Review

Tauschen wir mal eben den Wald von „Blair Witch“ in einen Dschungel ein und statt Zombies oder paranormale Erscheinungen werden prähistorische Echsen auf den strapazierfähigen Betrachter losgelassen, - schon ergibt das Ganze so etwas wie „The Lost World“ mit Wackelkamera.

Kryptozoologe Jonathan Marchant ist gar nicht erfreut, als sein siebzehnjähriger Sohn Luke als blinder Passagier im Helikopter auftaucht, doch kurz darauf stürzt die Crew mitten im Dschungel des Kongos ab. Erst langsam realisiert die Truppe die fremdartigen Lebewesen, doch nicht alle scheinen freundlich gesinnt…

Mit langer Figureneinführung hält sich die Geschichte erst gar nicht auf, wobei es noch eben ausreicht, um Luke als einzigen Sympathieträger zu etablieren, während sein Dad von Beginn an als regelrechter Stinkstiefel keinen angemessenen Chef der Gruppe abgibt. Hinzu kommen eine einheimische Führerin, eine junge Medizinerin, Jonathans persönlicher Assistent und ein paar Leute für Ton und Kamera.

Die Wahl der Handkameras ist in diesem Fall ein Knackpunkt, da diverse Egosichtweisen kaum Suspense zutage fördern, einige Blickwinkel ungünstig fürs Geschehen sind und bei jedem Einsetzten von Bewegung zahlreiche Bildausfälle und lange Schnitte herauskommen, was sich negativ auf das Sehvergnügen auswirkt. Einzig eine an einem kleinen Dino angebrachte Kamera bringt ein paar gut nachgestellte Fahrten, doch der Rest des Bildmaterials ist in vielerlei kontraproduktiv, zumal bei Konfrontationen oder plötzlichen Angriffen fast immer weg geschwenkt wird.

Das ist auch insofern schade, als dass die prähistorischen Monster überraschend gut animiert sind und sich qualitativ um Längen von gängigen B-Movies unterscheiden. Sauber in Szene gesetzte Details, flüssige Bewegungsabläufe, passende Schatten und glaubwürdige Interaktionen mit Mensch oder anderen Tieren bilden die wenigen Höhepunkte des ansonsten eher einfallslosen und gleichermaßen oft unlogisch verlaufenden Streifens.

Denn innerhalb der Gruppe werden häufig irrationale Entscheidungen gefällt, in prekären Situationen werden merkwürdige Prioritäten gesetzt und am Ende läuft die Handlung völlig aus dem Ruder, zumal kein eindeutiger Ausgang gesetzt wird.
Zwar ist phasenweise gut Bewegung im Spiel und einige Momente in lautloser Nacht lassen aufhorchen, doch gerade aus der Egosicht der mitgeführten Handkameras hätte definitiv mehr herausgeholt werden müssen.

Dem durchwachsenem Niveau gleichen sich die meisten Mimen an und auch die Synchro ist nicht mehr als Mittelmaß. Der thematisierte Konflikt zwischen Vater und Sohn erhält weder genug Background, noch berührt er emotional und auch der Humor kommt viel zu kurz, obgleich Ansätze im Spiel sind.

Alles in allem ein Streifen, der aus herkömmlicher Kamerasicht besser zur Geltung gekommen wäre, da die Urzeitmonster sehr gut gestaltet sind und die Umgebung mit ein paar Vogelperspektiven gewiss eine intensivere Grundstimmung geschürt hätte.
So bleibt er nur leidlich unterhaltsam, denn sobald es droht spannend zu werden, geraten sämtliche Kameras aus dem Fokus oder wackeln hin und her, als würden beide Arme gleichzeitig im Halbkreis ausschlagen.
Für Dino-Fans okay, für alle anderen kein wirkliches Vergnügen.
Knapp
4 von 10

Details
Ähnliche Filme