Review

Nach 18 Jahren wird Jens Kessler (Sebastian Koch), ehemaliges RAF-Mitglied, aus der Haft entlassen. Seine Schwester Tina (Barbara
Auer) hat in ihrem vom Erbe der Eltern erworbenen Landhaus bei Berlin eine
Wiedersehensfeier mit ehemaligen Mitstreitern organisiert. Die Stimmung kipptals Jens fragt, wer ihn damals verpfiffen hat...

Christian Klar (geb. 1952 in Freiburg) wird als Mitglied der sogenannten 2. Generation der RAF im November 1982 verhaftet und 1985 wegen mehrfachen gemeinschaftlich verübten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Berhard Schlinks Roman "Das Wochenende" erscheint 2008, nachdem Klars Gnadengesuch von Bundespräsident Köhler abgelehnt wurde und beschäftigt sich mit den fiktiven Ereignissen nach seiner Haftentlassung, die am 19.12.08 tatsächlich erfolgen sollte.

Christian Klar heißt in Nina Grosses ("Der gläserne Himmel" 1987,
"Der verlorene Sohn" 2009) Drama Kessler und hat seine revolutionären
Geist auch in der Haft nicht verloren. Doch "die Welt hat sich verändert,
es gibt nicht mehr nur schwarz und weiß, gut und böse, Menschen und
Schweine", seine ehemaligen Mitkämpfer sind bürgerlich geworden, die alten
Ideale scheinen nicht nur vergessen. Hier treffen Kesslers Worte,
"Revolution erfordert Umbruch, das muss man aushalten können", auf
taube Ohren, werden sogar zum Ziel des Spottes der Nichtbeteiligten. Doch die politische Diskussion verebbt im Verlauf des Films zugunsten der
zwischenmenschlichen Problematik und flammt nur noch einmal kurz auf als Jens' Sohn Gregor plötzlich auftaucht und von seinem Vater mehrere Stellungnahmen einfordert. Dieser wird von Robert Gwisdek ("Neue Vahr Süd" 2010) eindringlich verkörpert, wie auch das ganze Ensemble starke Leistungen bietet, vor allem Sebastian Koch ("Das Lebens der Anderen" 2006), der in 1997 "Todesspiel" schon mal Andreas Baader darstellte, und Katja Riemann ("Der bewegte Mann" 1994, "Comedian Harmonists" 1997,
"Ich bin die Andere" 2006) als seine Ex.

Ein gut inszeniertes Drama, das leider die auch heute noch notwendige
Auseinandersetzung mit Motiven und Zielen der RAF vermissen lässt. (7,5/10)

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