Review

Wer kennt heute nicht einen der grössten Produzenten in Gründer der Firma "Cinema Service" Kang Woo-suk?
Er hat sich in Südkorea allerdings sowohl als Produzent als auch als Regisseur einen Namen gemacht. Die Liste der erfolgreichen Filme ist lang und wird in Zukunft wohl noch länger werden. Im Jahre 2002 verwirklichte er wieder ein eigenes Filmprojekt und trat bei "Public Enemy - ein harter Cop" selber hinter die Kamera.
Hierbei handelt es sich um einen sehr westlich angelehnten Copthriller, es fehlen die sonst typischen südkoreanischen Slapstickeinlagen ebenso, wie häuffig zu sehende überspitzte Darstellungen von Gangster und/oder Polizei. Es dominiert eher ein unterkühlter Zynismus bzw. eine Art Desillusioniertheit. Der Polizist als jemand der mit ungleichen Waffen gegen Windmühlen zu kämpfen scheint und in diesem System zerrieben wird. Entweder weil er sich durch seine Rolle im System selber bedient und mitschuldig wird, oder aber weil seine soziale Stellung und Verbundenheit in der Gesellschaft daran zerbricht. Der Film ist somit mehr als nur ein einfacher Copthriller, er ist vielmehr ein sozialkritischer Hinweis auf verschiedene Zustände im jeweiligen Rechtssystem.

Schon zu Beginn weiss man in welche Richtung der Film laufen wird. Wir lernen den Alltag eines Cops kennen. Mit Voiceover unterlegt gibt uns der Hauptdarsteller einen kurzen Überblick. Dazu Bilder von Polizeieinsätzen, Verfolgungsjagden und Kämpfen. Plötzlich eine Attacke auf einen Polizisten und danach ein Staatsbegräbnis.
Wie hat ein idealer Cop zu sein? Er muss ohne zu murren und Widerspruch seinen Job machen und die Bevölkerung vor den Kriminellen dieser Welt beschützen. Er muss täglich sein Leben riskieren und gegen die übermächtig scheinende Macht des Verbrechens tapfer ankämpfen. Er muss sich mit seinem undankbaren Job abfinden, akzeptieren wenn die eigene Familie daran scheitert und im Falle seines Todes darf er sich auf eine ehrenhafte Beerdigung freuen.
Allerdings zählen diese Floskeln für unseren Hauptdarsteller überhaupt nicht und er pfeifft auf jede einzelne von ihnen. Der Cop Kang Cheol-jung ( gespielt von Sol Kyung-gu ) ist anders. Er ist mürrisch und aufsässig, er findet sich keineswegs mit seinem Job ab, sondern nutzt ihn für sich aus indem er sich reichlich im System bedient. Cheol-jung ist korrupt und ebenso kaputt wie sein gesamtes Leben zu sein scheint. Ohne Frau und mit zwei Töchtern gaunert und schmiert er sich durch seinen Job. Seine letzten Verhaftungen liegen soweit zurück, dass sich niemand mehr daran erinnern kann. Gerade als er sich mit seinem Partner eine Tasche Stoff ergaunert hat, kommt es zu internen Ermittlungen in seiner Abteilung. Sein Partner begeht noch im Auto nach dem warnenden Handyanruf Selbstmord. Cheol-jung allerdings übersteht auch die folgenden Ermittlungen in seiner ruppigen und respektlosen Art. Dann allerdings führt das Schicksal ihn mit einem Mann zusammen, der in gewisser Weise ähnlich respektlos und berechnend durchs Leben schreitet.
Der Anlageberater Jo Kyu-hwan ( gespielt von Lee Sung-jae ) ist erfolgreich und skrupellos. Ihn lernen wir onanierend unter der Dusche kennen ; danach nimmt der Familienvater seinen Sohn auf die Schultern und herzt seine Frau. Im Job ist er erfolgreich aber unbeliebt und hat einen ganz grossen Fisch an der Angel. Er hat in eine Firma investiert, die in Kürze an die Börse geht und im Wert daher immens steigen wird. Sein Kapital wird sich vervielfachen und Kyu-hwan wäre reich. Dumm nur, dass dieses Geld seinem Vater gehört und dieser das Kapital daher zeitnah zurückfordert um es für ein Waisenhaus zu spenden. Alle Versuche und Überredungskünste von Kyu-hwan helfen nicht und in einer geplanten und unbarmherzigen Aktion ermordet Kyun-hwan seine Eltern. Nach der Hinrichtung begegnen sich die beiden Männer in der regnerischen Nacht zufällig auf der einsamen Strasse. Der Cop Cheol-jung und der Mörder Kyu-hwan laufen sich zufällig über den Weg und geraten aneinander. Kyu-hwan verletzt Cheol-jung mit der Tatwaffe und kann fliehen.
Als der Mord an den alten Herrschaften entdeckt wird, bekommt natürlich Cheol-jung den Fall aufgebrummt und erinnert sich plötzlich an diese nächtliche Begegnung. Hat er den Mörder in der Nacht wirklich gesehen und wer war der Mann im Regenmantel mit der Mütze tief übers Gesicht gezogen?
Cheol-jung beginnt tatsächlich schnell den Sohn des Ehepaares und damit den Anlageberater Kyu-hwan zu verdächtigen und sich förmlich in diesen Fall zu verbeissen. Doch während unser Cop bei all seiner Durchtriebenheit noch einen letzten Rest Ehrfurcht und Respekt in sich trägt, sind auch diese letzten Grenzen bei Kyu-hwan längst überschritten. Es beginnt ein gnadenloses Psychoduell zwischen den Männern.

