Der zweite Tod, wie man den Originaltitel frei übersetzen könnte, wird mit dem Bibelzitat aus der Offenbarung 21.8 recht treffend auf den Punkt gebracht, wobei die Passage aus der Heiligen Schrift lediglich als Quellenangabe erwähnt wird, jedoch nicht dessen Inhalt, welcher am Ende die Pointe der Geschichte untermauert. Eine Geschichte, bei der möglicherweise ein Großteil der Betrachter einschlummern könnte, nicht nur aufgrund der überaus kontrastlosen Optik.
Polizistin Alba arbeitet seit einem traumatischen Zwischenfall in einem ländlichen Kaff, in dem es zu einem merkwürdigen Todesfall kommt. Eine völlig verkohlte Leiche wird auf einem Feldweg in Gebetsstellung aufgefunden, es gibt jedoch keine weiteren Spuren, noch irgendwelche Hinweise auf einen Täter. Als kurz darauf die zweite Leiche entdeckt wird, wendet sich Alba an einen elfjährigen Jungen auf Durchreise, den alle nur Magier nennen.
Durch die Berührung eines Fotos kann Magier wesentliche Teile der Vergangenheit des Betreffenden sehen und schon bald kommt Alba dem Geheimnis des Ortes ein Stückchen näher…
Tatsächlich könnte es sich beinahe um einen Schwarzweißfilm handeln, denn erst bei genauerem Hinsehen fallen leichte Farbnuancen auf, welche bei einigen Flashbacks etwas deutlicher werden. Die Farblosigkeit der Optik unterstreicht allerdings den surrealen Touch, der über dem Geschehen liegt: Ein hellseherischer Junge, der ständig mit weißen Handschuhen am Zauberwürfel dreht, verkohlte Leichen, ein dubioser Priester, ein schreiendes Baby am unmittelbaren Tatort und zuletzt kommt auch noch die Jungfrau Maria höchstpersönlich ins Spiel, denn nach dem fünften Opfer mehren sich die Aussagen, dass eine äußerst ähnliche Erscheinung während der Taten gesichtet wurde.
Prinzipiell ist die Story durchaus interessant und abwechslungsreich, doch der Zugang wird einem verdammt nicht leicht gemacht. Zwar bringen die Gedankengänge von Alba phasenweise ein wenig Tiefe ins Spiel und einige Metaphern sind recht treffend gewählt, doch anderweitig erscheinen viele Szenen endlos gestreckt, Interaktionen wirken wie in Zeitlupe und zuweilen starren sich Protagonisten viel zu lange an, was kein Mensch im realen Leben vollbringen könnte, ohne irgendwann laut loszuprusten.
Demgegenüber hätte man von dem hellseherischen Jungen gerne mehr gesehen, da dieser viel Charisma mitbringt und mithilfe der ansonsten recht souveränen Kamera ein paar gruselige Momente mehr drin gewesen wären.
So bleibt der Streifen eher auf der Ebene eines Mystery-Drama hängen, mit arger Dialoglast, sehr wenig Bewegung, überhaupt keinem Blutvergießen und einem Ratespiel um einen Mörder oder etwas, das die Menschen umbrachte, was erst gegen Ende eine halbwegs plausible Grundlage erfährt. Einen markigen Twist sollte man allerdings nicht erwarten, da einige Flashbacks bereits andeuten, dass manche Gegebenheiten eventuell eine doppelte Bedeutung mit sich bringen könnten.
Der argentinische Regiedebütant Santiago Fernández Calvete offenbart mit seinem Erstling durchaus künstlerischen Anspruch, bindet treffend besetzte und überzeugende Mimen ein und lässt einen effektiven Score einfließen, der die mystische und zwischen totaler Einsamkeit und Depression schwankende Stimmung treffend untermalt.
Etwas versponnen, allerdings auch merklich schwerfällig, entwickelt sich eine phasenweise ansprechende Suche nach einem Mörder zwischen Himmel und Hölle, zwischen Jungfrau Maria und Abgesandten Luzifers.
Der Streifen benötigt viel Geduld und ein ordentliches Maß an Aufmerksamkeit, denn schwer zugänglich ist er, nicht nur aufgrund der zunehmenden Anspielungen an Bibelinhalte auf jeden Fall.
5,5 von 10