*** SPOILERWARNUNG ***
Nachdem sie sich auf einer Party gestritten haben, verlässt Alex (Monica Belluci) diese und tritt den Heimweg an. In einer Unterführung wird sie vergewaltigt und verprügelt, woraufhin ihr Freund Marcus (Vincent Cassel) und ihr Ex Pierre (Albert Dupontel) sich auf die Jagd nach dem Täter machen, um Rache zu nehmen.
Die Konstruktion im quasi-Rückwärtsmodus macht die Geschichte dann auch interessanter im Aufbau, als sie ist. Denn eigentlich ist die Story recht simpel gestrickt, die erst durch ihre Erzählweise einen außergewöhnlichen Dreh bekommt. Simpel heißt hier allerdings nicht, dass diese leicht konsumierbar ist. Thematisch und grafisch bekommt man schon ziemlich was um die Ohren gehauen. Wo andere schneiden oder mit dem Framing einiges ersparen, hält Noé voll drauf. Das ist mitunter quälend und sicher nicht jedermanns Sache, aber auch berechnend.
Die zeitliche Spielerei bringt auch Probleme mit sich. Nach der Vergewaltigungssequenz, die als emotionaler Einschlag gilt, folgt noch die Vorgeschichte. Dies wäre im Normalfall die Exposition, bringt die Figuren näher etc. Hier fühlt es sich wie ein überlanger Epilog an, der rückwirkend (?) in der Länge nicht mehr nötig gewesen wäre, weil das, wohin wir die nun kennengelernten Figuren mitnehmen, schon passiert ist. Aber allein das Wissen, das man als Zuschauer den Figuren voraus hat, sorgt bei den Feierszenen und insbesondere dem Zusammensein von Marcus und Alex gegen Ende für ein unbehagliches Gefühl, das bis nach dem Abspann bleibt. Vor allem, wenn man sich überlegt, dass in der Clubszene dem Falschen das Gesicht zu Klump gehauen wurde.
Ein weiteres Gimmick ist der versteckte Schnitt, der das Ganze wie aus einem Guss wirken lassen soll. Ist es natürlich nicht und durch die herumwirbelnde Kamera wird dies eben kaschiert, wenn auch beileibe nicht so stilvoll wie im späteren „Birdman“ oder im früheren „Cocktail für eine Leiche“. Gerade in der Club-Sequenz am „Anfang“ ist dies mitunter recht anstrengend, doch auch rauschhaft. Die wirklich zusammenhängend gedrehten Sequenzen sind da doch beeindruckender. Auch das Ensemble, insbesondere Cassel und Bellucci, spielt sich einnehmend durch dieses Konstrukt.
Nüchtern betrachtet ist das alles aber recht selbstzweckhaft. Der Film bezieht seinen Status nur aus zwei Dingen: der Konstruktion und der Härte. Ohne diese beiden Faktoren bliebe da nicht viel übrig. Aber er ist nun mal, was er ist und als intensives, filmisches Experiment durchaus gelungen.