Obwohl ich die deutsche und damit gekürzte Fassung gesehen habe, war der Film immer noch deutlich über 2 Stunden lang. Wenn er einen deutlichen Kritikpunkt einstecken muss, dann den diese Zeit nicht adäquat ausfüllen zu können. Ein wenig mehr straffen und ich hätte glatt 8 Punkte verteilt.
Die Story ist natürlich nicht neu und auch nicht sehr ergiebig, doch die Machart des Films kommt uns hier im Westen sehr entgegen. Kang Woo-suk lehnt sich stark an westliche Thriller an und dreht hier einen blutigen und harten Film. Selbst in der gekürzten Fassung sind einige Szenen ausreichend brutal, ich denke besonders an die Hinrichtung der eigenen Eltern. Auch das ständige Fluchen und die Respektlosigkeiten auch den Vorgesetzten gegenüber, findet man sonst sehr selten in südkoreanischen Filmen.
Die Vernehmungen und die erste Verhaftung von Cheol-jung sind ebenfalls sehr westlich. Hier hat Lee Mun-shik als Gangster Mr.Math einen recht gelungenen Auftritt.
Wie überhaupt die beiden Hauptdarsteller schauspielerisch überzeugend rüberkommen. Sol Kyung-gu durfte ja schon mehrfach seine Fähigkeiten beweisen und an ihn erninnere ich mich gern aus "Oasis" und "Rikidozan". Auch hier kommt er schmierig und ungeschliffen daher, zuerst kann man kaum Sympathiepunkte für ihn vergeben, doch nach und nach entwickelt sich sein Gegenpart so extrem negativ, dass die Stimmung zu seinen Gunsten umschlagen muss. Die Taktik des Films, einem korrupten und unehrlichen Cop einen eiskalten berechnenden Killer entgegenzustellen, geht also voll auf.
Dieser eiskalte und berechnende Killer wird von Lee Sung-jae schnörkellos und geradelinig dargestellt. Er ist selbstverliebt und aalglatt und spätestens nach dem Elternmord beginnt man ihn zu verachten. Lee Sung-jae kannte ich bisher nur aus "Shinsukki Blues", "Ice Rain" und "Dance with the wind" wobei seine Rolle hier weitaus weniger sympathisch ist. Damit decken beide Darsteller in ihrer Karriere bisher ein breites Spektrum an Rollen ab und das merkt man dem Film auch an.
Wer also einen etwas zu langen aber routiniert inszenierten südkoreanischen Copthriller sehen möchte, der kommt am ungeschliffenen und rauhen "Public Enemy - ein harter Cop" nicht vorbei und wird ein gutes Stück Entertainment aus Südkorea erleben. Dafür gibt es gute 7 Punkte.

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