieren und wie man aus Zeitungen, Nachrichten usw. weiß, ist sowas schon viel zu oft Geschehen. Die Leute die Noe eine viel zu pessimistische Einstellung attestieren wollen, die liegen meiner Meinung nach ihm Unrecht. Er zeigt eben auch die richtige Scheiße die passiert. Und dennoch denke ich nicht das Irreversibel nur diese Skandalszenen zu bieten hat ( sind im Übrigen nur 2), nein er hat auch wunderbare Szenen. Man denke nur an die U- Bahnszene in der so herzhaft offen und witzig über Sex und die alltäglichen Sachen des Lebens geredet wird. Jeder hat sich schonmal so ähnlich unterhalten. Oder die erotisch sinnlichen Szenen zwischen Bellucci und Cassel, wie sie sich nackt im Bett räkeln. Oder die letzte Sequenz in der Bellucci auf einer Decke im Grünen sitzt.
Freilich wird dies alles noch schmerzhafter, da man ja weiß wie die Geschichte letzlich enden wird. Viel Leid, Gewalt und zerstörte Seelen wird man schließlich finden und wieso oft kommt der eigentliche Auslöser dieser tödlichen Spirale ungeschoren davon. Gewalt erzeugt Gegengewalt und bleibt nicht ohne schwerwiegende Konsequenzen, dies hat bisher, mit Ausnahme von Eastwoods Erbarmungslos, kein Film so radikal zum Ausdruck gebracht.

Zu den Schauspielern muss man nur sagen weltklasse. Sie improvisierten das meißte, was den von mir angesprochenen Realismus noch verstärkt. Vor allem Monica Bellucci muss sehr gelobt werden, für mich ist sie eine der schönsten Frauen der Welt und wie ich sehen konnte auch eine sehr gute Schauspielern. Wie viele andere schon muss ich ihr meinen vollsten Respekt zollen, das sie so eine schwerige Rolle über sich ergehen ließ.

Fazit: Manchmal zu sehr auf Skandal aus und nicht immer nur toll, ist Gaspar Noes Film doch ein beeindruckend radikaler Film, der sicher nicht für jederman geeignet ist und deswegen auf jedenfall einzigartig ist. Ein sehr unangenehmer Film, der eine Erfahrung wert ist, doch wie anfangs schon erwähnt dann doch nicht ganz meine Art von Film ist.
8/10

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