Was ist "Irréversible"? Ein Skandalfilm? Ein Kunstfilm? Oder ein schier unerträglicher Gewaltfilm? Tja eigentlich ist er irgendwie alles. Noe schickt uns mit Irreversibel auf eine Achterbahnfahrt des unvorstellbaren Grauens, die keinen, aber auch wirklich keinen, unberührt lässt!
Noe hat es geschafft, mit teilweise schier unglaublichen Stilmitteln und teils unerträglich real wirkenden Szenen ein Film zu schaffen, den es wohl in der Art noch nie gegeben hat.
Da wäre erst mal die Idee, dass Ganze, ähnlich wie Memento, rückwärts laufen zu lassen. Doch während bei Memento dadurch ein schier geniales Tüfteln & Rätselraten gestartet wird, führt man uns bei Irreversibel eher von Anfang an, in ein äußerst brutales und kaum aushaltbares Szenario, in der ein Mann mit immenser Brutalität durch einen Schwulenclub rast und jemanden sucht, um ihn danach eiskalt und ohne Skrupel mit einem Feuerlöscher das Gesicht zu zertrümmern. Und während in anderen Filmen spätestens hier abgeblendet wird, lässt Noe das Schauspiel weiterlaufen, bis vom Gesicht des Mannes nicht mehr viel übrig ist. Dabei verherrlicht er aber nicht die gezeigte Gewalt, sondern zeigt sie schlicht und ergreifend in voller, unerträglicher Realität und schafft damit, dass was er will: Er widert uns an, mit dem Gezeigten und lässt uns schlicht und ergreifend begreifen, wie widerwärtig und abstoßend Gewalt und deren Anwendung ist.
Auch im weiteren Filmverlauf bleibt es teilweise schier unbegreiflich, wie ein Mann, dem es nach Rache gelüstet, so derartig austicken konnte und Taten begeht, die einfach nicht mehr zu fassen sind. Erst nach dem uns die alles auslösende Stelle gezeigt wurde, nämlich die schockierende und brutale Vergewaltigungsszene, bei der man schon fast gewählt ist den Raum, vor Abscheu des Gezeigten, zu verlassen, fühlt man sich erstmals irgendwie "in Sicherheit". Doch durch die Szenen danach, die uns zeigen, wie glücklich das frisch verliebte Paar doch war, wird das eben gesehene noch unbegreiflicher, bevor Noe uns dann am Ende des Films noch einmal mit einem riesigen Schock, aus dem Film entlässt!
Man wird sozusagen direkt in die brutale Dunkelheit eingeführt, um uns am Ende in einem traurigen hellen Licht zu entlassen!
Noe perfektioniert das Ganze durch eine starke Kameraführung, die einem ununterbrochen wie einen Voyeur vorkommen lässt. Verwackelt und immer voll drauf haltend, dass man dem Ganzen eigentlich gar nicht entfliehen kann.
Und auch andere Mittel, wie den rückwärts und spiegelverkehrt laufenden Abspann, am Anfang des Films, der sich dann langsam aber sicher immer weiter dreht, machen den Film zu einem schier unglaublichen Erlebnis, das man eigentlich gar nicht haben möchte, aber sich trotzdem bis zum Schluss nicht entziehen kann, damit man sich nach dem Kinobesuch, in eine trostlose und traurige Dunkelheit begibt!
Zudem sind auch der Score und die Darstellerleistungen aller erste Güte!
Fazit: Ein noch nie da gewesener, unglaublich schockierender und aufwühlender Film, der uns mit großartigen Stilmitteln unglaublich fesselt und uns mit großer Abscheu, ein schier unerträgliches Szenario zeigt, dass uns vor realer Gewalt endgültig abschrecken lässt! Ein Meisterwerk, das aber bitte einzigartig bleibt!
NICHT FÜR JEDERMANN GEEIGNET, auch wenn ihn eigentlich jeder einmal sehen sollte!
Wertung: 10/10