Auch wenn sich das Geschrei um den angeblichen Skandal als übertrieben herausstellt, so ist „Irreversibel“ leider doch als Film etwas mäßig.
Zur Story sei nicht viel verraten, nur dass sie ähnlich wie „Memento“ in Rückblenden erzählt wird. Der Film beginnt mit einem Schwulenclub, der von der Polizei umstellt worden ist. In dem Club wurde jemand aus Rache ermordet, Pierre (Albert Dupontel) wird verhaftet und der verletzte Marcus (Vincent Cassel) wird in einen Krankenwagen gebracht. Von da an erfährt man nur, welche Ereignisse zu diesem Ende führten.
Sehr interessant ist die technische Machart von „Irreversibel“, denn der Film kommt ohne sichtbare Schnitte aus, wobei diese natürlich geschickt versteckt werden; so kreist die Kamera zwischen den Rückblenden mehrmals um die eigene Achse, damit man nicht das Gefühl hat die Kamerafahrt werde unterbrochen. Diese Drehart führt natürlich zu langen und schwer zu spielenden Szenen, was der kompletten Crew schon mal ein Lob für die handwerkliche Geschicklichkeit und die Geduld einbringt.
Inhaltlich ist der Film mehr Drama als Thriller, so dass die Handlung an sich ziemlich einfach ist und man sie im Gegensatz zu „Memento“ problemlos beim ersten Sehen versteht. Interessant sind hier vor allem die verschiedenen Fragen und Motive, denen der Film nachgeht: Was führte zu der Tat? Wurde überhaupt der Richtige bestraft? Ist das Urteil, das man sich über die Figuren anfangs bildet, eventuell falsch und wird durch die anderen Ereignisse revidiert?
*SPOILER* So ist es z.B. ziemlich interessant zu erfahren, dass Pierre den Mord zwar begeht, aber nur im Affekt und Marcus eigentlich der Aggressor in dem Film ist, der seine zu stürmische Art immer wieder offen an den Tag legt. *SPOILER ENDE*
Doch leider hat der Film eine Handlung, die man rund 45 Minuten packen könnte ohne etwas Wichtiges zu verlieren. Jede Szene ist sehr ausgewalzt, egal ob es sich hierbei um ein Gespräch in der U-Bahn oder die Suche nach einem Verdächtigen in der Schwulenbar handelt. Doch leider öden die extrem lang gezogenen Szenen nach einer Weile an. Da in „Irreversibel“ alles sehr ausführlich gezeigt wird, trifft dies auch auf die derberen Szenen zu, was dann zu den Skandalberichten führte. Doch dies passt zu dem Stil des Films und ist nicht voyeuristisch, so dass die Kritik unberechtigt wirkt. Lediglich in der Darstellung der Schwulen wirkt der Film doch sehr abfällig.
Die Darsteller machen ihre Sache recht gut, auch wenn ich die Darbietungen von Vincent Cassel und Monica Bellucci in „Pakt der Wölfe“ besser fand. Aber schon allein die Aufgabe die extrem langen Szenen des Films zu spielen ist eine Herausforderung, die zeigt, dass hier keine Amateure am Werk waren, sondern gekonnte Schauspieler.
Handwerklich mit nicht zu verachtendem Aufwand gemacht und mit einer interessanten Fragestellung, doch aufgrund der immer wieder auftretenden Längen in den viel zu lang gezogenen Szenen ist „Irreversibel“ doch etwas mäßig.