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Eine Reporterin kontaktiert einen jungen Mann, der seine Brötchen mit einer Webcam-Show auf einer Pornoseite im Internet verdient, um mehr über ihn und seine Tätigkeit zu erfahren. Währenddessen wird der Sohn eines vielbeschäftigten Anwalts von zwei Mitschülern mittels eines falschen Facebook-Profils gemobbt. Außerdem wird die Geschichte eines Ehepaares erzählt, das sich nach dem Tod des Sohnes wenig zu sagen hat und Opfer eines Cyberkriminellen wird.

Das Internet bietet nicht nur jedem jederzeit Zugang zum geballten Wissen der Menschheit und Kommunikationsmöglichkeiten, die noch vor wenigen Dekaden undenkbar gewesen wären. Es hat auch seine Schattenseiten. So wird gemeinhin beklagt, die Menschen würden teils nur noch in sozialen Netzwerken interagieren, während die direkten Kontakte verlorengingen, sie würden sozial verkümmern und sich im Cyberspace verlieren. Daher sehen wir in „Disconnect“ viele Menschen, in deren Alltag der Computer und das Internet eine herausragende Rolle spielen, während sie sich von ihren Mitmenschen entfremden. Passend dazu werden in den verschiedenen Episoden des Dramas die klassischen Gefahren des Internets etwas formelhaft durchexerziert, als würde es sich um ein Aufklärungsvideo für Schüler handeln. Es geht um Cybercrime und Identitätsdiebstahl, um Cybermobbing und illegale Pornographie, es fehlen eigentlich nur noch Fake News, die momentan in aller Munde sind.

Dennoch (und trotz einiger allzu konstruierter Überspitzungen) ist „Disconnect“ ein sehenswertes Drama geworden, das aufgrund seiner emotionalen Grundatmosphäre und des konsequenten Spannungsaufbaus zunehmend an Dramatik gewinnt. Die einzelnen Episoden sind dabei nur leicht, aber durchaus gelungen miteinander verwoben, wobei die Querverbindungen nach und nach aufgedeckt werden. Dabei ist das hier skizzierte Bild einer von allem entfremdeten Internet-Gesellschaft sehr eindrücklich: Man sieht eine Frau, die sich nach dem Tod des Sohnes dem Mitglied einer Online-Selbsthilfegruppe, aber nicht dem eigenen Ehemann offenbart oder vielbeschäftigte Eltern, die keinen Schimmer von dem haben, was ihre Kinder beschäftigt. Außerdem bewegt sich der u.a. mit Jason Bateman, Paula Patton und Alexander Skarsgard prominent besetzte Film darstellerisch auf hohem Niveau, was über die etwas stereotype Konstruktion mancher Figuren hinwegsehen lässt.

Fazit:
„Disconnect“ ist ein etwas formelhafter und stellenweise überspitzer Episodenfilm über die Schattenseiten der Internet-Gesellschaft. Gekonnt erzählt und gut gespielt ist er über weite Strecken dennoch ziemlich packend.

70 %

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