*Achtung, Spoiler!*
Ein junger Mann (Marcus) läuft aggressiv durch einen Schwulen-Club. Er beginnt eine Schlägerei und wird vergewaltigt. Sein Kumpel Pierre erschlägt seinen Peiniger mit einem Feuerlöscher. Kurz zuvor verlassen die zwei eine Party. Auf dem Nachhauseweg finden sie Alex, Marcus´ Freundin und Pierres Exfreundin, schwer verletzt und vergewaltigt! Wie konnte es zu diesem Strudel der Gewalt kommen?Dieser Film ist definitiv nichts für schwache Nerven! Noé, der die ganze Geschichte rückwärts erzählt, hat mit diesem Kunstwerk einen wirklich fesselnden wie auch abstoßenden Film geschaffen. Da der Zuschauer zunächst überhaupt nicht weiß, wie es zu der dargestellten Gewalt kam, bleibt einem nichts anderes übrig, als zuzuschauen und abzuwarten. Die Feuerlöscherszene ist unglaublich brutal und (dank CGI) extremst real dargestellt. Selbst Splatterfreunden dürfte es, aufgrund des hohen Aggressionspotentials der Szene schwerfallen, die ganze Zeit hinzugucken! Schlimmer wird es noch, wenn sich das Puzzle zusammensetzt. Erfahren wir zunächst, dass Pierre und Marcus einen Typen suchen, um sich zu rächen, wird uns darauf gezeigt, weshalb. Alex wurde heftig anal vergewaltigt! Die Vergewaltigungsszene setzt dem ganzen Film die Krone auf. Sie ist dermaßen authentisch und brutal, dass einem schlecht wird. Ich konnte nicht die ganze Zeit hingucken, und das will was heißen!
Sehr gewöhnungsbedürftig an diesem Film ist die Kameraführung, die den halben Film nicht still steht. Sie soll die Zeit charakterisieren und schwebt durch die Szenen, so dass man immer nur Bruchstücke erfassen kann. Dies ist besonders anstrengend, da sich der Film ja rückwärts erzählt. Die sich ständig drehende, herumspringende Kamera erzeugt leichte Übelkeit beim Betrachten, was die aggressive Stimmung des ersten Teils des Films sehr gut widerspiegelt. Nur bei den Gewaltszenen hält die Kamera drauf, bei der Feuerlöscherszene noch wacklig, in der Vergewaltigungsszene steht sie dann still, um dem Zuschauer alles detalliert zu zeigen und ihn zu zwingen, wegzugucken. Spätestens an diesem Punkt sollte man darüber nachdenken, den Film abzuschalten. Mir ging es jedenfalls so. Selbstverständlich habe ich ihn trotzdem zuende geschaut, jedoch permanent gehofft, nicht nochmal mit solch einer Szene konfrontiert zu werden. Hier gelang es Noé wunderbar, einen schockierten Zuschauer langsam wieder aus dem Film zu führen. Das Ende des Films, also quasi der Anfang der Geschichte, besticht mit hellen, warmen Farben, einer ruhigen Kameraführung und Liebesszenen. In der allerletzten Szene bekommt man von Noé aber nochmal richtig auf die Fresse...Epileptiker sollten spätestens beim rotierenden Rasen ausschalten!!!
Ich gebe Irreversibel 8/10 Punkten, da mich dieses Werk mal wieder so richtig schockiert hat! Der letzte Film, der das geschafft hat, war Cannibal - Aus dem Tagebuch eines Kannibalen (den ich auch mal wieder gucken sollte...). Nicht dass ich darauf stehen würde, Filme zu gucken, die Übelkeit in mir erzeugen, aber dennoch komme ich hin und wieder mal ganz gerne an meine Grenzen.