Review

Jurassic Park meets Blair Witch Project ? – leider Fehlanzeige...

Bildtafeln künden gleich zu Anfang von dem vermeintlich authentischen Charakter der später gezeigten Bilder. Gezielt baut THE DINOSAUR PROJECT auf den bekannten Found-Footage-Stil mit Videotagebuch auf. Dabei treten vor allem am Anfang die üblichen Belanglosigkeiten in Realzeit und Längen der Handlung in der Vorstellung der Charaktere und dem actionfreien Vorgeplänkel auf. Um es gleich vorwegzunehmen: THE DINOSAUR PROJECT scheitert im Angesicht der selbstgesetzten Ansprüche und seiner eigenen massiven und übertriebenen Werbung.

Und wieder – ich wiederhole mich hier in den letzten Monaten – trifft die Regel zu, dass je mehr Superlative auf dem Cover stehen, desto mieser ist der Film. THE DINOSAUR PROJECT ist weit davon entfernt "der beste Dinofilm seit JURASSIC PARK" zu sein. Die Idee statt Außerirdischen, Geistern oder sonstigen Monstern mal ausgestorbene Dinos in einem Found-Footage Streifen auftreten zu lassen ist eigentlich gar nicht so schlecht, und tatsächlich wird der Film je länger er läuft in Bezug auf die Effekte immer besser und auch das Ende ist gut gelungen.

Geführt wird die Expeditionstruppe von Marchant (Richard Dillane) in den kongolesischen Urwald. Begleitet wird Marchant unter anderem von seinem Sohn Luke (Matt Kane) der auch die Kamera oft bedient. Andere Nebenfiguren bleiben leider blass und stellen eher virtuelles Dinofutter dar. Immerhin geht es schon nach 15 Minuten los und unsere Protagonisten werden gleich ins Rennen geschickt. Entscheidend für die Qualität eines solchen Films wäre es, wenn es gute Action und wirklich furchteinflößende Dinos in guter Animation gäbe. Dann könnte man einiges verzeihen.

Aber leider Fehlanzeige. Die ersten Auftritte der Monster wirken eher wie die Augsburger Puppenkiste. Gruselstimmung ist nicht angesagt. Eher verbreiten die Tierchen und die menschlichen Darsteller eine lustige Trash-Atmosphäre, obwohl der Film kaum freiwillige komödiantische Anteile enthält. Später gibt es dann phantasievolle hundsgroße Saurier in deren Darstellung deutlich mehr Budget geflossen ist und die Dinofans gefallen werden. Diese verhalten sich allerdings auch wie Hunde und werden auch gerne mal gestreichelt. So waren also die kleinen Dinos, aha. Später gibt es tatsächlich gut gelungene Naturaufnahmen mit Flugsauriern.

Kurzum, es fehlt einfach an furchterregenden Dinos, Spannung und einer packenden Story um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Vielleicht ist ja noch was für Found-Footage-Komplettisten die sehr leidensfähig sind. Vor allem aber auch noch Dino-Fans, da es wirklich gut integrierte kleine Dinos in schönen Drehorten gibt. Ein Totalreinfall ist der Film nicht, die Ausstattung und Naturschauplätze sind schön anzusehen und auch die schauspielerische Leistung und sogar die deutsche Synchronisation heben den Film über den Durchschnitt und über Trashfilm Sphären hinweg.

Er rockt halt nur nicht und entscheidet sich nicht zwischen einem blutigen Monster-Spektakel oder einem mehr auf ein jüngeres Publikum zugeschnittenen Dino-Spaß. Eine ganze Reihe von technischen Fehlern bzw. Ungenauigkeiten im Umgang mit der Kameratechnik weist der Film auch noch auf, die hier nicht weiter im Detail ausgeführt werden sollen. Es gibt einen oft übertriebenen und im Kontext der Handlung sinnlosen Einsatz von Wackelkamera und unnötige Filmabbrüche und seltsam simulierte technische Probleme die eigentlich keine normale Kamera hat.

Regisseur Sid Barrett steht wohl auf Dinos. Sein vorheriges Werk PREHISTORIC PARK als TV-Serie drehte sich auch um die Tierchen. Mit THE DINOSAUR PROJECT hat er eine weitere Variante des Found-Footage Genres geschaffen und dem Genre keinen Gefallen getan. Die Mischung hätte mit mehr Budget wirklich zünden können, verbreitet aber eher gepflegte Heiterkeit die niemandem weh tut und das nicht negative, aber dennoch spürbare Gefühl wieder mal rund 75 Minuten Sehzeit erfolgreich verschwendet zu haben.

4/10 Punkten (mit viel Dino-Bonus)

Details
Ähnliche Filme