Review

Was soll man über diesen Film schreiben, bzw. sagen?
Auch wenn man diesen Film nicht gesehen hat, weiß jeder, der sich nur halbwegs mehr mit Filmen beschäftigt, was man bei Ansehung des Streifens zu erwarten hat.
Es gibt zwei Szenen, die diesen Film prägen. Es sind wohl Szenen, die einem als einziges im Gedächtnis bleiben, wenn man das Kino verlässt.
Dabei hat der Film viel mehr zu bieten. Zum Ende des Films (der eigentliche Anfang, da der Film in bester Memento Manier rückwärts erzählt wird) kommt die ganze Tragik zum Vorschein. Der Zuschauer erfährt ein wichtiges Detail in Bezug auf die Protagonisten, dass der Film ein noch flaueres Gefühl im Magen hervorruft, als er es ohnehin schon getan hat.
Doch worum geht es in dem Film?
Ein junges Paar geht mit einem Bekannten auf eine Party. Es kommt zum Streit zwischen dem Paar, wobei der Bekannte, der früher mit der Protagonistin ebenfalls liiert war, noch versucht zu schlichten und zu verhindern, dass sie die Party verlässt. Doch Alex, so der Name von ihr, geht trotzdem und es kommt zur absoluten Katastrophe: Alex wird auf dem Weg nach Hause vergewaltigt und verprügelt.
Daraufhin startet ihr Freund einen Rachefeldzug und will um jedes Mittel den Täter finden. Die Suche endet in einem Homosexuellenklub, in dem es zur finalen Auseinandersetzung mit dem vermeintlichen Täter kommt...
Ich möchte dem Film weder eine positive noch negative Bewertung geben, aber was ich gesehen habe war wohl der beeindruckendste Film, den ich seit langem gesehen habe.
Es ist schwer meine Eindrücke in Worte zu fassen, aber eines muss einem von vorne her klar sein: Die Vergewaltigung und die finale Auseinandersetzung sind nichts für schwache Nerven. Die Realität des Dargestellten ist so bedrückend und kaum aushaltbar. Man kann gar nicht mehr hinschauen, da uns der Regisseur schon fast mit der Authentizität foltern will.
Und da kommt nun die berechtigte Frage: Muss man diesen Vorgang so extrem darstellen? Reicht es nicht, wenn man nur andeutet und dem Zuschauer und seiner Fantasie überlässt, was passiert?
Diese Frage ist nicht zu beantworten. Der Regisseur Gaspar Noe wollte etwas Neues und Absolutes schaffen. Das hat er auch geschafft. Doch was bringt es dem Zuschauer?
Das Motiv des Films ist ganz klar die Selbstjustiz der männlichen Protagonisten. Und in dieser Tat findet man auch die einzige Aussage des Films: Der Film kritisiert den Gebrauch der Selbstjustiz.
Doch, hatte man solche Kritik nicht schon in anderen Filmen zu genüge gesehen?
Es ist schwer zu einem Punkt zu kommen, aber eines noch zum Schluss:
Der Film verherrlicht weder Gewalt, noch propagiert er irgendetwas. Er stellt nur dar. Er stellt die tagtäglich passierende Gewalt dar, die in unserer Gesellschaft stattfindet.
Das, was wir oft nicht wahrhaben wollen, und das, wo wir auch schon mal wegsehen, weil wir es nicht ertragen, dass wir so feige sind.
An diesem Film scheiden sich die Geister. Man kann ihn sich ansehen, er ist aber auch kein Muss, wie er von vielen so genannten Filmkunstkritikern bezeichnet wird.
Er schafft eine neue Stufe der Gewaltdarstellung und steht auch dazu. Er verhehlt nichts. Es kann jedem passieren, und das ist das beklemmende an diesem Film.

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