Review

Fürs Erste ist die Sache für Autor und Regisseur Joseph Stephen Sims reichlich in die Hose gegangen und nicht nur weil hier jemandem Scheiße ins Gesicht geschmiert und kurz darauf abgeleckt wird. Ganz offensichtlich ist sein erster Langfilm als Neo-Noir konzipiert, doch die Erzählung scheitert auf nahezu allen Ebenen und dürfte insbesondere bei Horrorfreunden schon bald als lahmarschig inszeniertes Kuddelmuddel die Runde machen.

Fünf Episoden mit Titeln wie „Frühstück Teil 1: Samstagmorgen“ oder „Freitagnachmittag: Amoklauf“ werden einem in nicht chronologischer Reihenfolge vorgesetzt, wobei der Erzählung immerhin zugute zu halten ist, dass narrative Elemente ineinander übergehen und sich Sims zumindest Gedanken über den Kern seiner Geschichte gemacht hat.

Außer einer Affäre, einigen harmlos inszenierten Morden und einem Ermittler finden sich jedoch keinerlei Anzeichen für einen noir; es gibt keine femme fatale, keine Romantisierung, komplett austauschbare Schauplätze und eine schwache Optik, die hauptsächlich auf der ungelenken Kamera mit zu vielen schlecht positionierten Nahaufnahmen beruht.

Hinzu kommen die gegen Null tendierenden Figurenzeichnungen. Wähnt man sich beim Killerpaar der Geschwister Petersen und Emma zunächst noch innerhalb einer „Bonny und Clyde“ - Kopie, flacht die Chose im Mittelteil komplett ab und mutiert zu einem hirnlosen Reigen, bei dem in einer Bibliothek idiotische Schüler aufeinander treffen und später eine witzlose Party mit Tanz und Drogen veranstalten, bei der die Pointe erst ein Kapitel später enthüllt wird.

Theoretisch klingt die Geschichte nicht uninteressant: Das erwähnte Killerpaar, eine Fremdgehlehrerin und ihr eifersüchtiger Cop, ein entführter Schuldirektor, ein Massenmord und ein schmieriger Geldeintreiber. Doch weder softe Gewaltmomente (selbst ein Stock im Auge, der später herausgezogen wird, sieht schwach in Szene gesetzt aus), noch einer der durchweg steif agierenden Mimen können etwas von den zahlreichen Schwachstellen kaschieren, denn die phasenweise pubertär anmutenden Dialoge gehen mit der lupenreinen Pornosynchro einher.

Dieses australische Machwerk wird es schwer haben, überhaupt Freunde für sich zu gewinnen und das völlig zu Recht. Man mag ihm zugute halten, dass Elemente einzelner Kapitel eine Brücke zu anderen schlagen und somit noch vages Interesse Aufrecht erhalten und dass der Score zum Teil recht treffend gewählt ist, doch bei alledem kommen weder Spannung noch Atmosphäre auf, man stößt auf zahlreiche schlecht gefilmte Szenen ohne Sinn, während die Essenz der Geschichte gegen Ende kaum noch wahrgenommen werden dürfte.
Schlechtes Benehmen könnte auch bedeuten, einen Film zu veröffentlichen, der keinen interessiert…
3 von 10

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