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Harter und ungeschönter spanischer Thriller mit authentischem Hintergrund

Es handelt sich bei "Grupo 7", wie KINGS OF THE CITY im Original heißt, nicht einfach um eine Ausgabe des spanischen Tatorts, sondern um einen actionreichen, brutalen und schnellen Cop-Thriller, der die Frage nach Moral und der Angemessenheit der polizeilichen Methoden meist erst nach dem Einsatz stellt. Natürlich geht das nicht lange gut und so nehmen die Dinge ihren Lauf. Die  vielen Gesichter und Schauspieler sind für den normalen Deutschen Zuschauer nicht wirklich bekannt, ergeben aber durch ihre Intensität und ungeschönte Performance eine wirklich gute Einheit.

Die Geschichte der 4 speziell zusammengestellten spanischen Cops, die die Spezialeinheit "Unit 7" (Grupo 7) bilden die den Auftrag hat, in Sevilla Ende der Achtziger die Stadt vom Drogenhandel zu säubern, soll hat einen authentischen Hintergrund besitzen. Als die Männer es mit ihren knallharten Methoden stets am Rande der Legalität und darüber hinaus übertreiben und einer der Drogenbarone dagegenhält eskaliert die Situation….Die sich daraus ergebenden Actionszenen sind weder stylisch, noch irgendwie elegant durchinszeniert oder im üblichen Sinne schön, sondern einfach nur der höchstmöglichen Realität geschuldet.

Frauen spielen keine große Rolle in KINGS OF THE CITY. Es herrscht stets eine spröde, trockene und ganz spezielle nüchterne Atmosphäre vor und ich muss sagen, dass dies den typischen Mainstream-Zuschauer nicht automatisch anspricht. Irgendwo fehlt diesem eventuell die gewohnte Optik von US-Thrillern, oder die mentale Nachvollziehbarkeit vergleichbarer deutscher Streifen. Erholung für den Zuschauer bieten nur die Dialogszenen der Männer untereinander in ihren Bars, und auch diese sind sehr direkt Einsichten über die Charaktere und der Entwicklung der Beziehungen und Spannungen untereinander geschuldet.

Schauspielerisch ergeben die Leistungen der Darsteller eine unglaublich dichte Einheit und ohne in die Einzelheiten und Details zu gehen, ist die Mischung der Charaktere der Spezialeinheit aus altem Hasen, dem jungen unerfahrenen Cop, dem Familienmensch und dem Frauenheld eine ebenso klassische wie vordergründig klischeehaft wirkende. Die rauen und unverstellt wirkenden Charaktere agieren allerdings so erfrischend direkt und die Spannungen wirken nach einiger Zeit so authentisch, so dass man sich nachhaltig in den Strudel der eskalierenden Ereignisse fallen lassen kann.

KINGS OF THE CITY fängt sehr schön die Atmosphäre der spanischen Stadt Sevilla ein, in der ich auch in den 90ern mal selbst war. Die engen Gassen mit den alten Häusern, die Gemütlichkeit des alten gewachsenen Stadtkerns und die vielen Bars und Restaurants ergeben eine perfekte Atmosphäre und diese Straßen sind bei den Temperaturen in Südspanien abends mit feiernden Menschen bis in die frühen Morgenstunden gut gefüllt. Die EXPO war zwar kurzfristig ein belebendes Ereignis für die Stadt, die Ausstellungsparks wirken allerdings einige Jahre danach wie ausgetrocknete Industrieruinen und passen nicht zum sonstigen Stadtbild. Ich denke nicht, dass die EXPO der Stadt wirklich langfristig etwas gebracht hat.

Aus den oben genannten Gründen kann ich KINGS OF THE CITY sehr empfehlen, mit dem nochmaligen Hinweis, dass es kein einfach zu konsumierenden Film ist der an die üblichen Thriller-Sehgewohnheiten anknüpft. Er fängt eigentlich dort an anzusetzen, wo andere Thriller schon wegblenden und entlastende dramaturgische Elemente einbauen und fordert den Zuschauer auf diese Weise sehr, sich mit dieser Realität auseinanderzusetzen. Er hat nicht nur das bekannte New Yorker Tribeca Film Festival gewonnen, sondern bekam auch bei der Berlinale eine Nominierung für den ''Europäischen Film Award''.

7/10 Punkten

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