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(Scheinbar) Im Zuge von Polizeikomödien wie Police Academy (1984) oder dem Beverly Hills Cop (1984) auch entstanden, erinnert Michael Dinners Off Beat weniger seine beiden äußerst erfolgreichen, vor allem eher auch die laute Unterhaltungsschiene bedienenden Kollegen in Uniform, sondern vielmehr an die weiteren Großstadtmärchen der Achtziger wie vielleicht Big (1988), Working Girls (1988) oder The Secret of My Succe$s (1987). Filme für die Baby Boomer Generation, in denen in der Hektik und den Wirren der Metropole, in der überbesiedelten und von Konkurrenz nur so wimmelnden Ortschaft nach der Landflucht dennoch die Menschlichkeit, die Liebe und andere Hoffnungsträger des Glückes, oft auf wie wundersame und umso schönere Weise als in der Realität entdeckt wurden. Die Zeiten bunt, ja, und mit etwas eigenem Zutun und Fortuna das Leben auch:

Der Endzwanziger Joe Gower [ Judge Reinhold ] ist unter Aufsicht des gestrengen bis hinterhältigen Neil Pepper [ John Turturro ] in der New Yorker Bibliothek dafür zuständig, die Magazinbestellungen aus dem Archiv in die Ausleihe zu liefern. Als seine bisherige Freundin, die Kollegin Mary Ellen Gruenwald [ Amy Wright ] ihm eröffnet, dass sie jetzt mit Neil zusammen ist, und dieser ihm zudem eine längst anstehende Beförderung erneut vermeidet, sieht sich der bisher schon zufriedene Joe erstmal richtig mit seinem jetzigen Leben und den Missständen darin konfrontiert. Auch deswegen nimmt er das 'Angebot' seines Freundes Abe Washington [ Cleavant Derricks ], eines Polizisten im 22.ten Reviers an, für ihn und entsprechend auch in Uniform an einem alljährlichen Charityevent teilzunehmen, in dem extra dafür entsandte Cops unter der Führung von Tanzlehrer August [ Jacques d'Amboise ] eine Aufführung einstudieren und wenige Wochen später darbieten sollen. Zwar will Joe wie viele andere, darunter Harry [ James Tolkan ] und James Bonnell [ Mike Starr ] nach der ersten Tanzstunde die Aufgabe schmeißen, wird allerdings von Lady Cop Rachel Wareham [ Meg Tilly ] fasziniert und wirbt in seiner unbeholfenen Art auch sie. Leider hat sie in dem One Night Stand Pete Peterson [ Joe Mantegna ] einen aufdringlichen Verehrer, und leider hat er ihr auch noch gar nicht eröffnet, dass er eigentlich gar kein Gesetzeshüter, sondern im Grunde ein Auf- und Hochstapler ist.

Wer jetzt die Materialien des reinen Unterhaltungskinos, die lauten und anhaltenden Lacher und die Erregtheit durch Aktionsszenen erwartet, gerade auch angesichts der Beteiligung durch den damaligen Jungstar Judge Reinhold (plus Cameos und Nebenrollen von u.a. Anthony Zerbe, Fred Gwynne, Harvey Keitel, Victor Argo, William Sadler und Chris Noth), sieht sich hier schnell in dieser Erfüllung benachteiligt enttäuscht. So sind zwar in der Geschichte, schon in der Prämisse der Verkleidung mehrere Optionen dafür dar und werden gar in den Raum gestellt, sich aber letztlich bis auf das Anspielen einer Verfolgungsjagd weniger darum gekümmert als vielmehr das eventuelle Pärchen in den Mittelpunkt gesetzt. In Augenschein genommen wird vor allem der Mann, dessen Leben bis dato eher ruhig verlief und sicherlich nicht schlecht, aber vor allem in den letzten Tagen dennoch mit einigen Rückschlägen, dem Verlust der Freundin und der verneinten Beförderung verlief.

Das Finden eines Partners, auch der Erfolg in der Karriere oder zumindest die Betätigung in einer erfüllenden Berufung und vielleicht noch das Erfüllen von geheimen Träumen als das eigentliche Ziel der Großstadtmenschen, in denen dies trotz oder gerade wegen der Vielzahl von anderen Beteiligten um einen herum so einfach gar nicht ist. In dieser Zeichnung der Hauptperson ist der Film in seiner Gemütserregung, gerade durch das Umfeld – die bis auf ihn und die Bücher leeren Archivräume im Keller der altehrwürdigen Bibliothek, die Kommunikation den ganzen Tag allein über die Rohrpost, die ebenso allein bezogene Wohnung, in der es wenigstens ein Fenster nach draußen, aber sonst auch nur die Bücher gibt – wird ein Milieu präsentiert, in dem jede Erneuerung im Leben tatsächlich schon ein Fortschritt, etwas Positives ist.

Teils erinnert diese Behandlung, der plötzliche Trubel, die Befreiung im Tanz und das Wohlfühlen in einer Gruppe, die sich stets nach der Arbeit zu diese Betätigung trifft, und natürlich auch das ins Leben tretenden der Frau tatsächlich an einen Traum. An eine Phantasie, wie sie wortwörtlich im Buche steht; in dem das Glück winkt, man sich bewähren kann und muss und am Ende die Prinzessin als Belohnung all der Mühen steht. Joe, mit dem Allerweltsnamen, dem noch jugendlichen Auftreten und Gesicht, der bisher eher gekuscht hat und Strapazen und anderen Anforderungen aus dem Wege ging, und der so richtig in seiner Umwelt auch nichts bemerkte, nun im Zentrum der Aufmerksamkeit, die in gleich mehreren Belange an- und er dort seinen Manne steht.

In der Tanzgruppe soll er anführen, am runden Stammtisch wird er öfters mal die entscheidenden Fragen gestellt und auch Rachel, einnehmend von der jungen Meg Tilly gespielt, die äußerst attraktiv das Geschehen füllt, setzt ihn direkt in das Herzstück ihres Lebens. Alles Dinge und Situationen, die allerdings auf einer falschen Voraussetzung beruhen und auf einer Verkleidung, einer falschen Identität, einer Lüge, die kein Bestand haben kann basierend sind. Im Grunde ist die Idee von Dezsö Magyar, einem ungarischen Filmemacher, filmmaking mentor und zwischenzeitlich Leiter des Konservatoriums des American Film Institute so schlecht gar nicht, werden allerdings hier weder in den Dialogen Wesentliches gesagt noch gar in der Inszenierung diesem Nebensächlichen eigene Energie eingeflösst. Szenen laufen einfach so ab, oft mehr schlecht als recht, wenig auf nur irgendeiner Tragweite zielend und so leider oft ohne Essenz.

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