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Menschenverachtender Dreck, der oftmals irrtümlich zum „brachialen Kunstwerk“ verklärt wird. Die rückwärts ablaufende Handlung als vermeintliches Alleinstellungsmerkmal erweist sich dabei als cleverer Schachzug Noés, denn damit verpasst er seinem Film eine scheinbar undurchdringbare Rüstung gegen Fanboy-Angriffe aller Art. Irreversibel zu kritisieren, heißt folglich, Kunstbanause zu sein und seine Kerngedanken nicht zu erfassen.

Vielen großartigen Regisseuren gelang es in der Vergangenheit, ihren Kulturpessimismus in provokante Skandalfilme zu transferieren. Sie erzeugten dabei allen Tabubrüchen zum Trotz auch Empathie für ihre Figuren und verbargen den humanistischen Kern ihrer Filme hinter einer misanthropischen Schale, die zu entfernen oft mühselig war. Auf diese Weise entstanden mitunter subversive Wunderwerke für die Ewigkeit, die menschliche Abgründe erforschten und dabei halfen, Mechanismen der Gewalt zu verstehen. Entfernt man die misanthropische Schale von „Irreversibel“, lassen sich dahinter auch nur zertrümmerte Schädel, vergewaltigende Schwänze und grenzenloser Hass entdecken. Jaja: die Zeit zerstört alles, keine Katharsis... dazu hat es aber diesen Film in dieser affektierten Form sicher nicht gebraucht.

Die Cravens, Pasolinis und Peckinpahs waren wütend und hatten etwas zu sagen. Noé hat bis auf eine hässlich-plumpe Provokation im Namen der Kunst überhaupt nichts zu sagen. So ist „Irreversibel“ trotz seiner handwerklich beachtlichen Inszenierung ein einziges großes, unappetitliches Missverständnis.

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